«Ich werde es sicher vermissen»

Herzogenbuchsee

Die Ferien sind zu Ende, die Schule geht wieder los. Für Franz Akermann war dies bisher ein spezieller Tag. In diesem Jahr aber bleibt der Schulleiter erstmals nach 40 Jahren zu Hause. Zeit, noch einmal einen Blick zurückzuwerfen.

Die Schule geht ohne ihn als Schulleiter los: Franz Akermann auf dem Areal der Oberstufe in Herzogenbuchsee.

Die Schule geht ohne ihn als Schulleiter los: Franz Akermann auf dem Areal der Oberstufe in Herzogenbuchsee.

(Bild: Marcel Bieri)

Sebastian Weber

Schulstart in Herzogenbuchsee. Doch er ist nicht mehr mit dabei: Franz Akermann. 40 Jahre lang war er für die Oberstufe tätig, 39 davon als Vorsteher und Schulleiter. Nun ist er auf Ende des vergangenen Schuljahres in den Ruhestand gegangen.

«Das fühlt sich schon ein wenig merkwürdig an», sagt er. «Der Schulstart war immer ein emotionaler Moment.» Die neuen Schüler und Lehrer zu begrüssen, habe ihm jeweils grosse Freude bereitet.

«Es war schön, das Interesse der Kinder zu sehen.» Ihn habe das immer motiviert, sagt der 65-Jährige. Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrpersonen war für ihn immer etwas vom Schönsten. «Bei diesem Job muss man Menschen mögen.»

Wenn also am Montag 100 Schulkinder und sechs Lehrer neu im Oberstufenzentrum willkommen geheissen werden, ist für Franz Akermann auch ein Stück Wehmut mit dabei. «Ich werde es sicher vermissen.»

Das Loslassen sei nicht immer einfach, sagt er und vergleicht seine Situation mit jener des Familienvaters, dessen Kinder zu Hause ausziehen. Akermann weiss, wovon er spricht: Seine vier Kinder haben das Elternhaus bereits alle verlassen.

Ein sanfter Abschied

Und, konnte Franz Akermann seine ersten Wochen im Ruhestand geniessen? In den Ferien sei er schon gewesen, sagt er und schmunzelt. Trotzdem trifft man ihn knapp eine Woche vor dem Schulstart im Büro des Oberstufenzentrums an.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass Akermann seinem Nachfolger, Res Aeschbacher, nicht vertrauen würde. «Ich bin überzeugt, dass es auch ohne mich problemlos weiterläuft. Die Schule ist gut aufgestellt.» Nur weil er noch einige organisatorische Dinge erledigen müsse, sei er in den Ferien im Schulhaus anzutreffen.

Sowieso: Für Franz Akermann wird es ein sanfter Abschied. Ein Jahr lang wird er noch zu 15 Prozent angestellt bleiben und sich während dieser Zeit vor allem um Aufgaben im Bereich der Geschäftsleitung des Schulverbandes kümmern.

«Ich wollte immer mitbekommen, wie die Jungen genau ticken.»Franz Akermann

Mit dem Unterrichten ist aber nun Schluss. Und genau diese Arbeit hat ihm die ganzen Jahre über viel Spass bereitet: «Ich habe bis zuletzt auch immer selbst unterrichtet und dies sehr gerne getan», erzählt der Buchser. Vor allem auch, um den Puls der Schüler zu fühlen. «Ich wollte immer mitbekommen, wie die Jungen genau ticken.»

Weshalb er auch lange Zeit die Lagerwochen begleitet hat. Als Schulleiter, der selbst unterrichtet, habe er alle möglichen Trends miterlebt, die sonst an ihm vorbeigegangen wären, etwa auch im Bereich der sozialen Medien. «Diese sind mir jetzt viel ­näher, als sie es sonst gewesen ­wären.»

«Das ist uns gelungen»

Franz Akermann, in Huttwil aufgewachsen, besuchte das Gymnasium in Langenthal und übernahm gleich nach der Matur mit 19 Jahren seine erste Stelle als Lehrer. Eine spezielle Situation, wie er sich erinnert: «Als 19-Jähriger stand ich vor einer Klasse mit Schülerinnen und Schülern, die nur gerade 3 Jahre jünger waren als ich.»

Schliesslich folgte 1977 der Wechsel nach Herzogenbuchsee, wo er in der Folge miterlebte, wie sich die Oberstufe über die letzten Jahrzehnte stark gewandelt hat. Die Oberstufe, die ursprünglich als reine Sekundarschule gegründet worden war, entwickelte sich zum Oberstufenzentrum für die ganze Region.

«Unsere Hauptaufgabe war die Integration der Kinder und Lehrpersonen», sagt Akermann. «Das ist uns gut gelungen. Wir hatten immer ein sehr kompaktes Kollegium.» 1995 wurde die Oberstufe mit dem 7. bis 9. Schuljahr eingeführt. Gleichzeitig gab es einen neuen Lehrplan.

Akermann hat als Schulleiter die Einführung von zwei neuen Lehrplänen miterlebt. Den Lehrplan 21, der erst 2018 in Kraft tritt, verpasse er «zum Glück», sagt er und lacht. «Wobei sich in vielen Bereichen damit inhaltlich gar nicht viel ändern wird», meint er.

Die Aare ist zu gefährlich

Geändert hat sich hingegen in den letzten 40 Jahren einiges, was die Lehrmittel oder auch die Informatik betrifft. Vor allem aber der Status des Lehrers in der Gesellschaft hat sich verändert. In den 1970er-Jahren sei dies noch ganz ein anderes gewesen, erzählt Franz Akermann.

«Heute wird ein Lehrer von allen Seiten schneller angegriffen. Früher haben sich die Eltern vielleicht hingegen ein bisschen zu wenig eingemischt.» Akermann erzählt davon, wie es früher kein Problem war, mit der Klasse rasch bei Berken in die Aare zu springen. «Heute heisst es: Das ist zu gefährlich.»

Dennoch habe das Positive letztlich immer überwogen: «Schliesslich haben die Eltern ja auch das gleiche Ziel wie die Lehrer. Wir wollen, dass es den Kindern gut geht. Je besser wir mit den Eltern auskommen, desto besser können wir den Schülern helfen.»

Akermann erinnert sich auch an jene Schüler, mit denen er mehr Problem hatte oder an denen er vielleicht etwas mehr zu «chätschen» hatte als an anderen. «Wenn ich dann später gehört habe, dass sie dennoch ihren Weg gemacht haben, hat mich das immer besonders gefreut.»

Die wirklich schwierigen, belastenden Momente waren für Akermann sowieso andere: dann, wenn er mit Todesfällen von Schülerinnen und Schülern konfrontiert wurde. In einem Fall vor gut 6 Jahren auch mit jenem einer Lehrperson. «Das geht einem natürlich nahe.»

Mit dem Camper unterwegs

Bedenken, nach insgesamt 46 Jahren Berufstätigkeit nun in ein grosses Loch zu fallen, hat Franz Akermann nicht. Auch wenn er jetzt natürlich mehr Zeit habe, die er selber planen müsse, werde es ihm sicher nicht langweilig.

«Meine Frau und ich werden vielleicht künftig etwas häufiger mit dem Camper unterwegs sein.» Und dann gibt es sechs Enkelkinder, die ihn auf Trab halten. «Ich fühle mich noch fit», sagt er und lacht.

Langenthaler Tagblatt

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