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Ein Ort der Begegnung soll es sein

Eine Renaissanceschmiede ist nun in Rumisberg beheimatet. Besitzer Niklaus Maurer hat sie mit einem rauschenden Fest eröffnet. Und erklärt, was es damit auf sich hat.

Seinen Arbeitsort hat er sanft erneuert.Quereinsteiger Niklaus Maurer verwendete dafür alte Materialien.
Seinen Arbeitsort hat er sanft erneuert.Quereinsteiger Niklaus Maurer verwendete dafür alte Materialien.
Andreas Marbot
Vorführung: Kunstschmied Christian Baumann zeigte sein Handwerk.
Vorführung: Kunstschmied Christian Baumann zeigte sein Handwerk.
Andreas Marbot
«Es war die Zeit, in der die Schmiede am meisten Gas gegeben haben», sagt Niklaus Maurer über die Renaissance.
«Es war die Zeit, in der die Schmiede am meisten Gas gegeben haben», sagt Niklaus Maurer über die Renaissance.
Andreas Marbot
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Mitten in der Hauseinfahrt steht ein Pferd. Seelenruhig lässt sich das Tier die Hufe beschlagen. Die vielen herannahenden Besucher nimmt die Stute gelassen zur Kenntnis. Nur wenige Meter weiter ist ein Zimmermann am Werk, mit gleichmässigen Schlägen bearbeitet er ein Stück Holz. Im Innern des Hochstudhauses in Rumisberg sind junge Schmiedinnen damit beschäftigt, heisses Eisen in Form zu bringen. Sie tun es im Rahmen der Eröffnungsfeier von Niklaus Maurers Renaissanceschmiede. Er hat ein breites Programm auf die Beine gestellt.

Ein zweischneidiges Schwert

Das war dem Rumisberger dank seines grossen Netzwerks möglich. «Es ist genial, dass all die Leute hier zusammenkommen», schwärmt der Schmied. Umso mehr, da dem Lehrer als Quereinsteiger zuweilen eine besondere Rolle zukommt: «Ich war nicht von Anfang an mit dem Handwerk verbunden, daher werde ich manchmal kritisch beäugt.» Auch beim Kurswesen handle es sich um ein zweischneidiges Schwert. «Einige Berufsleute machen sich Sorgen wegen einer möglichen Verwässerung ihrer Branche», erklärt Maurer.

Doch an diesem Wochenende spielt das keine Rolle. Alle sind sie gekommen, um ihr Handwerk zu präsentieren und mit dem 49-Jährigen zu feiern. Dutzende Autos mit Nummernschildern aus der ganzen Schweiz und gar aus Deutschland säumen die Dorfstrasse im beschaulichen Rumisberg. In seinem blauen Schmiedehemd schüttelt Niklaus Maurer fleis­sig Hände, er strahlt übers ganze Gesicht.

Lufthämmer mit 90 Lenzen

Mit viel Liebe zum Detail renoviert Maurer das rund 300-jährige Bauernhaus mit der dazugehörigen Schmiede und dem imposanten Dachstock – mittlerweile seit sieben Jahren.

«Ich will das Haus aber nicht totsanieren», betonte er schon während eines Interviews im Sommer 2017. Weshalb Maurer ausschliesslich natürliches und auch mal sehr altes Baumaterial verwendet. So findet sich in der Schmiede etwa ein hölzerner Wandschmuck, der rund 400 Jahre auf dem Buckel hat. «Ganz fertig bin ich noch nicht, aber jetzt kann man es zeigen», sagt der Rumisberger zur Eröffnung und lacht. Stolz deutet er auf die beiden Lufthämmer. Die etwa 90-jährigen Maschinen verrichten ihre Arbeit mit einem schnaufenden Geräusch. «Sie laufen noch immer tadellos», sagt Maurer.

In seiner Renaissanceschmiede will er – wie schon im Freilichtmuseum Ballenberg – Kur­se anbieten und angehenden Schmieden bei ihrer Ausbildung unter die Arme greifen. Sein Pensum als Werklehrer am Oberstufenzentrum Wiedlisbach möchte er reduzieren, die Stelle aber keinesfalls aufgeben. Dafür ist ihm die Arbeit mit den Jugendlichen zu wertvoll.

Und diese schätzen ihren unkonventionellen Lehrer offenbar ebenso, stehen einige von ihnen doch als Servicekräfte oder Schwinginstruktoren während des Fests im Einsatz. Den klangvollen Namen seiner Wirkungsstätte begründet Maurer mit der Faszination für die Epoche der Renaissance. «Es war die Zeit, in der die Schmiede am meisten Gas gegeben haben», erklärt er. Wahre Meisterleistungen seien damals vollbracht worden. «Das spornt mich an.»

Die Privatsphäre wahren

Auch viele schaulustige Rumisbergerinnen und Rumisberger kommen während des Eröffnungsfests vorbei. Wegen seines unkonventionellen Lebensstils im historischen Bauernhaus ist Niklaus Maurer zuweilen Gesprächsthema im Dorf. «Einige belächeln mich natürlich», ist er sich bewusst.

Immer wieder kämen aber auch Interessierte zu ihm, die sich nach dem Stand der Bauarbeiten oder nach der Zukunft der Schmiede erkundigten. «Die Menschen spüren, dass hier ein Ort der Begegnung ist», meint Maurer. Nichtsdestotrotz trennt er sein Wohnhaus klar vom Schmiederaum und vom dazugehörigen Dachstock ab. Bei aller Offenheit – ein Stück Privatsphäre will sich Niklaus Maurer in seinem Bijou dann doch bewahren.

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