Kein Gärtchendenken in Sachen Sportstätte

Langenthal

Die Notwendigkeit, dass der Oberaargau als geeinte Region auftritt, ist erkannt. Zumindest bei jenen,die sich für eine moderne Sportinfrastruktur einsetzen. Eine, die weit über ein Eisstadion hinausgeht.

Vorzeigeprojekt: Die Aquaarena, das von Grund auf überarbeitete Hallenbad in Herzogenbuchsee.

Vorzeigeprojekt: Die Aquaarena, das von Grund auf überarbeitete Hallenbad in Herzogenbuchsee.

(Bild: Thomas Peter)

Die Stossrichtung an der Podiumsdiskussion des Vereins Arena Oberaargau war klar. Einerseits wollen alle Redner, dass mehr für den Sport getan wird, andererseits ist genau das nicht so einfach. Die Runde mit Unternehmer Markus Bösiger, Stadtpräsident Reto Müller (SP), dem ehemaligen Buchser Gemeinderat Kurt Grossenbacher und SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf brachte eigentlich nichts Neues hervor. Und doch war die Diskussion über Angebot und Nachfrage im Oberaargau eine wesentliche, geht es doch um die Zukunft der Sportförderung in der Region.

Die Stadionfrage für die einen

Im Jurapark ging es um die Frage, wie es um die aktuellen Infrastrukturen steht und wo es – mit Blick in die Zukunft – Handlungsbedarf gibt. Bei Gian Kämpf, der für den kurzfristig entschuldigten SCL-Verwaltungsratspräsidenten Stephan Anliker einsprang, drehte sich natürlich alles um die Stadionfrage.

Was ist der Stand der Dinge, wie geht es weiter? «Die Verhandlungen laufen, und wir spüren, dass die Stadt eine neue Halle will», sagte Kämpf. Trotzdem seien noch einige Hürden zu nehmen. «Ein Eisstadion allein ist nirgendwo rentabel in der Schweiz.» Genau deshalb brauche es die Unterstützung der Stadt.

«Daran müssen wir arbeiten»

Die Stadt repräsentiert Reto Müller. Er sieht sich in der Pflicht, denn es sei schon die Aufgabe der Gemeinden, Sportinfrastrukturen zu betreiben und zu unterstützen. «Die Bevölkerung soll Angebote haben, damit sie aktiv und gesund leben kann», so Müller. Die Sportkommission stelle aber auch fest, dass sie nie jedes Bedürfnis decken könne. Schliesslich gebe es unterschiedliche Haltungen zu den verschiedenen Sportprojekten. «Und sowieso muss es immer fast gratis sein», stellte der Stadtpräsident fest. Die Infrastruktur in Langenthal sieht Müller als gut an, und trotzdem fehlten etwa ein Schwingkeller und eine ganze Dreifachturnhalle. Auch der 70-jährige Rasen der Rankmatte gehörte längst ausgewechselt.

Die Stadionfrage stellt sich in Langenthal schon lange, daher die Frage des Moderators, weshalb etwa das Stadttheater doch relativ schnell realisiert worden ist. Ist Kultur etwa wichtiger als Sport? Müller entgegnet: «Ich störe mich daran, wenn man beides gegeneinander ausspielt.» Beide Bereiche seien wichtig.

Auch Kurt Grossenbacher findet, dass es mehr Zusammenarbeit und Zusammenhalt brauche. Nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern im ganzen Oberaargau. «Daran müssen wir arbeiten. Wir müssen den Leuten klarmachen, dass wir eine Region sind.» Denn bei verschiedenen Gemeinden würden nicht immer alle Beteiligten mitziehen wollen. Grossenbacher ist bei der Aquaarena involviert. Das Hallenbad soll, sobald für vier Millionen Franken renoviert, selbsttragend werden.

Potenzial wäre vorhanden

Einer, der im ganzen Oberaargau investiert, ist Unternehmer Markus Bösiger. Sein neustes Projekt ist der Kiddy Dome in Rohrbach, ein Freizeitpark für Kinder (siehe Artikel rechts). Seine Philosophie: Wenn man etwas in der Region realisieren will, dann muss das Projekt besser sein als alles Bisherige. «Das Potenzial bei uns ist eigentlich viel grösser, aber viele glauben oft nicht daran.» Dabei fände man im Oberaargau optimale Verhältnisse vor – gerade auch mit Blick auf die Verkehrslage.

Zurück zum Eisstadion. Auch wenn die Verhandlungen voranschreiten, spielt der SC Langenthal weiterhin in Schoren. Gian Kämpf sagte, mit dem Standortentscheid des Neubaus werde in der derzeitigen Halle natürlich nicht mehr viel in die Infrastruktur investiert. Einige Anpassungen sind aber nach wie vor dazu nötig, für die Nationalliga tauglich zu sein.

So sind kurz nach dem Länderspiel im April neue Banden montiert worden. Der SCL ist ein passendes Beispiel, wie ein Sportangebot aus einer Gemeinde eine ganze Region bewegen kann. Und bezüglich Überwindung des Gärtchendenkens einzelner Dörfer fügte Reto Müller lachend an: «Wir nehmen sonst auch Fusionen entgegen – am besten mit funktionierender Wasserversorgung.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt