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Live-Literatur statt Deutschaufsätze

Im Rahmen des Poetry-Slam-Projekts Slam@School haben Schüler aus fünf Berner Gemeinden über Wochen an ihren Texten gefeilt. Die besten acht lasen nun am Dienstagabend in Langenthal um den Sieg.

Sie hat vom Lampenfieber erzählt: Slam-Poetin Leonie aus Lotzwil.
Sie hat vom Lampenfieber erzählt: Slam-Poetin Leonie aus Lotzwil.
Beat Mathys

Auf der Bühne des Old Capitol in Langenthal ist am Dienstagabend, kurz vor sieben Uhr, bereits zu lesen, was die zahlreichen Besucherinnen und Besucher gleich erwartet: «Poetry-Slam». Vor den grossen orangen Leuchtlettern steht, fast ein bisschen verloren, ein einzelnes Mikrofon.

Hier werden gleich acht Oberstufenschülerinnen und -schüler aus vier Berner Gemeinden ihre selbst geschriebenen Slam-Texte vorlesen. Im Publikum sitzen vor allem Mitschüler, Eltern, Freunde und Lehrer der Lesenden; aufgeregtes Getuschel erfüllt das Kulturlokal.

Einfache Regeln

Im Rahmen der vierten Auflage von Slam@School sind die acht Texte entstanden. Das Projekt wird seit 2013 im Auftrag der Erziehungsdirektion des Kantons Bern von einem Team erfahrener Spoken-Word-Poeten und Kulturschaffender rund um Tina Messer, Valerio Moser und Remo Rickenbacher durchgeführt.

Die Dichterinnen und Dichter besuchten die teilnehmenden Klassen der fünf Schulen während viermal drei Lektionen und arbeiteten mit den Lernenden an Text und Performance – von den ersten Fragen, wie zum Beispiel wie man überhaupt ein Thema wählt, bis zur Präsentation vor der ganzen Klasse und Schule.

Dieses Jahr wurden dafür die Gemeinden Lotzwil, Niederscherli, Thun, Heimisbach und Langnau ausgewählt. Den Veranstaltern ist es wichtig, dass auch immer wieder ländliche Gebiete teilnehmen können, wo es sonst nicht so viele Projektangebote gibt.

Die Regeln beim grossen Finale sind einfach: Selbst geschrieben müssen die Texte sein und nicht länger als sechs Minuten dauern. Ausserdem dürfen keine Requisiten benutzt werden, und es darf nicht – oder zumindest nicht überwiegend – gesungen werden. Jeder Text wird von einer sechsköpfigen Jury, die an diesem Abend zufällig aus dem Publikum ausgewählt wird, bewertet. Wer die meisten Punkte bekommt, hat gewonnen.

Während einer guten Stunde lesen die Jugendlichen, mal auf Hochdeutsch, mal auf Schweizerdeutsch, um den Sieg. Dabei kommt eine ansehnliche Vielfalt verschiedener kreativer und allesamt sehr unterhaltsamer Ideen zusammen: Da gibt es den mit charmanter Nüchternheit vorgelesenen Text von Leonie aus Lotzwil übers Lampenfieber und die Unlust, überhaupt vor so einem grossen Publikum zu stehen.

Oder eine munter durchperformte Fabel vom einsamen, asozialen Fussball auf der Suche nach Freunden. Poet Raffael trägt die Reflexionen eines Sims aus dem gleichnamigen Computerspiel vor, der, von der ewigen Fremdbestimmtheit genervt, aus dem Spiel ausbrechen will. Danach werden von Julie die Geschehnisse eines Tages fast nur in Songzitaten und -anspielungen erzählt. Und Ivan schildert einen Zahnarztbesuch so amüsant, dass man trotz des eigentlich unangenehmen Themas gerne zuhört.

Der sechste Text von Noah aus Langnau, der später zum Gewinner gekürt wird, handelt vom Berufs- und Privatleben eines Busses, der den Job als Moonliner satthat – denn der ist zwar aufregend, aber auf Dauer einfach zu anstrengend und dreckig. Die nächste Slam-Poetin gewährt einen Einblick in den Entstehungsprozess der Texte, berichtet nachfühlbar vom Ringen um Worte beim Schreiben.

Der letzte Text erzählt schliesslich wortspielerisch die Geschichte vom Ei, das auf grosse «R-Ei-se» zum «Ei-ffelturm» geht. Zwischendurch werden die Dichterinnen und Dichter immer wieder mit herzlichem Applaus belohnt. Moderiert wird der Abend souverän und charmant von den beiden Slam-Poeten Valerio Moser und Remo Rickenbacher.

Kein Whisky

«Das Projekt war sehr eindrücklich», sagt eine Lehrerin aus Langnau, «denn viele Schülerinnen und Schüler, die sonst im Deutschunterricht eher nicht so stark sind, sind richtig aufgeblüht».

«Es ist immer wieder spannend, zu sehen, wie viele unterschiedliche Ideen die Jugendlichen haben.»

Valerio MoserSlam-Poet

Auch Valerio Moser ist zufrieden mit dem Projekt. «Es ist immer wieder spannend, zu sehen, wie viele unterschiedliche Ideen die Jugendlichen haben und was sie beschäftigt», sagt der Langenthaler.

Den traditionellerweise bei Poetry-Slams verliehenen Preis einer Flasche Whisky, die nach dem Wettbewerb mit den anderen Teilnehmenden geteilt wird, gibt es für die Schülerinnen und Schüler indes natürlich nicht; stattdessen dürfen sich die vier, die es aufs Podest schafften, über Büchergutscheine freuen.

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