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Jedes Kind schmiedet sein eigenes Kettenglied

Die Schülerinnen und Schüler ­lernen das Schmiedehandwerk kennen. Dabei leisten sie einen Beitrag zu einem Themenweg, der die beiden Dörfer miteinander verbinden soll.

Beherzt schlagen die Kinder zu: Die Projektwoche bildet den Abschluss des Schuljahres.
Beherzt schlagen die Kinder zu: Die Projektwoche bildet den Abschluss des Schuljahres.
Olaf Nörrenberg

Es riecht nach verbrannter Kohle, ähnlich wie bei einer Dampflok. Ein schwacher Wind trägt dünne, graue Rauchschwaden in den Himmel. Auf dem Pausenplatz der Schule Gondiswil steht ein riesiger Blasebalg, der die Luft zu einer Esse führt und ein Kohlefeuer heiss hält. Daneben stehen drei Jungs. Im Feuer stecken drei Eisenstäbe. Nicht weit daneben steht eine mobile Feldesse, bei der zwei weitere Eisenstäbe ins Feuer gelegt wurden.

Zwei Mädchen stehen davor, eines tritt immer wieder auf ein Fusspedal, um das Gebläse anzutreiben, welches das Feuer in Gang hält. «Nicht zu schnell treten, sonst wird das Feuer zu heiss, und das Eisen schmilzt», mahnt Roland Fornaro. Er ist Kunstschmied und unterrichtet Werken an der Schule in Gondiswil. Das zweite Mädchen steht daneben und wartet geduldig, bis es an der Reihe ist, das Fusspedal zu betätigen.

Die Schulen Gondiswil und Reisiswil haben in der letzten Schulwoche Grosses vor. Jede Schülerin und jeder Schüler stellt ein eigenes geschmiedetes Produkt her, welches Ende der Woche zu zwei gemeinsamen Projekten zusammengefügt und zur Erinnerung an beiden Schulstandorten fest installiert wird. Heute sind die Kinder der ersten und zweiten Klasse an der Reihe, ihren Teil zum gesamten Kunstwerk beizutragen.

Ein ­Spiralmuster entsteht

Eines der Kinder nimmt das erste heisse Eisen aus dem Feuer, und Fornaro spannt es in einen Schraubstock. «Die heisse Stelle des Eisens immer nach unten halten und nicht damit herumfuchteln», mahnt er wieder. Mithilfe einer Vorrichtung drehen die Kinder das Eisen so, dass ein ­hübsches Spiralmuster entsteht. Noch kurz auf den Amboss gelegt, und die kleinen Schmiedemeister schlagen zuerst zögerlich, dann beherzt mit dem Hammer zu.

Mit einem lauten Zischen wird das Eisen in kaltem Wasser abgekühlt und für den nächsten Bearbeitungsschritt wieder ins Feuer gelegt. Abwechselnd kommt jedes Kind an die Reihe. Dabei muss Fornaro die beiden Feuer und die darin liegenden Eisenstäbe im Blick behalten, was nicht einfach ist, denn eines der Eisen ist bereits geschmolzen und dadurch der vorderste Teil abgebrochen. Geübt zieht er das Eisen aus dem Feuer und beruhigt gleichzeitig das enttäuschte Mädchen.

«Wenn früher dem Schmiedelehrling so etwas passierte, warf der Meister einen Hammer nach ihm», erzählt Fornaro. Daraus sei die Redewendung «in den Hammer laufen» entstanden. Jedes der Kinder schmiedet sein eigenes individuelles Kettenglied, die danach zu einer Kette zusammengefügt werden. Ruwen aus der ersten Klasse ist fasziniert und antwortet strahlend auf die Frage, was ihm denn am besten gefallen habe, mit einem kurzen und knappen: «Alles.»

Das Feuer darf nicht zu heiss werden, sonst schmilzt das Eisen. Foto: Olaf Nörrenberg.
Das Feuer darf nicht zu heiss werden, sonst schmilzt das Eisen. Foto: Olaf Nörrenberg.

Mit Wettbewerb

Das Schmiedeprojekt ist der Abschluss eines grossen Projekts, das bereits im zweiten Semester begann. Die Klassen stellten zum Thema «Einblicke – Ausblicke» mehrere Outdoor­installationen her. Sie sollen Einblicke in die beiden Schulgemeinden geben und neue, ungewohnte Ausblicke in die Umgebung eröffnen. Die dabei entstandenen Kunstobjekte werden nun in der letzten Schulwoche an elf verschiedenen Standorten der beiden Gemeinden installiert.

Der daraus entstehende Themenweg kann in einer 19 Kilometer langen Rundwanderung durchlaufen werden. Als verbindendes Element wird ein Wettbewerb eingebaut, wobei an drei zusätzlichen Standorten Aussichtsfotos entsprechenden Sitzbänken zugeordnet werden sollen. Der Themenweg, der Einblick in das schulische Schaffen bietet, wird morgen anlässlich des Schulfestes eingeweiht und für die Öffentlichkeit freigegeben. Bis Ende Oktober können die Objekte besichtigt werden. Ein entsprechender Plan ist auf der Website der Schule Gondiswil zu finden.

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