Zum Hauptinhalt springen

«Ich ziehe Hunde mit Defekt an»

Claudia Frey ist Physiotherapeutin für Sporthunde und trainiert auch selbst mit ihren Vierbeinern.

Der Belgische Schäferhund Fazer geniesst die Massage von Physiotherapeutin Claudia Frey.
Der Belgische Schäferhund Fazer geniesst die Massage von Physiotherapeutin Claudia Frey.
Beat Mathys

Schwanzwedelnd und mit seinem Lieblingsspielzeug im Mund begrüsst Fazer die Besucherinnen in seinem Zuhause in Attiswil. Danach legt er sich bereitwillig auf den kleinen roten Teppich im Wohnzimmer und geniesst die Behandlung: Nicht nur Menschen mögen Massagen.

In kreisenden Bewegungen fährt Hundephysiotherapeutin Claudia Frey über das Fell ihres Patienten. «Das ist eine Lockerungsmassage», erklärt sie. Sie tue das einerseits, um Schmerzen zu verringern, wenn sie später die Knochen richte, und andererseits, um Verletzungen in der Muskulatur zu erkennen. Immer wenn Fazer kurz die Augen schliesst, merkt Frey, dass er auf eine Berührung reagiert. Die meiste Zeit döst er aber vor sich hin, nur ab und zu murrt er. «Berührungen an den Zehen finden sie nicht so gut», sagt die Therapeutin und schmunzelt, während sie sanft zur nächsten Pfote wechselt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Claudia Frey nach Attisiwil zu Fazer und seiner Besitzerin Christa Balzer fährt. Etwa einmal im Monat ist der siebenjährige Rüde in Behandlung. Und das aus gutem Grund: «Hunde wie Fazer sind Hochleistungssportler», sagt Claudia Frey. Der Belgische Schäferhund der Art Malinois nimmt regelmässig an Wettkämpfen teil. Ausserdem ist er Katastrophenhund und kann Verschüttete aus Trümmern oder Lawinen retten.

Viermal pro Woche trainiert Christa Balzer mit ihm. Sie sei deshalb froh um die Physiotherapie. Nur dank ihr könne Fazer auch mit seinen sieben Jahren noch im Einsatz sein, ist sich Balzer sicher. Claudia Frey hat derweil aus ihrer grossen Tasche ein Lasergerät genommen und eine Schutzbrille montiert. Mit dem Gerät fixiert sie nun einen Punkt am Bein des Hundes. Statt des Lasers setze sie oft auch Akupunkturnadeln ein, sagt sie.

Kunden in der halben Schweiz

Vor zwei Jahren hat Claudia Frey ihre Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin und Tierakupunkteurin abgeschlossen. Vier Jahre dauerten Grundausbildung plus eine Spezialisierung für Sporthunde. Währenddessen arbeitete Frey noch in ihrem eigentlichen Beruf als Lehrerin einer neunten Klasse im solothurnischen Selzach. «Eine strenge Zeit», sagt Frey.

Als sie die Literatur das erste Mal gesehen habe, habe sie gedacht, sie lese Chinesisch, erzählt sie. Ihre Schwester, eine Tierärztin, habe ihr geholfen, die eigentlich lateinischen Begriffe zu verstehen. Seit der Ausbildung arbeitet Claudia Frey neben der 80-Prozent-Stelle als Lehrerin noch etwa 30 Prozent als Physiotherapeutin für Sporthunde. Sie sei dankbar für diesen Ausgleich, sagt die 44-Jährige.

Zwei-, dreimal habe ich eine brenzlige Situation erlebt. Um ein Haar wäre ich gebissen worden.

Claudia Frey, Hundephysiotherapeutin

Ihre Patienten besucht sie in der halben Schweiz. Unter ihnen sind Sport- und Katastrophenhunde wie Fazer, aber auch Polizeihunde oder solche mit Beeinträchtigungen. Nicht alle lassen sich so einfach behandeln wie Fazer. Zwei-, dreimal habe sie eine brenzlige Situation erlebt, sagt Frey. Um ein Haar wäre sie gebissen worden. Trotzdem schwärmt Frey von ihrem Zweitjob, mit dem sie auch ihr Hobby zum Beruf gemacht hat.

Claudia Frey kommt aus dem Kanton Solothurn, wohnt aber seit drei Jahren mit ihrem Mann in Walliswil bei Wangen, in einem Haus mit viel Umschwung für ihre vier Hunde. Sie sei schon mit den Tieren aufgewachsen. Ihr erster eigener Vierbeiner habe eine chronische Erkrankung der Hüftgelenke gehabt, sagt Frey. Die Folgen: Krankheitskosten in der Höhe eines Kleinwagens. Auch die darauffolgenden Hunde und ihre heutigen Belgischen Schäferhunde Koko und Aiven haben Leiden.

«Ich ziehe Hunde mit einem Defekt an», sagt Frey. Schon früh wird sie deshalb selbst zur Kundin der Hundephysiotherapie und beginnt, sich für das Handwerk zu interessieren. Am Anfang vor allem, um ihre eigenen Tiere zu betreuen. Frey ist seit ihrem 16. Lebensjahr selber begeisterte Hundesportlerin.

Weltmeisterschaft in Finnland

Im November hat Claudia Frey mit ihrer neunjährigen Hündin Koko die Schweizer Meisterschaft in der Disziplin «Fährtenhunde» gewonnen. Noch heute kommt sie ins Schwärmen, wenn sie davon erzählt. Fährtenhunde müssen auf einem grossen Gelände Gegenstände, die Stunden zuvor von Experten abgelegt wurden, finden. Mit einem Punkt Vorsprung auf die Zweitplatzierten setzen sich Koko und Claudia Frey gegen 14 Vier- und Zweibeiner durch. «Ich habe mich wahnsinnig gefreut», sagt Frey. Vor allem, weil sie sich damit für die Weltmeisterschaft in Finnland im Mai qualifiziert haben.

Gegen fünfzig Hunde aus dreissig Nationen treten dort an. Frey hofft auf ein gutes Ergebnis und ist gerade auf Sponsorensuche. Für ihren Sieg wurde sie an der letzten Gemeindeversammlung in Walliswil geehrt. Das habe sie sehr gerührt: «Ich bin ja kein Federer oder Stucki.»

----------

Weitere Beiträge aus der Region Oberaargau

----------

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch