«Eine komplette Fehlplanung»

Herzogenbuchsee

Bevor im Juni über den Projektierungskredit abgestimmt wird, hat die Gemeinde Herzogenbuchsee noch einmal über den geplanten Ausbau der Bahnhofunterführung informiert.

Streitpunkt Bahnhofunterführung: Am Infoabend zeigte sich: Auch wenn sich beide Seiten angenähert haben, bestehen mit den SBB immer noch Differenzen (Archivbild/Herbert Rentsch)

Streitpunkt Bahnhofunterführung: Am Infoabend zeigte sich: Auch wenn sich beide Seiten angenähert haben, bestehen mit den SBB immer noch Differenzen (Archivbild/Herbert Rentsch)

«Die SBB werden nicht auf uns warten.» Diese Aussage von Gemeindeverwalter Rolf Habegger am Montagabend im gut besuchten Sonnensaal machte noch mal deutlich, welch engen Zeitplan die Gemeinde Herzogenbuchsee für den geplanten Ausbau der Bahnhofunterführung einhalten muss. Denn die Schweizerischen Bundesbahnen wollen, um dem Behindertengleichstellungsgesetz gerecht zu werden, 2021 die Zugänge und Perrons anpassen. «Es wäre sinnvoll, mit den SBB zusammen zu bauen. Ohne sie kommt es teurer», stellte Gemeindepräsident Markus Loosli (FDP) am Infoabend klar.

Breiter und tiefer

Um mit den SBB Schritt halten zu können, muss bereits die Gemeindeversammlung vom 13. Juni über einen Kredit in Höhe von 847'000 Franken für den Anteil der Gemeinde an den Vorprojektierungs- sowie den Bauprojektkosten abstimmen. Der eigentliche Baukredit für die Verlängerung und Verbreiterung der Personenunterführung könnte dann vermutlich im März 2019 zur Genehmigung vorgelegt werden.

Bis es einmal so weit ist, müssen aber noch offene Fragen geklärt werden. Wenig überraschend geht es dabei vor allem um die anfallenden Kosten und somit auch um die künftige Breite der Unterführung. «Die SBB stellen sich auf den Standpunkt, dass die heutigen 3,60 Meter ausreichen», sagte Loosli. In diesem Fall müsste die Gemeinde für sämtliche Kosten des Ausbaus allein aufkommen.

Doch die Überprüfungen, welche die Gemeinde in Auftrag gegeben hat, zeigen ein anderes Bild: Die neue Unterführung, welche die beiden Quartiere beidseits des Bahnhofs miteinander verbinden würde, besässe eine Länge von 58 Metern und müsste daher im Minum 5 Meter breit gebaut werden. «Zudem müsste sie tiefer gelegt werden», stellte Rolf Habegger fest. Ansonsten entspreche sie nicht den Normen und werde auch nicht genehmigt.

«Eine Steigung von 12 Prozent ist für eine behinderte Person, die allein unterwegs ist, nicht zu bewältigen.»Ein Veranstaltungsbesucher

Insbesondere durch die Tieferlegung würde das Projekt deutlich teurer als geplant. Die Minimalvariante, welche die Gemeinde nun weiterverfolgen möchte, sieht bei einer Breite von 5 Metern und einer Höhe von 3,8 Metern voraussichtliche Kosten von 8,1 Millionen Franken vor – hinzu kämen die Folgekosten. In welchem Umfang sich die SBB daran beteiligen würden, ist noch offen. «Diese Diskussionen laufen», so Markus Loosli. Er sei aber guter Dinge, so der Gemeindepräsident im Anschluss an die Veranstaltung, dass die «Botschaft» bei den SBB angekommen sei. «Ihre Haltung beginnt sich aufzuweichen.»

Alle Gleise bleiben bestehen

Reichlich Kritik in Richtung des Schweizer Bahnunternehmens gab es auch in der Diskussionsrunde zu hören. Von einem «Eigentor» und einer «kompletten Fehlplanung» der SBB sprach einer der Anwesenden sogar. Gemeint waren die geplanten Rollstuhlrampen die über eine Steigung von 12 Prozent verfügen sollen: «Das ist für eine behinderte Person, die allein unterwegs ist, nicht zu bewältigen.» Zudem wurde Unverständnis darüber geäussert, dass die SBB auf einen Lift verzichten wollen, weil dieser im Unterhalt zu teuer wäre. «Einen Lift müsste die Gemeinde selbst finanzieren», so Loosli.

Kopfschütteln löste auch die Tatsache aus, dass die SBB an den bestehenden sieben Gleisen festhalten wollen. «Aus unserer Sicht ist das nicht schlau», stellte der Gemeindepräsident klar. «Das ganze Vorhaben wäre wesentlich einfacher und günstiger, wenn auf zwei Gleise verzichtet würde.» Die SBB aber hätten erklärt, dass sie die Abstellgleise weiterhin benötigten.

Zahlt Niederönz jetzt mehr?

Warum denn eine Unterführung überhaupt nötig sei?, wollte einer der Anwesenden wissen. «Kann man nicht über die Gleise hinweg bauen?» Er sprach damit den ­Entscheid des Gemeinderates an, auf die ursprünglich angedachte ­Passerelle zu verzichten. Eine ­solche sei, unter anderem wegen der knappen Platzverhältnisse derzeit gar kein Thema mehr, erklärte Loosli. «Zudem würde eine solche 6 bis 7 Millionen Franken kosten.»

Für Gelächter im Sonnensaal sorgte die Frage aus dem Plenum, inwiefern sich denn Niederönz an den Kosten zu beteiligen gedenke. Hatten doch die Stimmbürger in der Nachbargemeinde 2008 einen Objektkredit von 400'000 Franken für die Unterführung genehmigt. Damals, als man noch mit Gesamtkosten von nur 1,8 Mil­lionen Franken rechnete. «Können wir diesen Betrag nun linear hochrechnen?», wollte einer der Anwesenden wissen. Eine Antwort auf seine Frage erhielt er vom ebenfalls anwesenden Gemeindepräsidenten von Niederönz, ­Daniel Beck, nicht. «Über diesen Betrag werden wir vielleicht noch einmal sprechen müssen», meinte hingegen Markus Loosli amüsiert.

Langenthaler Tagblatt

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