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Hoch hinaus

Die Flügerchilbi steht vor der Tür. Der Traditionsanlass auf dem Flugplatz hat starken Familiencharakter, trotzdem steht beim Flug­verkehr auch beim Feiern die Sicherheit über allem.

Adrian Blum freut sich auf die Flügerchilbi diesen Sonntag. Der Obmann der Segelfliegergruppe Oberaargau ist auch OK-Präsident.
Adrian Blum freut sich auf die Flügerchilbi diesen Sonntag. Der Obmann der Segelfliegergruppe Oberaargau ist auch OK-Präsident.
Thomas Peter

Der Propeller dreht schneller, die Maschine nimmt Fahrt auf. Langsam, aber mühelos zieht sich die Cessna in den fast wolkenlosen Abendhimmel über Bleienbach. Kein Regen, noch immer 30 Grad, perfektes Flugwetter. An schönen Tagen wie diesen zählt der Flugplatz bis zu fünfzig Flugbewegungen.

Ist der Betrieb gross, sind jeweils ein ehrenamtlicher Pistenwart und ein Flugdienstleiter vor Ort. Dazu ist ein Sicherheitsbulletin vorhanden, in dem Vorfälle festgehalten werden. Wie jenen im April, als ein Motorflugzeug beim Start durch eine Böe zu früh in die Luft gedrückt wurde und abstürzte. Eine Person verletzte sich dabei.

«Eine gewisse Belastung»

Adrian Blum blickt auf die 500 Meter lange Start- und Landebahn. Der Flugplatz Bleienbach ist zwar kein kontrollierter Flughafen wie etwa jene in Zürich, Basel, Bern oder Grenchen. Dennoch wird hier laut dem Obmann der Segelfliegergruppe Oberaargau (SGO) die Flugsicherheit grossgeschrieben. Genauso wie eine gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden.

So sitzen in der Flugverkehrskommission, die zweimal pro Jahr tagt, ­jeweils auch Vertreter aus Bleienbach, Thörigen, Rütschelen, Lotzwil und Thunstetten. Meist geht es ums Thema Lärmemissionen oder Flugbewegungen. Letztere sind beschränkt: «Der Flugplatz ist natürlich eine gewisse Belastung für die Umgebung», sagt Blum. «Er soll aber gleichzeitig auch eine Bereicherung sein.» Etwa am kommenden Sonntag. Denn dann findet hier die Flügerchilbi statt.

Nichts dem Zufall überlassen

Die Fliegerfans wollen mit ihrem alljährlichen Anlass der Region etwas zurückgeben, wie sie sagen. Ein Fest rund um die Faszination der Lüfte. Dafür wenden Blum, der zum dritten Mal OK-Präsident ist, und die etwa hundert Vereinsmitglieder der SGO sowie freiwillige Helfer viel Zeit auf.

Denn die Flügerchilbi ist nicht bloss eine Chilbi, schliesslich werden auf dem Flugplatz auch 26 markante Flugzeuge stehen und fliegen. Entsprechend umfangreich und streng sind die Auflagen seitens des Bundesamtes für Zivilluftfahrt. Vorhanden sein müssen beispielsweise eine Risikobeurteilung, ­dazu Löschfahrzeuge sowie die Registrierung ­aller Piloten, und der richtige Abstand zum Zuschauerraum muss eingehalten werden. Es soll nichts dem Zufall überlassen werden.

Weil Blum Obmann der Segelflieger ist, präsidiert er traditionsgemäss auch das Organisationskomitee. Eine Arbeit, die grosse Verantwortung mit sich bringe, ihm aber auch Spass mache. «Denn dieser Club liegt mir sehr am Herzen.» Seit 22 Jahren ist er bei der SGO dabei, liess sich zum Segelflieger ausbilden. Die Flugprüfung hatte er bereits im Sack, da war er erst 17 Jahre alt. Er erhielt sie so noch vor der Autoprüfung.

Heute fliegt Blum weite Strecken. Dieses Jahr ist er mit dem Segelflieger um die Kontrollzone in Stuttgart geflogen, danach über den Schwarzwald und die Schwäbische Alb wieder zurück nach Bleienbach. 650 Kilometer, fast acht Stunden war er dafür in der Luft. «Das hat Spass gemacht», so Blum.

Jubiläum im nächsten Jahr

Die Distanzen, die Segelflieger mitunter zurücklegen, sind erstaunlich. Sportliche Piloten erreichen mittlerweile locker über 1000 Kilometer. Und dies, obschon ihre Maschinen nur kurz vom Schleppflugzeug hochgezogen werden. Da lässt sich vom Oberaargau schon mal rasch nach Frankreich oder Italien segeln und wieder zurück.

Denn zurückzukommen, das ist stets das Ziel. «Segelfliegen ist für viele Leute faszinierend», sagt Blum. Fliegen ohne Motor, Ausnützen von ­Winden und Thermik. Das alles müssen Piloten im Verein über Jahre akribisch erlernen. Auch das Kartenlesen mit den Flugsperrzonen, obschon heute moderne GPS-Geräte die Arbeit für den Piloten erheblich erleichtern.

Dieses Jahr wollten für die Flügerchilbi sogar mehr Piloten ihre Flugzeuge anmelden, als im Programm Platz haben. OK-Präsident Blum sagt deshalb auch: «Die Ausgabe 2017 zu toppen, wird schwierig.»

Immerhin steht 2018 das 75-Jahr-Jubiläum der Segelfliegergruppe Oberaargau an. Nach so vielen Jahren sind der Verein und der Flugplatz aus dem Ortsbild kaum mehr wegzu­denken.

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