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Längst nicht alle wollen den alten Zopf abschneiden

In Walterswil sprach sich die Gemeindeversammlung konsultativ dafür aus, aus der Genossenschaft des Alters- und Pflegeheims Frienisberg bei Seedorf auszutreten. Dass weitere Gemeinden diesem Beispiel folgen wollen, zeichnet sich nicht ab.

Das Alters- und Pflegeheim Frienisberg hat sich vom Arbeitsheim zum PFlegezentrum gewandelt (Symbolbild).
Das Alters- und Pflegeheim Frienisberg hat sich vom Arbeitsheim zum PFlegezentrum gewandelt (Symbolbild).
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Ein deutliches Ja sieht anders aus: Zwar standen 24 Ja- bloss 7 Nein-Stimmen gegenüber, als der Gemeinderat von Walterswil an der Gemeindeversammlung fragte, ob Walterswil weiterhin Genossenschafter des Alters- und Pflegeheims Frienisberg bleiben soll. 19 Anwesende enthielten sich der Stimme, wie Gemeindeverwalter Fritz Krähenbühl festhält. Sie schwankten wohl zwischen dem Festhalten an einer langen Tradition und dem Abschneiden eines alten Zopfes.

Lang ist die Verbindung der ­Gemeinden aus den ehemaligen Amtsbezirken Trachselwald, Burgdorf und Fraubrunnen zu den Liegenschaften des ehemaligen Zisterzienserkloster bei Seedorf in der Tat. 120-jährig nämlich: 1897 schlossen sie sich zu einer Genossenschaft zusammen, um gemeinsam eine Armenanstalt zu errichten.

Den Frienisberg kauften sie dem Kanton ab. Dieser hatte dort zuvor bereits eine Armenanstalt betrieben, trat nun aber die Aufgabe, für die In­frastruktur der Armenpflege zu sorgen, an die Gemeinden ab.

Mit den heutigen Alters- und Pflegeheimen hatte diese Anstalt jedoch kaum etwas gemeinsam. Statt Pflege stand Arbeit im Vordergrund. Der zum Heim gehörende Gutshof war denn auch lange ein bedeutender Teil des Betriebs.

Eines der ersten Angestelltenverzeichnisse von Ende 1898 zählt auch auf: «2 Meisterknechte, 2 Melker, 1 Karrer, 1 Aufseher, 1 Krankenwärter, 1 Bäcker, 1 Schneider, 1 Schuster, 1 Köchin, 1 Aufseherin, 1 Schweinewärterin». Erst vor drei Jahren wurde der Landwirtschaftsbetrieb vom Heim getrennt und verpachtet.

Ein Platz pro Anteilschein

450 Anteilscheine zu 1000 Franken zeichneten die Gemeinden und sicherten sich mit jedem Schein einen Platz. Ein freies Bett für ihre Angehörige sichert das Heim seinen Genossenschafts­gemeinden auch heute noch zu. Walterswilerinnen und Walterswiler machen davon allerdings schon lange nicht mehr Gebrauch.

Mit der Einführung von AHV/IV und später der Ergänzungsleistungen habe in der Heim­landschaft tatsächlich eine Veränderung begonnen, spricht ­Verwaltungsratspräsidentin Barbara Bohli den offensichtlichen Hauptgrund dafür an. Ganz verschwunden sind Emmentalerinnen und Oberaargauer aus Frienisberg jedoch nicht, wie dem Jahresbericht für 2016 entnommen werden kann: 36 von 220 Betten werden nach wie vor von ihnen belegt.

Aus dem Verwaltungskreis Emmental und der Region Huttwil sind lediglich Sumiswald, Trachselwald, Ersigen und Hasle nicht mehr Mitglied. An die Stelle der Ausgetretenen sind in den letzten Jahren vier Gemeinden aus der Umgebung von Seedorf getreten. Die Geografie führen auch sie als Grund an. Von dort stammen denn auch bereits 32 Pensionäre.

Heim stemmt Neubau selbst

Gegenwärtig stemmt Frienisberg einen 53 Millionen Franken teuren Ausbau. Damit müssen sich die Genossenschaftsgemeinden allerdings nicht herumschlagen: Für die Finanzierung sorgt das Heim selbst.

Teuer kommt die Gemeinden ihre Mitgliedschaft also nicht – viel einsparen lässt sich mit einem Austritt allerdings auch nicht, wie der Walterswiler Gemeindeverwalter einräumt: Was künftig wegfällt, sind einzig das Sitzungsgeld und die Kilometerentschädigung für die Delegierten. Zudem verfällt der Gegenwert der fünf Anteilscheine, die sich ohnehin nicht versilbern ­lassen.

Auch das Präsidium des Verwaltungsrates ist heute aus der Region Seedorf besetzt: Barbara Bohli ist selbst Heimleiterin und wohnt in Lobsigen, einem Ort dieser Gemeinde. Trotzdem betrachte der Verwaltungsrat die Wurzeln des Heims nicht als alten Zopf, betont Bohli. In der anstehenden Strategiediskussion jedenfalls werde die Diskussion dahin laufen, wie man die Genossenschaftsgemeinden trotz geografischer Distanz wieder besser ins Heim einbinden könne, damit sie diesem die Treue halten würden.

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