Für ein bisschen südländisches Flair in Langenthal

Langenthal

Die milden Sommernächte locken auch in Langenthal nach draussen. Ein kühles Bier in guter Gesellschaft, was gibt es Schöneres? Doch nach Mitternacht ist jeweils Schluss. Vier Stadträte möchten die Sperrstunde hinauszögern.

Vier Langenthaler Politiker wollen sich nicht länger von der Polizeistunde den gemütlichen Sommerabend verderben lassen.

Vier Langenthaler Politiker wollen sich nicht länger von der Polizeistunde den gemütlichen Sommerabend verderben lassen.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Mediterrane Nächte – was stellen Sie sich bei diesem Begriff gerade vor? Ein Glas Rotwein trinken am geschäftigen Mittelmeerboulevard vielleicht? Oder eine Pizza essen auf der Piazza Grande? Hauptsache, draussen, bei warmem Sommerwetter, bis tief in die Nacht hinein.

Nun, Langenthal ist nicht Nizza oder Locarno. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, sagten sich die Stadträte Beat Hasler (parteilos), Roland Loser, Simon Lüdi (beide SP) sowie Serge Wüthrich (Grüne).

Deshalb haben sie eine Motion eingereicht, um in Langenthal die Öffnungszeiten fürs Gastgewerbe an schönen Sommertagen zu verlängern. Der Gemeinderat soll ein Konzept erarbeiten, das es an ausgewählten Wochenenden von Juni bis August ermöglicht, bis maximal zwei Uhr morgens Gäste draussen zu bewirten.

Mit dem Trend gehen

Dass belebte Nächte in Langenthal einem Bedürfnis entsprechen, davon ist Hauptmotionär Beat Hasler überzeugt: «Ich denke, wir rennen damit offene Türen ein.» Der parteilose Stadtrat möchte den Begriff mediterrane Nächte aber nicht überstrapazieren.

Er und seine Mitmotionäre hoffen einfach auf etwas längere Öffnungszeiten draussen während des Sommers. «Wir sind überzeugt, dass sich die Menschen künftig später am Abend und bis in die Nacht hinein treffen werden», sagt er. Dies gerade auch wegen der fortschreitenden klimatischen Veränderungen.

Ein Schlüsselerlebnis für Beat Hasler war sein eigener Auftritt mit einer Band am Street Festival im Juni. Als sie ihre Darbietung abrupt um Mitternacht stoppen musste, hätten viele Menschen auf dem Wuhrplatz verärgert reagiert.

Gerade bei grösseren Veranstaltungen könnte die Stadt mit dieser Motion frühestens ab nächstem Jahr von ausgedehnten Bewirtschaftungszeiten profi­tieren.

«Eine super Idee»

Die Idee von verlängerten Sommernächten im Gastgewerbe ist nicht neu: In Thun beispielsweise läuft seit letztem Jahr ein Pilotprojekt mit dem Namen «Mediterrane Nächte», bei dem Beizer ihre Gäste an ausgewählten Wochenenden bis um 1.30 Uhr draussen bewirten können.

Die damit gemachten Erfahrungen waren durchwegs positiv, weshalb auch in diesem Jahr wieder ein mediterranes Flair durch Thuns Innenstadt ziehen wird. Auch in Bern und Solothurn sind verlängerte Bewirtungszeiten ein Thema.

Doch was sagen die Langenthaler Beizen dazu? René Marti von der Braui findet die Idee super. «Vor allem bei Anlässen mit vielen Besuchern in Langenthal ist das ein Bedürfnis.»

Da sich sein Restaurant aber in einem Gebiet mit vielen Wohnungen befinde, würde er dieses Angebot vorerst nur für eine oder zwei Nächte in Anspruch nehmen, um dann mit den Mietern abzuklären, wie sie dazu stünden.

Beim Chrämerhuus tönt es nicht anders: «Wir finden dieses Projekt schon heute genial», sagt Geschäftsführerin Sandra Antonietti. Für das Servicepersonal sei es jedes Mal ein Krampf, wenn es nach Mitternacht die Gäste nach drinnen holen oder wegschicken müsse. «Wir würden verlängerte Nächte daher sehr begrüssen», sagt Sandra An­tonietti.

«Es ist schwierig, Gäste nachts um halb eins in die 30 Grad warme Bar zu bitten.»Olivia Strub, Betriebsleiterin Restaurant Platzhirsch

Die gleiche Antwort erhalten wir beim Restaurant Platzhirsch: Es sei schwierig, Gäste nachts um halb eins in die 30 Grad warme Bar zu bitten, sagt Betriebsleiterin Olivia Strub. Die meisten ­gingen deshalb lieber gleich nach Hause. «Wenn wir bis 2 Uhr draussen bewirten dürften, wäre das wirklich toll.»

Erst muss nun der Gemeinderat die Motion behandeln. Die Initianten sind aber überzeugt, bei der übernächsten Stadtratssitzung im Oktober eine Mehrheit für sich zu gewinnen.

Mitmotionär Roland Loser weist darauf hin, dass die Forderungen bewusst offen gestellt seien. Etwa zur Frage, welcher Perimeter bei solchen verlängerten Öffnungszeiten einbezogen werde. Oder dazu, wie lange draussen ausgeschenkt und musiziert werden dürfe.

Überhaupt gehe es gar nicht darum, in Langenthal bis 4 Uhr morgens eine Partygesellschaft zu etablieren, vielmehr aber darum, dem stetig wärmer werdenden Wetter und dem sich verändernden Freizeitverhalten vieler Bewohner genügend Rechnung zu tragen.

Nicht zuletzt soll die Initiative das Leben in der Stadt attraktiver machen. Ob das Projekt nun «Mediterrane Nächte» heisst oder nicht.

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