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Erlesenes für eine erhabene Klientel

Lantal ist auf Expansionskurs: Das Textilunternehmen schluckte im letzten Jahr zwei ausländische Firmen. Ende Februar 2017 kam eine dritte Firma hinzu. Bei so viel Wachstum geht beinahe vergessen, dass im heimischen Melchnau nach wie vor produziert wird. Und zwar sehr exklusiv.

Echtes Handwerk: Im Bereich Handtufting sind individuelle Lösungen für Teppichprodukte gefragt. zvg
Echtes Handwerk: Im Bereich Handtufting sind individuelle Lösungen für Teppichprodukte gefragt. zvg
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Ein eingespanntes Grundgewebe wird mit einer sogenannten Garnpistole beschossen.
Ein eingespanntes Grundgewebe wird mit einer sogenannten Garnpistole beschossen.
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Nach oben: CEO Urs Rickenbacher präsentierte steigende Umsatzzahlen.
Nach oben: CEO Urs Rickenbacher präsentierte steigende Umsatzzahlen.
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Seit 1977 entstehen in Melchnau handgemachte Teppiche, die unter der Herstellungstechnik Handtuft bekannt sind. Lantal-CEO Urs Rickenbacher berichtete im Anschluss an die Bilanzmedienkonferenz von Donnerstag, die Aufträge in diesem Bereich hätten sich in den letzten vierzig Jahren stark verändert.

Anfänglich sei man nur im Objektbereich tätig gewesen: Die handgefertigten Boden- und Wandteppiche aus Melchnau kamen vor allem in Hotels, Banken, Verwaltungsgebäuden, Verkaufsräumen sowie in den Direktions- und Vorstandsetagen zum Einsatz. Nicht selten wurden auch zusammen mit Architekten und Künstlern Projekte realisiert.

Heute «tuftet» Lantal vorwiegend für VIP-Kabinen im Transportbereich. Die Teppiche werden zum grössten Teil in Privatjets und Regierungsflugzeugen, aber auch in Helikoptern, Superjachten sowie vereinzelt in den Residenzen und Büros von Privaten eingesetzt.

Tief in die Tasche greifen

Die erlesenen Produkte haben ihren Preis: 3000 oder mehr Franken pro Quadratmeter bezahlt, wer sein Privatflugzeug beispielsweise mit einem mehrfarbigen Teppich mit Seidenanteil ausstatten will. Zum Vergleich: Herkömmliche maschinengewobene Aircraft-Teppiche werden unter 100 Franken pro Quadratmeter verkauft.

Trotz der hohen Preise steige die Nachfrage nach handgefertigten Teppichen stetig an, heisst es bei Lantal. Unter dem Strich machen die Aufträge im VIP-Bereich jedoch nur einen kleinen Anteil am Gesamtumsatz aus. Urs Rickenbacher nannte eine Zahl von 2 bis 3 Millionen Franken pro Jahr. Insgesamt erzielte die Lantal Textiles AG im vergangenen Jahr einen konsolidierten Umsatz von 103,2 Millionen.

Zusammengefasst werden die erlesenen Luxusprodukte bei Lantal unter der Sparte «Executive». Auch wenn dieser Bereich zahlenmässig nicht der bedeutendste sein mag: Er sei dennoch sehr interessant und wichtig für die Firma, betonte Urs Rickenbacher.

Oft seien es Regierungsvertreter, Scheichs oder andere wichtige Personen, die sich individuelle Produktelösungen wünschten. «Bei den VIPs handelt es sich oftmals um Entscheidungsträger – etwa solche aus dem Luftfahrtbereich –, die uns später vielleicht zu umfangreicheren Aufträgen verhelfen.» Die Kunden im Luxussegment würden also quasi als «Steigbügel» dienen, umschrieb es Ricken­bacher.

Ziemlich verschwiegen

Der bekannteste Lantal-Kunde ist wohl der US-Präsident. Die Textilfirma mit Sitz in Langenthal lieferte Sitzbezüge und handgefertigte Teppiche für die beiden Präsidentenflugzeuge Air Force One von George H. Bush und Bill Clinton. Weitere VIP-Kunden sind der russische Fussballmäzen Roman Abramowitsch oder Italiens Modepapst Giorgio Armani.

Darüber hinaus werden aber keine Namen bekannt gegeben. Privatsphäre und Verschwiegenheit seien von zentraler Bedeutung, so Rickenbacher. Lantal meint es ernst: In der Handtufting-Produktion gilt ein Bildverbot für Externe – damit von den Produkten keine Rückschlüsse auf die Kunden gemacht werden können.

Deutlich mehr Personal

Den mit Abstand grössten Anteil am Gesamtumsatz macht nach wie vor der Bereich Luftverkehr aus. Hier erhöhte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent auf 73,3 Millionen Franken. Gewinnzahlen werden bei Lantal bekanntlich nicht veröffentlicht. Dass die Firma ihren Nettoumsatz um total 6,7 Prozent steigern konnte, dafür sind vor allem zwei Firmenzukäufe im Ausland sowie eine Laboreröffnung im Mittleren Osten verantwortlich.

Durch die Firmenübernahmen erhöhte sich der Personalbestand: Zählte Lantal Ende 2015 noch 376 Mitarbeitende, waren es Ende 2016 nun 526. Die Anzahl derjenigen Personen, die in der Schweiz beschäftigt werden, ist laut Urs Rickenbacher stabil geblieben. Nach wie vor macht dem Textilunternehmen die angespannte Währungssituation zu schaffen. Der Exportanteil beträgt hohe 94 Prozent.

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