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Lauter Applaus für zwei stille Schaffer

In der Alten Mühle standen am Mittwochabend Urs Hug und Urs Mannhart im Rampenlicht. Der Künstler und der Schriftsteller durften die Kulturpreise 2017 der Stadt entgegennehmen.

Der Beifall gilt den Preisträgern: Urs Mannhart und Urs Hug (sitzend, zwischen den Laudatoren Andrea Pini Weber und Andreas Jahn).
Der Beifall gilt den Preisträgern: Urs Mannhart und Urs Hug (sitzend, zwischen den Laudatoren Andrea Pini Weber und Andreas Jahn).
Thomas Peter

Er, ein Langenthaler? Dank des Preises fühle er sich nun als Ehrenbürger, sagt Urs Mannhart. Richtige Langenthaler seien aber wohl nur jene nach der Kleinstadt benannten und in dieser spielenden Kapitel in seinem Roman «Bergsteigen im Flachland». Und doch hat ihn der Ort, der ihm vor gut zehn Jahren zum temporären Zuhause wurde, nie mehr ganz losgelassen.

Als Stipendiat der Stiftung Lydia Eymann gelangte der Autor damals nach Langenthal. Schnell wusste er sich im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu integrieren. Und während andere Stipendiaten bald weiterzogen, blieb ausgerechnet der Nomade Mannhart vorerst hängen.

Im realen Leben wie auch in erwähntem Roman, in dem Langenthal immer wieder zugegen ist. Und doch ist der ­42-Jährige Reisender geblieben. Reportagen und Stipendien. Das Glarnerland. China. Paris. Mättenbach bei Madiswil. Und jetzt Iffwil, wo er eine Bauernlehre absolviert. Am Mittwoch aber führte ihn seine Reise einmal mehr nach Langenthal zurück, um in der Alten Mühle einen der beiden diesjährigen Kulturpreise der Stadt entgegenzunehmen.

Die Lust am Schreiben

Urs Mannhart erhalte den Anerkennungspreis «für seine Kunst, das Leben zu beobachten und seine Sicht der Dinge in literarisches Erzählen zu fassen», hatte die Stadt schon im Sep­tember informiert. Als «Reporter im Sinne des Wiederhertragens» würdigte ihn am Mittwochabend Kultur­kommissionsmitglied Andreas Jahn. Als einen, der die Lust am Schreiben selber feiere.

Das Schreiben sei eine Bahnfahrt, habe Mannhart einmal gesagt. Eine Aussage, die der Germanist und Kulturvermittler Jahn nur zu gern aufgriff. «Bei ihm kann der Zug stillstehen, aber der Text fährt immer weiter», führte er aus. Und das Faszinierende sei, dass der Leser immer einsteigen könne.

Objekte, die verblüffen

Immer weiter geht das Schaffen auch beim zweiten Preisträger des gestrigen Abends, Urs Hug. Der 67-jährige Künstler wurde wie Mannhart ebenfalls mit dem Anerkennungspreis ausgezeichnet. «Für seine eigenständige Art, einen stillen Dialog mit seiner Kunst zu führen», wie die Stadt im Herbst informiert hatte.

Wie leise und zugleich wertvoll für das kulturelle Leben dieser Dialog ist, verdeutlichte in ihrer Laudatio gestern Kulturkommissionsmitglied Andrea Pini Weber. Seit den 1980er-Jahren in Bützberg daheim und seit mehr als zwanzig Jahren als Grafiker und Inhaber der Firma P’inc in Langenthal erfolgreich, möge Urs Hug dem einen oder anderen doch ein Unbekannter sein, stellte sie einen Künstler vor, der «nicht den grossen Auftritt, und schon gar nicht Publicity» suche.

So sind seine Ausstellungen selten – erste gab es erst 2004 – und seine Ar­beiten von der einen zur anderen so verschieden, dass eine klare Handschrift kaum erkennbar ist. «Urs Hug passt in keine Schub­lade. Er erfindet sich immer wieder neu», verwies die Laudatorin auch auf seinen ungewöhnlichen Werdegang. Hug führte bereits ein florierendes Grafikatelier, als es ihn fortzog, anderes zu machen. Im Tessin renovierte er nun Häuser. Eine Leidenschaft, die ihn schliesslich nach Bützberg führte und die ihm geblieben ist.

2001 kaufte er die ehemalige Schreinerei am Langenthaler Mühleweg, die er seither laufend weiter re­noviert. Ein Ort der Kunst und Gesamtkunstwerk zugleich, das sich immer weiter entwickeln können soll. Mal säumten Schaufeln das Haus Urshug, mal war es das erste und letzte je auf der Langete abgelegte Segelschiff, das dort die Blicke der Passanten auf sich zog. «Urs Hug schafft Ob­jekte, die uns verblüffen und zum Dialog aufrufen», würdigte An­drea Pini Weber sein Werk.

Hug wusste sich auf seine Art für die Auszeichnung zu bedanken: still, mit einem gezeichneten «geDanke».

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