Jetzt kann die Rikscha bestellt werden

Herzogenbuchsee

Am Wochenende nimmt das E-Buxi in Herzogenbuchsee den Betrieb auf. Die Mitglieder des gleichnamigen Vereins sind guter Dinge, dass die Fahrzeuge rege genutzt werden. Die grösste Hürde hat das Projekt schon genommen.

In Herzogenbuchsee wurde am Dienstag die neue E-Rikscha vorgestellt. E-Buxi-Vereinspräsident Klaus Indermühle (hinten) und Hauptinitiant Hans Kaspar Schiesser haben das Gefährt auf dem Bahnhofplatz getestet. Video: Sebastian Weber

Was fährt denn da über den Bahnhofplatz in Herzogenbuchsee? Einige Passanten staunten am Dienstag Vormittag nicht schlecht, als im Rahmen einer Medienkonferenz mit der neuen E-Rikscha ein paar Runden gedreht wurden. Diese war gleichentags erst angeliefert worden.

Das dreiplätzige Gefährt, das wie ein E-Bike funktioniert, aus Sicherheitsgründen aber nur mit 25 Stundenkilometern unterwegs ist, hat die Probe bestanden: Alles läuft wie geplant. Das ist auch das erste Fazit des letzten November neu gegründeten Trägervereins E-Buxi. Dieser hatte sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Innerhalb von nur gerade fünf Monaten sollten 50 bis 60 freiwillige Fahrer dafür gefunden werden, am 27. April mit dem neuen Ortsbusshuttle loslegen zu können.

Mit der Rikscha und einem siebenplätzigen E-Van sollen sie die Fahrgäste im Siedlungsgebiet von Herzogenbuchsee, Nieder- und Oberönz herumchauffieren —nonbreakingspaceauf Bestellung und ohne fixen Fahrplan.

«Mit 40 Fahrerinnen und Fahrern hätten wir notfalls starten können», sagt Vereinspräsident Klaus Indermühle zwar. Er freut sich, dass es letztlich aber mehr geworden sind: 55 Personen, davon 20 Prozent Frauen, haben sich bereit erklärt, pro Woche mindestens eine Schicht von rund fünf Stunden zu übernehmen.

Dies für eine bescheidene Entschädigung von 50 Franken pro Schicht. Es handle sich mehrheitlich um pensionierte Menschen, sagt Indermühle. Er verrät, dass die grosse Unterstützung auch ihn überrascht habe. Sie passe aber zum Dorf. «Es ist mittlerweile eine Eigenart der Gemeinde Herzogenbuchsee geworden, dass alle etwas zum Gemeinwesen beitragen wollen.»

Via App oder Telefon

Der grösste Teil der Fahrer, die alle über den Führerausweis Kategorie B verfügten, sei bereits ausgebildet worden, erzählt Hans Kaspar Schiesser, der Hauptinitiant des Projekts. Bisher sei alles reibungslos verlaufen. Auch mit der Rikscha kämen die Fahrerinnen und Fahrer gut zurecht.

Befürchtungen, dass die Steigungen in Buchsi für die Rikscha zu gross sein könnten, verwirft Lorenz Bärfuss von der Rikscha Taxi Schweiz AG, welche die Fahrzeuge entwirft und produziert. «Selbst 20 Prozent Steigung sind kein Problem.»

Nur die dazugehörige App sei vielleicht noch etwas gewöhnungsbedürftig, sagt Klaus Indermühle. Nicht nur für die Fahrer, die darüber ihre Aufträge erhalten, sondern auch für die Fahrgäste, die so online eine Fahrt buchen können.

«Unter ihnen werden sich auch viele ältere Menschen befinden, von denen einige wenig oder gar keine Erfahrung mit Apps haben», sagt der Vereinspräsident. Alternativ lässt sich der Chauffeur aber auch übers Telefon herbeirufen. Oder man schnappt sich sein E-Taxi direkt am Standplatz beim Bahnhof, wo sich die Ladestation befindet.

Die Betriebssoftware kombiniert die Bestellungen. Sodass man sich das Fahrzeug also womöglich mit anderen Gästen teilt, die auf einer ähnlichen Route unterwegs sind. Gewährleistet wird ein 17-Stunden-Betrieb während sieben Tagen in der Woche. Am Freitag und am Samstag wird sogar die Zeit bis zum letzten Zug um circa 1.40 Uhr abgedeckt. Eine Fahrt kostet pro Person 3 Franken, bei einer 10-Fahrten-Karte nur 2.50. Ein Jahresabo gibt es für 150 Franken.nonbreakingspace

Nicht kostendeckend

Möglich sind diese tiefen Preise auch wegen der finanziellen Beteiligung verschiedener Partner. Neben der EWK Herzogenbuchsee AG sind auch die Gemeinden Herzogenbuchsee und Niederönz mit an Bord. In beiden Dörfern füllt E-Buxi eine Erschliessungslücke.

Zudem ist das Projekt die erste Umsetzung von «Flow on Demand», hinter dem Energie Schweiz, der Förderfonds Engagement Migros und der Kanton Bern stehen. Kostendeckend werde der Betrieb nicht sein, stellt Schiesser klar. Das Ziel sei es, künftig rund die Hälfte der Kosten über die Fahrten decken zu können, den Rest über die öffentliche Hand.

Der reguläre Shuttlebetrieb auf Bestellung beginnt am Sonntag um 7.40 Uhr. Der Start von E-Buxi wird bereits am Samstag vor dem Bahnhof gefeiert, mit offiziellen Reden, Kulinaritäten und Musik (11 bis 14 Uhr). Zudem werden Gratisschnupperfahrten angeboten (ab 14 Uhr). Sodass also auf dem Bahnhofplatz schon bald wieder gestaunt werden darf.

Langenthaler Tagblatt

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