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Interventionen in der Möbelfabrik

Wo Altes im Umbruch ist, wird die Neue Schule für Gestaltung hellhörig. Ein Experimentierfeld ­bieten deren Absolventen derzeit die ehemaligen Produktionsräume der Anliker AG.

In aller Stille: Wenige Tage vor der Ausstellung sind Mario Heierle (links) und Serafin Frei vertieft in ihre Arbeiten.
In aller Stille: Wenige Tage vor der Ausstellung sind Mario Heierle (links) und Serafin Frei vertieft in ihre Arbeiten.
Thomas Peter
Klang und Struktur zwischen ausgedienten Maschinen: Wo einst Möbel gefertigt wurden, entsteht derzeit Kunst.
Klang und Struktur zwischen ausgedienten Maschinen: Wo einst Möbel gefertigt wurden, entsteht derzeit Kunst.
Thomas Peter
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Hinausgehen. Das sollen die Lernenden der Neuen Schule für ­Gestaltung nicht erst nach Abschluss ihrer ein- bis zwei­jährigen Ausbildungsgänge in Langenthal. Zwar bildet der klassische Unterricht in den verschiedenen gestalterischen Disziplinen im Schulgebäude an der Bützbergstrasse einen wesent­lichen Bestandteil sowohl des sogenannten Vorkurses wie auch der Propädeutika als Vorbereitung für das Aufnahmeverfahren an einer Hochschule.

«Wo die Auseinandersetzung nicht einfach übers Pult läuft, können gestalterische Anliegen aber ganz anders auf den Punkt gebracht werden», sagt Christoph Hauri, seit der Gründung durch Peter Amsler vor fünfzehn Jahren Lehrer an der Schule und seit 2016 deren stellvertretender Leiter.

Schon vor drei Jahren verlegte die Schule die allerletzten Aus­bildungswochen deshalb kurzerhand in die Alte Giesserei Riedtwil, deren verwaiste Produktionsräume den Schülern so zum Experimentierfeld für ihre Abschlussausstellung wurden.

Es war ein Experiment, das Schule machte. Nach weiteren ausserhäuslichen Interventionen in der ehemaligen Blumenhalle Häusermann 2016 und Auseinandersetzungen mit verschiedenen Baustellen in Langenthal im letzten Jahr sind die rund vierzig Absolventinnen und Absolventen der aktuellen Ausbildungsgänge jetzt in den ehema­ligen Produktionsräumen der Anliker AG an der Ringstrasse am Werk.

Stimmung und Raum

Auf dem Vorplatz fertigt Cathrine Bärtschi Gipsfiguren. Im Innern der ehemaligen Möbelschrei­nerei lassen Mario Heierle und Serafin Frei derweil zwei Wandbilder entstehen. Unzählige ­Skizzen zieren die hölzernen Wände, an denen der Zahn der Zeit seine sichtbaren Spuren hinterlassen hat.

Im Halbdunkel eines Lagerraums arbeitet eine weitere Schülerin, während ihre Kollegin ein Stockwerk höher hinter einer grossen Fensterfront den sich verändernden Licht­einfall studiert.

Die Stimmung erfassen. Auch darum gehe es bei diesem ausserschulischen Versuchslabor, erklärt Christoph Hauri. Auf den Raum eingehen. So habe die erste Woche nach ihrer Ankunft in der alten Schreinerei Mitte April den Schülern denn auch vor allem als Erarbeitungszeit gedient. Erst mit der Zeit seien aus anfäng­lichen Skizzen und Studien allmählich kleinere und grössere Projekte entstanden, die es, anhand der schulischen Aufgabenstellungen, nun zu konkretisieren galt.

Wie präsentieren?

Neben technischen und künst­lerischen Aspekten hat dabei ­zunehmend auch die Frage an Bedeutung gewonnen, wie eine Arbeit am Ende präsentiert werden soll. Schliesslich laden die angehenden Kunststudenten, Grafikerinnen, Theatermaler, Polygrafen oder Keramikerinnen, um nur eine Auswahl zu nennen, auch heuer wieder zur Abschlussausstellung.

Bei Julian Scherrer und Tim Röthlisberger etwa wurde aus einer Bestandesaufnahme alles Schriftlichen, das sie an den Wänden und Gerätschaften der alten Schreierei vorfanden, ein Gedicht, das alsdann aus neu verlegten Maschinenrohren erklingen wird.

Tage vor der Ausstellung liegen Papier und Klebeband, Vorstudien und Abfälle noch verstreut zwischen den teils immer noch nicht ganz vollendeten Arbeiten herum. Am Donnerstag werde das Bild ein ganz anderes sein, sagt Christoph Hauri. Teils nur ganz diskret würden die gestal­terischen Interventionen dann noch erscheinen.

Die Möbel­macher hätten die ehemaligen Produktionshallen mit der Einstellung des Betriebs Ende letzten Jahres ausgeräumt, erklärt Christoph Hauri. «In aller Zartheit räumen wir sie jetzt wieder ein.»

Ausstellung«ausgeräumt – hineingeräumt»:Donnerstag, 21. Juni, 15–20 Uhr, und Freitag, 22. Juni, 13–19 Uhr, Ringstrasse 40, Langenthal. Parallel dazu zeigt eine Ausstellung im Schulhaus an der Bützbergstrasse 35, was über das ganze Jahr hinweg entstanden ist an der Neuen Schule für Gestaltung.

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