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Grosse Füsse in grossen Fussstapfen

Die Madiswilerin Christine Badertscher ist neue Prä­sidentin des Oberaargauischen Bauernvereins. Die 35-jährige Grüne setzt auf Kontinuität.

Die neue Bauern-Präsidentin Christine Badertscher betreut meistens am Samstag den Hofladen der Familie in Madiswil.
Die neue Bauern-Präsidentin Christine Badertscher betreut meistens am Samstag den Hofladen der Familie in Madiswil.
Thomas Peter

«Seid ihr verrückt!», sei vor einem Jahr ihre erste Reaktion gewesen, gesteht Christine Badertscher und lacht. Vor einem Jahr: Damals wurde die 35-jäh­rige Madiswilerin für das Prä­sidium des Oberaargauischen Bauernvereins angefragt. Das war auf den ersten Blick nicht ­naheliegend, denn Christine Badertscher politisiert bei den Grünen und ist weder gelernte Landwirtin noch Betriebsleiterin. Dass sie eine Frau ist, wäre also nicht das einzige Novum an der Spitze der Oberaargauer Bauernsame gewesen.

Inzwischen wäre sie dies nicht nur, sie ist es: An ihrer diesjäh­rigen Jubiläumshauptversammlung zum 100-jährigen Bestehen im Räberhus in Niederbipp wählten die Oberaargauer Bauern Christine Badertscher zu ihrer Präsidentin (wir berichteten). Negative Reaktionen auf ihre Kandidatur und Wahl seien ihr jedenfalls nicht zu Ohr gekommen, hält sie fest.

26 Vorstandsmitglieder

Sie sei im Vorstand der Oberaargauer Bauern eines von 26 Mitgliedern, entkräftet sie allfällig trotzdem vorhandene Bedenken. Mitglied sind zum Beispiel alle ehemaligen Präsidenten und die Ehrenmitglieder oder die bäuerlichen Grossräte – unter denen übrigens mit Käthi Wälchli (SVP) und Christine Grogg (EVP) die Frauen gegenüber Thomas Rufener (SVP) bereits die Mehrheit haben.

«Sie alle bringen ihre Erfahrungen ein», betont die neue Präsidentin, «und das ist gut so.» Ihre Erfahrungen lassen dort zum Beispiel auch Martha Gabi-Birrer aus Schwarzhäusern als Vertreterin der Landfrauen einfliessen oder Werner Widmer aus Melchnau als Vertreter der Stiftung Wässermatten. Und jetzt kommen die von Christine Badertscher dazu.

Vergegenwärtigt man sich diese Erfahrungen, kann man durchaus nachvollziehen, warum die Oberaargauer Bauern auf sie als neue Präsidentin kamen: Sie ist im Emmental auf einem Bauernhof aufgewachsen und zog mit ihren Eltern nach Madiswil, als diese dort einen Biobetrieb übernehmen konnten. Während sie studierte, war sie Angestellte ihrer Eltern und vertrat diese zeitweise auf dem Hof. Seit zwei Jahren führen die Eltern den Betrieb mit ihrem jüngsten Bruder Niklaus in einer Generationengemeinschaft.

Viele Wege offen

«Wenn immer möglich betreue ich jedoch am Samstag den Hof­laden», sagt Christine Badertscher. In diesem Laden sieht sie denn durchaus eine Möglichkeit, einmal auf dem elterlichen Betrieb neben dem jüngeren Bruder ein Auskommen zu finden. Da­neben stehen ihr viele Türen offen.

Gegenwärtig leitet die Umweltingenieurin mit Master in Agronomie den Geschäftsbereich Agrarwirtschaft beim Schweizer Bauernverband. Zudem ist sie dort stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs Inter­nationales. Sie beschäftigt sich vor allem mit Agrarpolitik, internationalen Handelsbeziehungen, Ernährungssicherheit und fairem Handel.

Das Beispiel Markus Ritter

Einen Blick auf den Schweizer Bauernverband wiederum benützt Christine Badertscher dazu, sich selbst und ihr neues Amt aus den Schlagzeilen zu nehmen: Präsident Markus Ritter politisiert unter der Kuppel des Bundeshauses zwar für die CVP, ist aber wie Familie Badertscher Biobauer. Die Fronten innerhalb der Bauernsame verliefen heute an einem andern Ort als zwischen bio und konventionell und damit zwischen bürgerlichen Parteien und Grünen, ist die neue Präsidentin der Oberaargauer Bauern überzeugt.

Trotzdem: Die Vergangenheit macht deutlich, wie radikal sich die Grenzen verschoben haben: Auf dem Hof von Badertschers bauerte früher Werner Scheidegger, der Gründer der Biofarm in Kleindietwil. Er musste mit vielen Vorurteilen kämpfen, die heute bei Christine Badertscher kein Thema mehr sind.

Fällt der Name Werner Scheidegger, verwirft Christine Badertscher allerdings die Hände: Viel zu gross seien dessen Fussstapfen, um sie zusammen mit ihm zu nennen. Betrachtet man ihren Leistungsnachweis, möchte man ihr widersprechen: «Doch, ihre Füsse passen da durchaus hin­ein.»

Denn ein Teil ihrer Arbeit wurde bisher noch gar nicht erwähnt: Seit sechs Jahren gehört sie dem Gemeinderat von Ma­diswil an, betreut dort das Ressort öffentliche Sicherheit und ist damit zum Beispiel für die Feuerwehr oder die Rübenchilbi verantwortlich. Sie geht davon aus, dass dieses Engagement neben ihrer Herkunft dafür sorgt, dass sie die Bodenhaftung nicht verliert.

Bodenhaftung verbindet

Bodenhaftung, das ist der Wert, den Christine Badertscher mit vielen Bauern ausserhalb des biologischen Landbaus teilt. Er wird ihr in ihrem neuen Amt wichtig bleiben: Sie will darauf hinweisen, dass regionale Kreisläufe wichtig sind, aber in der Schweiz auch ihren Preis haben. Und dass dieser Preis bezahlt werden muss. «Die Oberaargauer machen diese Aufgabe gut», hat Badertscher festgestellt. Sie treten am Schweizer Käsemarkt in Huttwil auf, nutzen mit einem Aufruf an die Mitglieder, auf Facebook über ihre Betriebe zu berichten, aber auch die neuen sozialen Medien.

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