Einer, der anpackt

Madiswil

Seit 38 Jahren ist Ulrich Iseli Vorstandsmitglied des Landesteils Oberaargau im Touring-Club Schweiz. Der viel beschäftigte 71-Jährige muss auch in Zukunft keine Langeweile fürchten.

Im Auto fühlte sich Ulrich Iseli immer schon wohl.

Im Auto fühlte sich Ulrich Iseli immer schon wohl.

(Bild: Marcel Bieri)

Schon früh entdeckte Ulrich Iseli seine Affinität zum Auto, bereits seinen Militärdienst hat er als Motorfahrer absolviert. Vor knapp 50 Jahren sei er dem Touring-Club Schweiz (TCS) beigetreten, erinnert sich der Madiswiler. Bei der blossen Mitgliedschaft blieb es nicht: An der Hauptversammlung des Landesteils Oberaargau letzte Woche trat Iseli nach 27 Jahren als Vereinspräsident zurück. «Nie hätte ich gedacht, dass ich dem Vorstand während so langer Zeit angehören würde», erzählt er.

Viele Höhepunkte habe er dank der kollegialen Atmosphäre im Verein erlebt, etwa die TCS-Bälle im Kursaal Bern mit bis zu 1200 Teilnehmenden. «Alle waren schön herausgeputzt, es gab verschiedene Gruppen, die für die musikalische Unterhaltung sorgten.» Auch Akrobaten seien dabei schon aufgetreten. 

Frischer Wind

Iseli ist sichtlich stolz auf die erzielten Erfolge, zum Beispiel die erfolgreiche Integration der TCS-Zweigstelle in Langenthal in das Reisezentrum von Aare Seeland mobil (ASM). Dank dieses Zentrums kann der TCS in Langenthal weiterhin eine persönliche Kontaktstelle im Zentrum der Stadt bieten, ohne die Zusammenarbeit mit ASM wäre dies ab 2007 nicht mehr möglich gewesen.

Es sei immer sein Ziel gewesen, den Clubmitgliedern einen Mehrwert bieten zu können, sagt Iseli. Er fühle sich verantwortlich. Das sei auch der Grund gewesen, wieso er sich 2017 für eine weitere Periode wählen liess. Denn zurzeit arbeitet die kantonale Sektion an einer grossen Umstrukturierung: Die fünf regionalen Landesteile sollen der kantonalen Sektion angegliedert werden. Iseli gibt zu, anfangs der Idee gegenüber sehr kritisch eingestellt gewesen zu sein. Besonders störte ihn der Verlust der regionalen Selbstständigkeit, zum Beispiel bei Budgetfragen. Doch in den letzten zwei Jahren hatte er Gelegenheit, aktiv am Plan mitzuarbeiten, einige seiner Anträge wurden im neuen Konzept aufgenommen. So sei er heute sicher, dass der Landesteil Oberaargau von der Neuerung profitieren könne.

«Der Wechsel wird frischen Wind in den Vorstand bringen.»Ulrich Iseli

Allerdings musste die für dieses Jahr vorgesehene Abstimmung um ein weiteres Jahr verschoben werden. Es seien noch nicht alle Fragen geklärt, sagt Iseli. Somit hinterlässt er den Abschluss der Umstrukturierung doch seinem Nachfolger. Deswegen mache er sich aber keine Sorgen. Für ihn sei schon vor zwei Jahren klar gewesen, dass es seine letzte Amtszeit sein würde. «Der Wechsel wird frischen Wind in den Vorstand bringen.» Zudem bleibe er dem Verein als Delegierter erhalten (siehe Box).

Steile Karriere

Es ist offensichtlich, dass Ulrich Iseli nicht die Art Person ist, die oft in der Zuschauerrolle ist. Seine Karriere verbrachte der heute 71-Jährige im Bankwesen, bereits mit 22 wurde er Leiter der Spar- und Leihkasse Madiswil. Ein Job, der viel Arbeit nach sich zog – es wäre nachvollziehbar, hätte er seine wenige Freizeit mit Nichtstun verbracht. Doch dafür scheint Iseli nicht der Typ zu sein: Unzählige ehrenamtliche Tätigkeiten ergänzen seinen Lebenslauf. Dass die viele Arbeit nicht zu einem Burn-out führte, habe er auch seiner Frau Hanni zu verdanken: «Sie hielt mir immer den Rücken frei.»

Von der Genossenschaft im Zelgli – Wohnen im Alter über den Gemeindeverband Klärschlammentsorgung im Oberaargau bis hin zur Fernsehgenossenschaft: Spezielle thematische Präferenzen scheint Iseli nicht zu haben. «Ich bin sehr breit aufgestellt», bestätigt er. Ein Muster lässt sich in all den Tätigkeiten allerdings erkennen: Nach einigen Jahren Mitgliedschaft findet sich Iselis Name jeweils unter denen der Vorstandsmitglieder. Ob als Finanzchef, Delegierter, Vize- oder oft auch als Präsident: Verantwortung scheut der gebürtige Sumiswalder offenbar nicht. 

Engagiert, verantwortungsvoll und belastbar: Eine solche Natur scheint für die Arbeit an den internationalen Finanzmärkten zugeschnitten zu sein. Wieso hat es ihn nicht nach Zürich, London, New York verschlagen? «Ich bin mit dieser Region verwachsen», sagt Iseli. In der hektischen Börsenwelt habe er sich nie gesehen. 

Der Heimat verbunden

Der Bezug zur Region zeigt sich auch in einer weiteren Leidenschaft Iselis, der Politik. Es sei wohl die bürgerliche Herkunft gewesen, die seine Haltung geprägt habe. Seit er klein war, habe er auf dem elterlichen Bauernbetrieb mit angepackt. Diese Perspektive wollte er in der Lokalpolitik einbringen.

Dass er an vorderster Front mitpolitisierte, überrascht wenig: Neun Jahre war Iseli Präsident der SVP-Sektion Madiswil, ebenso wie dreizehn Jahre Mitglied der Geschäftsleitung der SVP Kanton Bern. Und politisch am Ball will er auch in Zukunft bleiben, das Amt des Präsidenten der SVP-Senioren Kanton Bern behält er. Auch in der Zelgli-Genossenschaft will er aktiv bleiben. «Wir haben rund 12 Millionen Franken investiert und konnten 22 Alterswohnungen, eine Kita und eine Arztpraxis realisieren», sagt er mit Stolz. 

«Die Leute schaffen es halt immer wieder, mich zu ‹überschnorren›, in ihrem Verein mitzuhelfen.»Ulrich Iseli

Dennoch ist es sein Ziel, nach dem Rücktritt als regionaler TCS-Präsident mehr Zeit für sich und seine Familie zu finden. Davon sprach er allerdings schon bei seiner Pensionierung 2011. Auf die Frage, ob er denn in den letzten acht Jahren etwas kürzergetreten sei, antwortet er mit einem Lachen. «Ein wenig schon», sagt er. «Aber die Leute schaffen es halt immer wieder, mich zu ‹überschnorren›, in ihrem Verein mitzuhelfen.»

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...