Frauen-Schreibtisch kommt von der Stadt aufs Land

Madiswil

Béatrice Ammann Leuenberger ist kürzlich ins Linksmähderdorf Madiswil gezogen. Nun will sie im Oberaargau einen Schreibtisch des Frauennetzwerks Femscript aufziehen.

Inspirierender Ort?Béatrice Ammann greift am Schreibtisch von Jakob Käser zum Schreibstift.

Inspirierender Ort?Béatrice Ammann greift am Schreibtisch von Jakob Käser zum Schreibstift.

(Bild: Thomas Peter)

Jürg Rettenmund

«Doch, der Auftakt ist geglückt», sagt Béatrice Ammann Leuenberger und atmet hörbar auf. Dabei, gesteht sie offen ein, habe sie vor dem ersten Schreibtisch von Femscript in der Jakob-Käser-Stube im Kirchenspeicher von Madiswil schlaflose Nächte durchlebt.Femscript ist ein Netzwerk von Frauen, «die sich dem geschriebenen Wort nahe fühlen», wie der Website entnommen werden kann.

An der Nähe zum geschriebenen Wort sollte es im Madiswiler Kirchenspeicher nicht fehlen, seit der Dorfverein dort die Stube zum Gedenken an Jakob Käser eingerichtet hat, den dichtenden Schmied und Urahn der Mundartliteratur im Oberaargauer Dialekt. Dem «Chilespycher» hat dieser sogar eines seiner Bücher gewidmet.

Dorfgeschichten

Dorfgeschichten standen denn auch im Titel des ersten Anlasses, zu dem Béatrice Ammann eingeladen hatte. Femscript allerdings war vor 28 Jahren in einer Stadt entstanden und blieb mit Schreibtischen in Bern, Basel, Zürich, Zürich-Wiedikon, Winterthur und St. Gallen diesem Milieu verhaftet. In St. Gallen, wirkte Béatrice Ammann bisher mit.

Die 53-Jährige war in Melchnau aufgewachsen und hatte Pharmaassistentin gelernt. Ihr Beruf führte sie nach Oberwil-Lieli am Mutschellen. Jetzt, wo die erwachsenen Kinder ausgeflogen seien, habe sie jedoch Heimweh nach dem Oberaargau verspürt, gesteht sie. In der neuen Überbauung am Mühlebach in Madiswil fanden sie und ihr Mann eine Wohnung, in der Apotheke Dr. Lanz in Langenthal fand sie einen Arbeitsplatz.

«Geschrieben habe ich eigentlich immer», kommt sie auf ihr Engagement bei Femscript zu sprechen. Vorderhand jedoch hatten Beruf und Familie Priorität. Erst spät festigte sie mit einem Fernstudium in Hamburg ihre Kompetenzen in Belletristik sowie Kinder- und Jugendliteratur. Aus einem Treffen von Schweizer Absolventen dieses Studienganges in Diepoldsau entstand schliesslich der Schreibtisch St. Gallen von Femscript. «Mit seinen Treffen am Samstag ist dieser ideal für Berufstätige wie mich», sagt Béatrice Ammann. Die Frauen treffen sich dort alle zwei Monate in einem arabischen Restaurant, arbeiten anschliessend an ihren laufenden Projekten, kommentieren und analysieren gegenseitig ihre Texte. Dazwischen lockern sie sich mit kleinen Wortspielen auf.

Bereits grösser als St. Gallen

Vorderhand nimmt Béatrice Ammann den langen Weg in die Ostschweiz noch auf sich. Bis in einem Jahr hoffe sie jedoch, den neuen Schreibtisch im Oberaargau aufgebaut zu haben. Der Auftakt ist wie gesagt geglückt: Sieben Frauen aus dem Oberaargau erschienen im Kirchenspeicher nebst Béatrice Ammann und zwei Vertreterinnen des Schreibtischs Bern, die sie beim Organisieren unterstützten. Die Oberaargauerinnen sind damit bereits deutlich zahlreicher als in St. Gallen, wo am Femscript-Schreibtisch gerade die minimal geforderten vier Frauen Platz nehmen.

Béatrice Ammann engagiert sich bei Femscript inzwischen auch im Kernvorstand, wo sie den Newsletter und die Kommunikation betreut. Auch dort beobachtet man ihre Initiative im Oberaargau mit Interesse, strebt der Vorstand doch eine Verbreitung in der ganzen Schweiz an, zu der er neben der Romandie und dem Tessin auch den ländlichen Raum zählt.

Femscript bietet seinen Mitgliedern nicht nur Schreibtische an, um sich die geschriebenen Texte vorzustellen, sich über das Schreiben zu unterhalten und generell Kontakte zu pflegen. Das Netzwerk unterstützt auch bei der Suche nach einem Verlag und begleitet Frauen bei der Publikation ihrer Texte. Béarice Ammann selbst ist noch auf dem Weg dazu.

Bisher seien von ihr erst Kurzgeschichten in Zeitschriften und kleinen Antologien erschienen, hält sie fest. Ein Romanprojekt trage sie erst in ihrem Kopf herum. Brachte ihr Plan dafür ursprünglich einen Kaminfeger und eine Tänzerin zusammen, so ist sie heute nicht mehr sicher, ob sie den Dreh mit der Tänzerin schafft. Tänzerinnen bewegten sich in einer eigenen Welt, hat sie festgestellt, und es sei äusserst schwierig, mit einer einen Termin abzumachen. Bei einem Kaminfeger hingegen konnte sie bereits einen Schnuppertag absolvieren. Sollten sich auch dort noch Hindernisse in ihren Weg stellen, so ist ihr der Kaminfeger immerhin als Glücksbringer im Oberaargau bereits beige­standen. Nächster Schreibtisch Oberaargau: Samstag, 28. Mai, 14 bis 17 Uhr, Kirchenspeicher Madiswil.

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