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«Ich war kein Dealer»

Der Mann gibt zwar zu, andere Leute mit harten Drogen versorgt zu haben. Vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau streitet er jedoch ab, ein Dealer gewesen zu sein.

War der 35-Jährige ein Dealer? Diese Frage muss das Gericht beantworten.
War der 35-Jährige ein Dealer? Diese Frage muss das Gericht beantworten.
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Viel schöner könnte dieser Freitag, 6. Juli, für den 35-jährigen Kosovaren gar nicht beginnen: Am Morgen darf er miterleben, wie seine Frau von Zwillingen entbunden wird.Wie lange er seine Vaterfreuden geniessen kann, erfährt er wenige Stunden später: Dann eröffnet das Regionalgericht ­Emmental-Oberaargau sein Urteil gegen den Mann.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, jahrelang mit Kokain gehandelt zu haben. Durchschnittlich einmal pro Woche sei er nach Olten gefahren, um sich in einschlägigen Lokalen mit Kokain einzudecken. Anschliessend habe er den Stoff in Langenthal verkauft.

Die Anklagebehörde geht davon aus, dass er im Laufe der Zeit zwischen 375 und 624 Gramm des weissen Pulvers unter die Leute brachte und so einen Reingewinn von über 10'000 Franken erzielte. Mit diesem Geld habe er seine Lebensunterhaltskosten bestritten und seinen eigenen Drogenkonsum finanziert, heisst es in der Anklageschrift.

«Böses Alkoholproblem»

Gegenüber Roger Zuber, dem Präsidenten des in Dreierbesetzung tagenden Gerichts, räumte der Beschuldigte ein, Kollegen mit Kokain versorgt zu haben. Gegen die Bezeichnung Dealer verwahrte er sich jedoch mehrfach wortreich. Das Kokain habe er «nur in Notfällen» mit Gewinn abgegeben, behauptete er.

Mit konkreten Angaben über die gekauften und verkauften Mengen könne er beim besten Willen nicht dienen, versicherte der Bauarbeiter. In jener Zeit habe er «ein böses Alkoholproblem» gehabt und regelmässig Heroin, Kokain und Speed konsumiert. Von all diesen Süchten sei er seit seiner Verhaftung vor anderthalb Jahren befreit. Inzwischen wolle er nur noch, dass «diese Sache ein Ende hat».

Er wisse, dass er Fehler begangen habe, und sei bereit, dafür zu büssen, stellte der Mann mit Nachdruck fest. Was auch immer das Gericht ihm als Strafe auferlege: «Ich akzeptiere alles», versicherte er, nur, eben: Ein Dealer sei er allen Zeugenaussagen, Ergebnissen von Telefonüberwachungen und einer ergiebigen Hausdurchsuchung zum Trotz nie gewesen.

Ausweisung ist möglich

Bei qualifizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz handelt es sich um Delikte, die gemäss dem Ausschaffungsgesetz eine Ausweisung nach sich ziehen. Ausnahmen sind nur in Härtefällen möglich.

Über eine gerichtlich angeordnete Rückkehr in seine Heimat habe er sich noch keine Gedanken gemacht, liess er das Gremium wissen. «Aber wenn das so sein müsste, müsste das so sein. Dann wäre ich schon morgen weg», sagte er. Dass seine Frau und die Kinder in der Schweiz bleiben würden, sei für ihn selbstverständlich.

Ein normales Leben führen

Eigentlich hätten er und seine ebenfalls berufstätige Frau ganz andere Pläne gehabt, fügte er an. Aber dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit bisweilen grosse Lücken klaffen könnten, wisse er längst aus zum Teil bitterer eigener Erfahrung.

«Eigentlich wollten meine Frau und ich noch keine Kinder haben – und jetzt werden wir Eltern von Zwillingen.

Angeklagter

«Ich wollte ein ganz normales Leben führen, doch dann kamen die Drogen und dieses Verfahren dazwischen. Eigentlich wollten meine Frau und ich noch keine Kinder haben – und jetzt werden wir Eltern von Zwillingen», sinnierte der Mann.

Die Aussicht darauf, gleich Vater zu sein, scheint seine graugetönten Zukunftsaussichten mit einem makellosen Weiss zu übertünchen. Als Roger Zuber ihn fragte, wie es ihm aktuell gehe, antwortete der Angeklagte, ohne eine Sekunde zu zögern, mit «gut».

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