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«Ich war wirklich am Limit»

Nach 7 Jahren gibt Stefan Ryser das Präsidium der SP Langenthal in neue Hände. Mit dem Wahlerfolg der Partei im Herbst endet seine Amtszeit auf einem Höhepunkt.

Stefan Ryser, der 2012 verlorene elfte Stadtratssitz konnte letzten Herbst zurückerobert werden. Und auch das Stadtpräsidium ist erstmals nach 22 Jahren wieder in den Händen der Sozialdemokraten. Sie haben den besten Moment gewählt, um als Parteipräsident abzutreten.Stefan Ryser:Es hat sich gut er­geben, ja. Es ist natürlich schön, dann gehen zu können, wenn ein Erfolg sichtbar ist. Ich habe mich mit meinem Rücktritt aber schon vor den Wahlen im Herbst aus­einandergesetzt. Normalerweise kam es bei der SP immer nach rund 4 Jahren zu einem Wechsel des Präsidiums. Ich habe meinen Vorgänger Reto Müller nach dessen Wahl in den Gemeinderat allerdings schon nach einem Jahr abgelöst. Nun sind es bei mir 7 Jahre geworden. Da ist es meines Erachtens Zeit für einen Wechsel. Wenn man zu lange im Amt ist, läuft man Gefahr, Scheuklappen zu bekommen. Und auch für meine Nachfolger Saima Sägesser und Roland Loser ist es ein guter Zeitpunkt. Sie haben nun vier Jahre Zeit bis zu den nächsten Gemeindewahlen.

Dem Erfolg bei den Wahlen war ein heftiger Streit mit der Tochterpartei, der Juso, vorausgegangen. Weil Sie deren Präsidenten Alain Roth nach dessen vermummter Teilnahme an einer Demo in Paris von der Gemeinderats- und der Stadtratsliste gestrichen haben. Wie war das für Sie, plötzlich dermassen im Fokus zu stehen?Es war eine unglaublich intensive Zeit. Alles in allem habe ich in ­diesem Sommer wohl gegen 70 Interviews gegeben und x-Hunderte von E-Mails beantworten müssen. Allein schon zeitlich war das fast nicht zu bewerkstelligen. Hinzu kam aber auch der emotionale Aspekt. Ich habe mir vom Zuspruch bis zur Beschimpfung alles anhören müssen damals. Und dabei hatte ich gemeint, ich könne in Ruhe am Wahlkampf unserer Partei arbeiten. Das war sicher der bittere Teil eines sonst sehr erfolgreichen Wahljahrs. Ich war wirklich am Limit. Gleich­zeitig war es aber auch schön, zu erleben, wie gross die Unterstützung innerhalb der Partei war. Einige Mitglieder haben in dieser Zeit spontan ihre Hilfe angeboten und wichtige Aufgaben übernommen, ohne dass ich sie darum hätte bitten müssen.

Wie ist das heutige Verhältnis zur Juso?Das Präsidium bei der Juso hat gewechselt, inzwischen wird die Partei von Sofia Fisch und Linus Rothacher in einem Co-Präsidium geleitet. Letzterer ist zugleich Mitglied der SP, was sicher eine gute Grundlage ist. Aber eine Zusammenarbeit gibt es derzeit nicht gross. Eine solche müssen wir erst wieder aufbauen.

Bei Ihrem Antritt als Präsident war eines Ihrer Ziele, den Mitgliederschwund zu stoppen. Ist das gelungen?Damals zählte die SP 141 Mitglieder, heute sind es 142. Und wir ­haben in den letzten 7 Jahren sicher 50 Neueintritte verzeichnen können. Gerade jüngere Leute zieht es aber auch immer wieder weg von Langenthal und damit auch aus der Ortspartei. Zumindest ist die Mitgliederzahl stabil geblieben. Wir werden aber sicher weiter daran arbeiten ­müssen.

Was hat die SP unter Ihrer Leitung politisch erreicht?In den letzten Jahren sicher einiges. Wobei dank der Onyx-Millionen viele unserer Anliegen inzwischen umgesetzt worden sind, ohne dass wir dafür extrem hätten kämpfen müssen. Aber wir haben auch unseren Kontakt zur Bevölkerung zu vertiefen versucht. Mittlerweile gehen wir bei wirklich jeder Abstimmung auf die Leute zu und legen unsere Haltung zu einem bestimmten Thema dar. Man kann nicht nur dann präsent sein, wenn gerade Wahlen sind. Deshalb sind solche Aktionen heute fester Bestandteil unseres Jahreskalenders.

Sie waren selber lange Stadtrat. Planen Sie nach der Abgabe des Präsidiums nun Ihre Rückkehr ins Parlament?Im Moment denke ich nicht an so etwas, nein. Wie es in zwei, drei Jahren aussieht, kann ich heute allerdings noch nicht sagen. Zuerst einmal steht nun die Über­gabe des Parteipräsidiums an. Und selbstverständlich werde ich auch weiterhin gerne mithelfen, wenn mich der Vorstand braucht.

Man könnte meinen, Sie haben Ihr Soll erfüllt. Was ist es, das Sie nach den langen Jahren im Parlament und als Parteipräsident noch ermutigt, sich weiterhin zu engagieren in der SP?Nun, mich interessiert Politik generell und Langenthal im Speziellen. Sicher bin ich da von meinem Elternhaus geprägt. Schon mein Vater war SP-Präsident, und meine Mutter gehörte 16 Jahre dem damaligen Grossen Gemeinderat an. Auch ich möchte für diese Stadt etwas zustande bringen. Und da kommt man um die Politik nun einmal fast nicht rum.

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