Gerührt, schockiert und letzten Endes begeistert

Langenthal

Mit der Ballettadaptation von Oscar Wildes «Das Bildnis des Dorian Gray» startete das Stadttheater Langenthal in die neue Saison.

Theaterleiter Reto lang begrüsste das Publikum zur ersten Aufführung der Saison.

Theaterleiter Reto lang begrüsste das Publikum zur ersten Aufführung der Saison.

(Bild: Thomas Peter (Archivbild))

Wenn die Blätter sich leuchtend golden und rot verfärben, fortgetragen werden von dem kalten Wind, der die laue Brise des Sommers ersetzt, und der Morgen sich in kühlen Nebel hüllt, dann ist es so weit: Der Herbst ist angekommen und mit ihm die neue Theatersaison.

Am Samstag fanden sich Enthusiasten und Sponsoren im Langenthaler Stadttheater ein, um gemeinsam den Auftakt zur neuen Spielzeit zu begehen. Das gewählte Stück passt hervorragend zur Jahreszeit: Stéphen Delattre entführt mit seiner Ballettadaptation von Oscar Wildes «Das Bildnis des Dorian Gray» das Publikum in die obskuren Wirrungen des Fin de Siècle.

Nach einer kurzen Begrüssung durch Theaterleiter Reto Lang geht es los. Die Leuchten im Saal verdunkeln sich, leise rauschend öffnet sich der Vorhang, die erste Aufführung der Saison beginnt. Die Melodie, die sich erhebt, richtet sich direkt an das Innerste der Zuschauer. Ergreifend und wehmütig eröffnet sie das Stück.

Ein dramatisches Schicksal

Getragen von Musik und Tanz, werden die Zuschauer Zeugen des tragischen Schicksals von Dorian Gray, einem zunächst naiven und unschuldigen jungen Mann von herausragender Schönheit. Gray, der in den hohen Kreisen der Gesellschaft Londons verehrt wird, steht an einem schicksalhaften Tag einem Künstler Modell. Als er das fertige Porträt erblickt, zerbricht Dorian beinahe an der Erkenntnis, dass seine Schönheit vergehen wird.

Von diesem Tag an ist der junge Mann verflucht: Er selbst bleibt äusserlich jung und schön, während sein Gemälde sich mit jeder seiner Gräueltaten mehr verzerrt. Unter dem giftigen Einfluss von Lord Henry wird Gray zu einem unbarmherzigen Egomanen, der seine Mitmenschen zugrunde richtet.

Licht und Schatten

Die Geschichte ist berauschend getanzt. Jede Begegnung hat ihren eigenen Zauber, jede Szene ihre eigene Magie. Gekonnt spielt Delattre mit Licht und Schatten, die zugleich minimalistischen und stilgerechten Kostüme unterstreichen jedes Sinnbild.

Zusehends wird Gray zu einem schaurig schönen Schatten seiner selbst, der in den Opiumhöhlen und Bordellen Londons Zerstreuung sucht. Das Stück gipfelt in einem sagenhaften Pas de deux zwischen Dorian und seinem entstellten Alter Ego. Die Zuschauer sind gerührt, schockiert und letzten Endes begeistert. Dieses Wechselbad der Gefühle bildet einen durch und durch gelungenen Auftakt zur neuen Theatersaison. 

pjl

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