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Fruchtbarer Boden für Beeren

Das Oberaargauer Coaching- und Bildungsangebot Maxi.mumm setzt neu Programmteilnehmende in Aronia- und Hagebuttenkulturen ein. Die Ernte wird im Betrieb verpackt und vertrieben.

Es stimmt alles zusammen an diesem Nachmittag in Flückigen in Rohrbachgraben: Stahlblau und wolkenlos wölbt sich der Himmel über die Wälder und Matten. Es ist warm, nach ein paar vorangegangenen Regen­tagen jedoch im Schatten noch mild. Mit zwei Programmteilnehmenden des Maxi.mumm machen sich Max Kopp und Karin Flückiger daran, die gewachsenen Triebe von Büschen auf- und zusammenzubinden.

Bis zum Herbst werden daran Aroniabeeren und Hagebutten reifen. Dann werden die beiden mit allen Kräften anreisen müssen, um die Beeren zu ernten. Max Kopp betreut für das Oberaargauer Coaching- und Bildungsangebot Maxi.mumm die Kulturen in Rohrbachgraben, Karin Flückiger ist während ihres Praktikums als angehende Arbeitsagogin seine Ansprechpartnerin im Betrieb.

Er kannte beide Seiten

Alles stimmte auch zusammen, als Maxi.mumm zu seiner neues­ten Abteilung kam. Max Kopp half vorübergehend im Maxi. Mumm aus, um ein Projekt für einen ausgeschiedenen Mitarbeiter zu Ende zu führen.

Als Meisterlandwirt mit Spezialgebiet Beerenbau kannte er jedoch auch Walter und Rosmarie Bracher aus Huttwil, die vor ihrer Pensionierung einen Beerenbetrieb in Brunnen, Dürrenroth, aufgebaut hatten.

Im Ruhestand hatten diese mit neuen Beerenkulturen begonnen. Besonders die äusserst heilkräftigen Aronia hatten es ihnen angetan. Ihre Ernte vermarkteten sie mit Unterstützung ihrer Tochter Ursula Kocher-Bracher unter dem Namen Berner Aronia direkt, ergänzt durch Hagebutten.

Nun kontaktierten Walter und Rosmarie Bracher aus Altersgründen Max Kopp, um ihre Nachfolge zu regeln. Durch seine Arbeit im Maxi.mumm erkannte dieser die Möglichkeiten, die darin für dessen Beschäftigungsprogramme schlummerten.

Er fand seine Einschätzung bei Bruno Kunz bestätigt, dem Geschäftsleiter von Maxi.mumm. «Wir halten immer Ausschau nach Beschäftigungsplätzen im Oberaargau, die die Wirtschaft nicht konkurrenzieren, aber bestehende Angebote stützen.»

Holzarbeiten bieten sie zum Beispiel Behindertenwerkstätten für arbeitsintensive Zwischenschritte an, Esswaren für Tagesschulen, Umzüge für Sozialhilfeempfänger.

Walter und Rosmarie Bracher hatten von Landwirten Absagen erhalten, weil sich für sie die Kulturen nicht rechnen. Wenn diese verschwänden, würden jedoch auch Erträge zum Beispiel in der Trocknerei oder im Detailhandel fehlen, hält Bruno Kunz fest: eine typische Ausgangslage, in der Maxi.mumm zugreift.

Unerwünschte Rehböcke

Wichtig sei, dass die Arbeiten in den Beerenkulturen keine hohen fachlichen Anforderungen an die Programmteilnehmenden stellen würden, erklärt Max Kopp. Neben dem Aufbinden der neuen Triebe gilt es an diesem strahlenden Frühsommertag auch, die beiden zusammen rund 60 Aren grossen Felder einzuzäunen. Denn Rehböcke haben die Sträucher entdeckt, um den Bast ihrer frischen Geweihe abzufegen, und damit die Kulturen verletzt.

Bei einem Rundgang weist Max Kopp jedoch nicht nur auf diese Schäden hin. Er zeigt auch, wo seine Mitarbeitenden den gehäckselten Schnitt in den Zwischenräumen verteilt hatten. Der Anbau ist biologisch. Mit den Feldarbeiten ist die Beschäftigung mit den Beeren jedoch nicht abgeschlossen: Sind diese gedörrt, können sie im Maxi.mumm für den Verkauf verpackt und versendet werden.

Sehen, was aus Arbeit wird

«Die Programmteilnehmenden können so in einem sinnvollen Jahreszyklus mitarbeiten und sehen, was aus ihrer Arbeit wird», betont Max Kopp. Er und Karin Flückiger stellen denn auch fest, dass die meisten Mitarbeitenden diese Arbeit schätzen. Sie haben aber auch bemerkt, dass sich ihre Kolleginnen vom Gastrobereich dafür interessierten. «Was kann ich aus den Beeren machen?», wurde Karin Flückiger aus der Küche gefragt.

Solches Ineinandergreifen ist es auch, was Bruno Kunz interessiert. «Wir müssen das für unseren Betrieb nötige Geschäftsvolumen aus Nischen zusammenbauen.» Im Fall der Berner Aronia war für Maxi.mumm wertvoll, dass es gleich das ganze Paket übernehmen konnte. Nicht nur die Kulturen waren vorhanden, sondern auch der Kundenkreis und die Website mit Shop, über den die Kundschaft erreicht werden kann.

Den Namen Berner Aronia behält der neue Besitzer denn auch bei. Noch fehlen bei Maxi.mumm konkrete Erfahrungen eines ganzen Jahres. Doch Max Kopp ist überzeugt, dass sich die Kulturen mit den Leuten aus diesem Programm betreiben lassen. «Wenn das dem zuletzt achtzigjährige Walter Bracher ge­lungen ist, sollten wir es auch schaffen.»

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