Er will alle Turnbegeisterten fördern, nicht nur Talente

Langenthal

Das Turnzentrum Oberaargau hat ab Sommer einen professionellen Cheftrainer unter Vertrag: Mihaly ­Esztergalyos. Er will nicht nur auf die Karte Kunstturnen setzen, ­sondern alle ansprechen, die Freude am Turnen haben.

Bisher im regionalen Leistungszentrum in Bern tätig, gibt Mihaly Esztergalyos sein Wissen künftig im Oberaargau weiter.

Bisher im regionalen Leistungszentrum in Bern tätig, gibt Mihaly Esztergalyos sein Wissen künftig im Oberaargau weiter.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Tropische Temperaturen herrschen in der Turnhalle der Heilpädagogischen Schule in Langenthal. Dennoch sind etwa 20 Kinder des Turnzentrums Oberaargau fleissig am Trainieren. Doch niemand hat etwas dagegen, als Ramona Esztergalyos, Vizepräsidentin und Trainerin des Vereins, den Mädchen sagt, dass sie ihre mitgebrachten Badesachen anziehen und nach draussen zum Brunnen gehen dürfen, um dort etwas zu planschen. Eine von den Turnerinnen ist die zehnjährige Amélie Ledermann. Sie trainiert pro Woche etwa zwanzig Stunden, verteilt auf sieben Trainings.

In diesem Jahr wurde die Viertklässlerin, die seit vier Jahren turnt, in ihrer Kategorie 31. der ganzen Schweiz. Und sie möchte auch in den nächsten Jahren noch einiges erreichen: «Ich freue mich, dass wir ab Sommer einen Cheftrainer haben, der bis jetzt im regionalen Leistungszentrum in Bern gearbeitet hat. Der kann einem super zeigen, wie man sich verbessern kann.»

Turnen als Lebensinhalt

Amélie spricht von Mihaly Esz­tergalyos. Der gebürtige Ungar turnt seit seinem siebten Lebensjahr und arbeitete bereits während der Unizeit in Budapest als Trainer. In die Schweiz kam er 2009, nachdem er drei Jahre in Luxemburg Kunstturnmädchen trainiert hatte.

«Turnen ist mein Leben», sagt Mihaly Esztergalyos, Ehemann von Ramona Esztergalyos. «Und ich möchte meine Leidenschaft an die nächste Generation weitergeben.» Dass er nach acht Jahren seinen Posten als Cheftrainer in Bern verlässt und im Langenthaler Verein beginnt, sei eine ­familiäre Entscheidung gewesen, sagt er. Er wolle seine Frau und seine Schwiegermutter, die bisherige Cheftrainerin Eveline La­franchi, bei ihren Bemühungen unterstützen. «In Bern arbeitete ich im Bereich Spitzensport, hier in Langenthal ist es eher Breitensport. Da muss ich die Ausbildungsmethoden selbstverständlich anpassen.»

Ihm schwebt vor, mit dem Verein nicht nur auf die Karte Kunstturnen zu setzen, sondern auch den bereits vorhandenen Bereich Geräteturnen auszubauen und neue Angebote, wie etwa eine Akrobatikgruppe, ins Leben zu rufen. «Im Verein soll Platz für alle turnbegeisterten Personen sein, egal, wie viel Talent und Zeit sie mitbringen.»

Besser als der Ruf

Auf das Kunstturnen wird Mihaly Esztergalyos aber schon ein besonderes Augenmerk richten. Er ist sich bewusst, dass der Sport immer noch einen zwiespältigen Ruf hat in der Gesellschaft. «Kunstturnen hat sich aber gerade in der Schweiz stark weiter­entwickelt. Gesundheitliche Probleme sind mit den modernen Trainingsmethoden im Bereich Breitensport nicht zu befürchten – im Gegenteil.» Dennoch sei klar, dass Kunstturnen auch auf dieser Ebene Spitzensport sei und viel Engagement verlange, sowohl von den Kindern als auch von den Eltern. Deshalb ­gebe es in diesem Sport auch eine enorm hohe Fluktuationsrate, so etwas wie eine natürliche Selektion.

Die viereinhalbjährige Ajana Guldimann ist eines der jüngsten Kunstturnkinder. Bereits trainiert sie dreimal die Woche je zwei Stunden. Mutter Anita Guldimann kann nachvollziehen, dass es Eltern gibt, die nicht verstehen können, wie man ein so junges Kind so oft in die Turnhalle schicken kann. «Wir konnten uns das auch nicht vorstellen, bis es dann so weit war. Ajana will unbedingt turnen. Ihr Ehrgeiz und auch die Freude sind riesig», sagt die Mutter.

Anita Guldimann freut sich, dass ab Sommer ein Trainer mit viel Erfahrung das Ruder übernehmen wird. Sein Know-how werde den Verein bereichern und die Kinder weiterbringen. Und: «Ohne Profitrainer müssen talentierte Kinder schon sehr früh in ein Leistungszentrum wechseln. So können sie nun viel länger im Verein und somit in der Nähe bleiben.»

Berner Zeitung

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