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Er ist noch lange nicht müde

Wangens Gemeindepräsident Fritz Scheidegger (SVP) ist in seinem letzten Amtsjahr angelangt. Dieses hat es in sich, schliesslich wartet das Aare­städtli mit mehreren Grossanlässen auf.

Setzt sich auch kurz vor dem Rücktritt voller Tatendrang für «sein» Städtli ein: Gemeindepräsident Fritz Scheidegger.
Setzt sich auch kurz vor dem Rücktritt voller Tatendrang für «sein» Städtli ein: Gemeindepräsident Fritz Scheidegger.
Olaf Nörrenberg

Fritz Scheidegger, vor drei Jahren sagten Sie, dass Ihnen das Amt nach wie vor viel Freude macht. Wie sieht es heute aus?Fritz Scheidegger:Ich bin immer noch motiviert. Mir ist aber bewusst, dass wegen der Amtszeitbeschränkung nun mein letztes Jahr bevorsteht. Ich freue mich schon darauf, wenn es dann etwas ruhiger wird.

Etwas Wehmut ist auch dabei?Natürlich, die gehört dazu. Es wird sicher eine Übergangsphase nötig sein, um sich daran zu gewöhnen, dass es nun anders läuft. Aber das wird schnell gehen, davon bin ich überzeugt.

Haben Sie denn schon Pläne für später, oder ist das noch zu weit weg?Ich habe mir schon vorgenommen, dass ich dann nicht gleich wieder etwas übernehmen und auch mal Nein sagen werde. Es ist mir ein Bedürfnis, dann etwas mehr Zeit für mich zu haben. Es gibt ja genügend andere Sachen im Leben, denen ich mich gerne widme. An dem wird es mir sicher nicht fehlen.

In Wangen ist heuer einiges los, so zum Beispiel das Bernisch-Kantonale Jodlerfest und das Oberaargauische Landesteilschiessen. Beim Jodlerfest haben Sie gar den Posten als OK-Präsident übernommen. Wie bewältigen Sie das alles?Das Organisationskomitee stand bereits, sie brauchten nur noch jemanden für den Präsidiumsposten. Es wird ein grosser und toller Anlass, und deshalb habe ich mich entschlossen, da mitzuhelfen. Als Gemeindepräsident bin ich sowieso in einzelnen Bereichen involviert. Sobald man dabei ist, wird einem bewusst, wie viel es zu tun gibt. Wangen steht ein richtiges Festjahr bevor. Im September steht noch das Verbandsschiessen an. Das ist auch eine grosse Kiste, aber da bin ich nicht direkt involviert.

Ist es Ihnen wichtig, das Städtli in Ihrem letzten Amtsjahr von seiner besten Seite zu zeigen?Wir hatten bis jetzt immer Glück mit solchen Festivitäten, was das Wetter und die Besucherzahlen angeht. Ich hoffe natürlich, dass es heuer auch so läuft. Natürlich wollen wir uns von der besten Seite zeigen.

Haben Sie sich diesen OK-Posten noch aufgehalst, weil Sie wissen, dass Ende Jahr mit solchen Aufgaben Schluss ist?Nein, überhaupt nicht! Die Motivation liegt wirklich darin, dass ich so weit wie möglich helfen will. Aber diese Aufgaben haben überhaupt nichts damit zu tun, dass es mein letztes Amtsjahr ist.

Wie schätzen Sie die aktuelle finanzielle Situation von Wangen ein? Das fertige Turnhallenprojekt dürfte noch zusätzlich aufs Portemonnaie drücken.Natürlich verschulden wir uns mit diesem Grossprojekt in hohem Mass. Der Finanzmarkt hilft uns aktuell, weil die Gemeinde das Geld zu guten Konditionen erhält. Aber der Schuldenabbau wird uns noch einige Jahre beschäftigen. Das ist im aktuellen Finanzplan so vorgesehen, und wir haben das stets kommuniziert. Wir konnten aber viele Projekte erledigen, in den kommenden Jahren stehen also keine grossen Bauarbeiten an.

Wangen erlebt seit einigen Jahren einen Bauboom. Wo führt das noch hin?Es ist zwar noch Land vorhanden, aber nur für verdichtetes Bauen. Was die Einwohnerzahl angeht, können wir sicher noch wachsen. Ich rechne damit, dass wir in den nächsten Jahren noch etwa 200 Personen mehr werden. Und wenn es dann im gleichen Verhältnis Nachwuchs gibt, könnte das einen Einfluss auf die Infrastruktur der Schule haben. Schon für das kommende Schuljahr müssen wir eine zusätzliche Klasse eröffnen.

Wo sehen Sie derzeit die grössten Herausforderungen für Ihre Nachfolge?Gute Frage (überlegt). Als Vertreter der öffentlichen Hand wird man immer mit Fragen und Anträgen konfrontiert. Das sollte einem bewusst sein. Aber auch das Thema Fusion dürfte noch nicht vom Tisch sein, das wird die kommenden Behörden noch beschäftigen.

«Als Vertreter der öffentlichen Hand wird man immer mit Fragen und Anträgen ­konfrontiert. Das sollte einem bewusst sein.»

Fritz ScheideggerGemeindepräsident

Eine Prognose, wie sich die Fusionsthematik konkret auf Wangen auswirken wird?Dazu sage ich nichts (lacht). Nein, im Ernst: Wünschenswert für Wangen wäre natürlich eine Fusion innerhalb des Schulverbandes, also mit Wangenried, Walliswil-Wangen und Walliswil-Bipp. Es würde am meisten Sinn machen, wenn alle vier Gemeinden gleichzeitig fusionierten, sonst wäre es nur eine Not­lösung.

Bleiben wir beim Thema. Sie haben sich für die Grossfusion im Oberaargau Nord starkgemacht. Diese wurde von der Bevölkerung im September deutlich bachab geschickt.Mit der Ablehnung haben wir rechnen müssen, doch die Deutlichkeit des Resultats hat uns überrascht. Leider ist es uns nicht gelungen, die Leute zu überzeugen. Es sind momentan noch zu viele Ängste vorhanden. Mir war es wichtig, mich in dieser Thematik zu engagieren. Und es hat durchaus Positives: Wir wissen jetzt, wo wir stehen. Davon kann jede Gemeinde profitieren. Und wir elf Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten sind uns dank der intensiven Zusammenarbeit etwas nähergekommen.

Wangen hatte in den letzten Jahren wiederholt Probleme, Leute zu finden, die sich für politische Ämter bereitstellen.Ja das stimmt, die letzten beiden Wahlen verliefen still. Wir hatten immer just genügend Leute für die Ämter. Aber dann wird man halt bequem und vergisst, die Leute aktiv anzuwerben. Es hat aber auch positive Seiten: So weist der Wanger Gemeinderat seit vielen Jahren Kontinuität auf. Und auch in der Verwaltung haben wir eine Stabilität, das hilft natürlich enorm.

Haben Sie denn nun die Erwartungshaltung, dass sich jene Wanger, die gegen die Fusion gestimmt haben, nun für ein Amt zur Verfügung stellen?Das glaube ich weniger. Aber ich bin überzeugt, dass sich Leute finden lassen, die sich engagieren wollen. Vielleicht wird etwas Überzeugungsarbeit nötig sein. Das Drumherum – Umfeld und Job – müssen immer stimmen.

«Ich bin überzeugt, dass sich Leute finden lassen, die sich engagieren wollen.»

Fritz Scheidegger,Gemeindepräsident

Wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken, welche bedeutenden Momente fallen Ihnen ein?Deren gab es viele (überlegt). Ich konnte gleich mit dem Städtlifest starten, da war ich auch im OK. Das war ein wunderbares Fest. Das Fusionsprojekt bildete gegen Schluss meiner Amtszeit einen Schwerpunkt. Und natürlich die neue Turnhalle, das ist ein Jahrzehnteprojekt. Dann auch viele festliche Anlässe, wie vor kurzem das 650-Jahr-Jubiläum der Holzbrücke. Es gab viele gute Sachen, da kommt mir nicht mehr alles in den Sinn. Ich durfte eine gute Zeit erleben. Es gilt zu erwähnen, dass mir aus der Bevölkerung grosses Vertrauen geschenkt wurde. Das motiviert natürlich enorm.

Und schwierige Momente?Ganz schwierige Situationen, zum Beispiel einen Brand oder einen Mordfall, gabs in den letzten Jahren zum Glück nicht. 2007 hatten wir ein Hochwasser, aber das lief glimpflich ab. Der Tod des amtierenden Gemeinderates Ruedi Kissling vor zwei Jahren war natürlich tragisch.

Wo sehen Sie Wangen in zehn Jahren?Ich kann mir gut vorstellen, dass andere Gemeinden zu Wangen gehören werden. Und wir werden sicher mehr Einwohner haben. Ich hoffe sehr, dass wir noch ausreichend Restaurants haben werden. Bei einigen steht gerade ein Generationenwechsel an.

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