Mehr Schutz für die Wässermatten

Den Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft im Oberaargau wird künftig eine kantonale Überbauungsordnung regeln. Ein Entwurf geht im Frühjahr in die Mitwirkung.

Diese Aktion schlug Wellen: Bauer Franz Wächli bespritzte seine Wässermatte im April 2015 mit Gift.

Diese Aktion schlug Wellen: Bauer Franz Wächli bespritzte seine Wässermatte im April 2015 mit Gift.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

Nicht ausreichend entschädigt werden sie, die Bewirtschafter der Wässermatten. Dagegen protestierte Bauer Franz Wächli öffentlichkeitswirksam, als er im April 2015 Abbrennmittel auf einen Teil seiner Wässermatten unterhalb von Lotzwil spritzte und später die geschützten Flächen mit Mais bepflanzte.

Er löste eine breite Diskussion aus, die zu einem Konsens führte: Die Wässermatten sollen als Kulturgut erhalten und deren Bewirtschafter fair entgolten werden dafür, dass sie die Matten als Dauergrünland pflegen. Das Kantonsparlament sprach fünf Monate nach Wächlis Aktion einen Kredit von 3,75 Millionen Franken für die Sanierung der Wässermatten-Stiftung, verfügbar in 15 Jahren. Die Stiftung, welche die Landwirte bis dahin lediglich aus den Zinserträgen ihres Vermögens entschädigt hat, hatte damals noch etwas mehr als 8 Millionen Franken auf der hohen Kante. Seither werden die Entschädigungen aus dem Stiftungsvermögen entnommen.

Was erlaubt ist und was nicht

Gleichzeitig fasste die Justiz-. Gemeinde- und Kirchendirektion den Auftrag, eine kantonale Überbauungsordnung zu erarbeiten. Sie soll dafür sorgen, dass die Wässermatten in allen Gemeinden auf dieselbe Weise geschützt werden und verbindlich festhalten, welche Art der Bewirtschaftung erlaubt ist – und welche nicht.

Die Arbeiten an diesem Regelwerk sind seit letztem Herbst unter der Federführung des Amts für Gemeinden und Raumordnung im Gange. Im November fand eine erste Sitzung statt. Gestern nun wurde ein erstes Faktenblatt an Bewirtschafter, Grundeigentümer, Gemeinden, die Mitglieder der Wässermattenstiftung sowie die Mitglieder der Projektorganisation verschickt. Dessen Inhalt: der aktuelle Konsens, die vorgesehenen Änderungen und der jeweilige Stand, die Anliegen, die Akteure sowie das weitere Vorgehen.

Öffentlich im Herbst

So soll im Frühjahr ein Entwurf der kantonalen Überbauungsordnung in Mitwirkung gehen. Der Zeitplan sieht weiter vor, dass sie im Herbst öffentlich aufgelegt wird. Dann werden Einsprachen möglich sein. Anfang 2018 soll die Regierung das Regelwerk genehmigen.

Daran arbeiten derzeit Vertreter der Wässermatten-Stiftung sowie der Region Oberaargau mit. Eine Gruppe aus Vertretern der Grundeigentümer, Bewirtschafter und Gemeinden begleitet sie. Das Gremium besteht aus SVP-Grossrätin und Wässermatten-Eigentümerin Käthi Wälchli (Obersteckholz), die auch Vizepräsidentin der Region Oberaargau ist; SVP-Grossrat und Alt-Stapi Thomas Rufener, Präsident der Planungskommission der Region Oberaargau, dem Lotzwiler Gemeindepräsidenten Markus Ott, Peter Zulauf-Iff (Rohrbach),Präsident des Wässermattenvereins Langetental, sowie dem Roggwiler Landwirt und Gemeinderat Adrian Glur.

Das breite Interesse am Erhalt der Matten, der Einbezug der Grundeigentümer und Wässerbauern sowie die Bedingung, dass die Überbauungsordnung «das Interesse der Bewirtschaftenden an einem ungeschmälerten Einkommen nicht ohne Prüfung einem höheren öffentlichen Interesse unterordnen soll»: Damit sind die Anliegen benannt.

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