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Ein Bau, so trutzig wie ein gallisches Dorf

Der grösste Teil des Bahnhofs Huttwil ist modern und neu. Das galt nicht für das alte Lokomotivdepot. Der Schein trügt: Es wurde denkmalpflegerisch saniert.

Aufgefrischt: Das alte Huttwiler Bahndepot mit den Betreuern der Loks (v.l.) Thomas Kieffer, Jan mit Vater Ralph ­Buehler und im Hintergrund Bruno Glutz.
Aufgefrischt: Das alte Huttwiler Bahndepot mit den Betreuern der Loks (v.l.) Thomas Kieffer, Jan mit Vater Ralph ­Buehler und im Hintergrund Bruno Glutz.
Andreas Marbot

Wir befinden uns im Jahre 2017 nach Christus. Der ganze Bahnhof Huttwil ist neu . . . Der ganze Bahnhof? Nein, das von Eisenbahnern betriebene unbeugsame Lokomotivdepot hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht in den neuen Bahngebäuden, auf den neuen Schienen und Weichen und in den grossen Unterführungen.

Die berühmte Einleitung in den Asterix-Comics passt gut auf die aktuelle Situation in Huttwil. In der Tat ist vom alten Bahnhof einzig das Lokomotivdepot übrig geblieben. Doch auch das Depot präsentiert sich in neuem Glanz. Darauf weist nun die kantonale Denkmalpflege in ihrem neuesten Magazin «Fachwerk» hin. Barbara Frutiger fasst dort die Geschichte des Bauwerks zu­sammen.

Holz, weil Stahl knapp war

Der älteste Teil ist der östlichste. Ihn erstellte die Firma Gribi & Co AG aus Burgdorf parallel zum Bau der 1889 eröffneten Lan­genthal-Huttwil-Bahn. Ab 1920 wurde dieser Teil als Werkstatt genutzt. Die damals westlich angebaute neue Halle wurde jedoch bereits 1947 durch einen Neubau ersetzt – einen typischen Vertreter der Zeit am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg, wie Barbara Frutig hervorhebt.

Baumaterialien wie Stahl und Zement waren knapp. Der Zürcher Ingenieur Emil Staudenmann, der beigezogen wurde, war Fachmann für den Baustoff Holz. Einige seiner Holzbinderkonstruktionen waren sogar patentiert, darunter auch die in Huttwil verwendete Variation eines Hetzerbinders. Sie ermöglichten grosse Spannweiten, wie sie in einem Lokomotivdepot wichtig waren. In Huttwil beträgt diese fünfzehn Meter.

Die Stirne grau

Gegen aussen erweckt das Gebäude trotzdem den Eindruck eines Sichtbetonbaus. Neben dem betonierten Sockel, einer tatsächlich betonierten Achse und der ebenfalls betonierten Stirnseite trug dazu ursprünglich die graue Farbe aller Bauteile bei. Dies wurde nun bei der Neubemalung wieder berücksichtigt. Barbara Frutiger schreibt in ihrem Artikel von einer lang gestreckten, eleganten Halle an der Hangkante.

Gelbe Mauern, braunes Holz

Diese Lage war und ist jedoch nicht ganz unproblematisch: Der Hang bewegte sich leicht, die Nordfassade verformte sich. Der Bewegung wird nun mit zusätz­lichen Konsolen mit über zehn Meter langen Mikropfählen an den kritischen Stellen entgegengewirkt.

Die ursprüngliche Farbigkeit erhielt auch der 1890 entstandene Kopfbau wieder: Das Mauerwerk ist hellgelb, das Holzwerk ocker. Erhalten sind dort ebenfalls die Segmentbogenfenster mit ursprünglicher filigraner Holzsprossung.

Eine ideale Bestimmung hat das gallische Dorf auf dem Bahnhofareal übrigens längstens: 2012 vermietete die BLS es an die Emmentalbahn GmbH, die dort ihr historisches Rollmaterial abstellen und unterhalten kann. Sie befährt damit die stillgelegte Bahnlinie zwischen Huttwil, Sumiswald und Wasen. Lediglich in ­Bezug auf den Widerstand hinkt der Vergleich mit Asterix und Obelix: Die Emmentalbahn arbeitet mit der BLS zusammen und macht ihr nicht das Leben schwer.

Öffentliche Führung: Die Denkmalpflege führt zusammen mit der Emmentalbahn und dem Verein Historische Eisenbahn am Donnerstag, 16. November, eine öffentliche Führung durch. Beginn 17.30 Uhr, Dauer circa 90 Minuten.

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