Musik Oberbipp im Wandel

Oberbipp

Die Musik Oberbipp hat ihre traditionelle Blasmusikuniform an den Nagel gehängt. Mit dem Wechsel zum lockeren Tenü hat der Verein einen der letzten Schritte hin zur Big Band vollzogen.

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Béatrice Beyeler

Bei der Musik Oberbipp ist alles etwas anders als bei traditionellen Dorfmusikvereinen. Eric Schrag etwa nennt sich nicht Dirigent, sondern Bandleader. Einen Taktstock sucht man in seinen Händen vergebens. Märsche und Polkas hat der Verein längst aus seinem Repertoire verbannt, stattdessen ertönen an den Konzerten Klänge aus den Sparten Pop, Rock und Jazz. An Musiktagen und kantonalen Musikfesten nehmen die Oberbipper schon seit Jahren nicht mehr teil.

Und seit dem Jahreskonzert vom Samstagabend treten die 24 Musikantinnen und Musikanten nicht mehr in einer traditionellen Blasmusikuniform auf, sondern in einem lockereren Outfit: schwarze, gepflegte Kleidung, gespickt mit türkisen Accessoires. Ueli Bürki, Präsident der Musikkommission (Muko), hat sich sogar extra eine Brille in dieser Farbe zugelegt. Für die Konzertbesucher war die neue Kleidung eine Überraschung, hatten die Musiker im Vorfeld doch penibel darauf geachtet, dass keine Details das Probelokal verliessen.

Gewöhnungsphase nötig

«Es war der nächste logische Schritt», erklärt Präsidentin Susanna Bürki den Tenüwechsel. Da die 190-jährige Musik Oberbipp schon seit gut zehn Jahren als Big-Band-Formation auftrete, habe die traditionelle Uniform mit dem Kittel, dem Borsalino-Hut und dem glänzenden Gilet einfach nicht mehr gepasst. Im Verein sei der Vorschlag des Vorstandes denn auch gut angekommen, ergänzt Beisitzern Anita Jeker.

An den Wandel von der Blasmusik zur Big Band mussten sich die Oberbipperinnen und Oberbipper allerdings erst gewöhnen. Der Verein sei dankbar für die Unterstützung im Dorf, zumal eine Veränderung nie alle zu begeistern vermöge, sagt Kommissionspräsident Ueli Bürki. Der Tenorsaxofonist ist massgeblich an der Neuausrichtung des Vereins beteiligt, die durch den Mitgliederschwund ihren Anfang genommen hat. «Diejenigen, die Märsche und Polkas hören wollen, kommen leider nicht mehr an unsere Konzerte», sagt er. Das Publikum habe sich gewandelt.

Auch in den eigenen Reihen kam es zu Abgängen, weil einige Musikanten Mühe mit dem neuen Stil bekundet hatten. Dafür sind inzwischen neue Mitglieder dazugestossen. Und andere halten dem Verein gar die ewige Treue. Etwa der 94-jährige Hans Anderegg, der seit 1939 Mitglied ist und schweizweit als ältester Aktivmusikant gilt. Noch heute lässt der Posaunist keine Probe aus.

«Wir hoffen auf weitere Neumitglieder. Zurzeit können wir nur auftreten, wenn wir wirklich vollständig sind», sagt Präsidentin Susanna Bürki. Was aber auch den Vorteil habe, dass die Truppe stets vereint unterwegs sei.

Vier Klarinetten, fünf Saxofone, vier Posaunen, vier Trompeten und ein Perkussionsregister samt Keyboard und E-Bass zählt der Verein gegenwärtig. Hinter den Instrumenten ist inzwischen doch das eine oder andere neue, junge Gesicht auszumachen.

Zuletzt der Name

Bandleader Eric Schrag, der den Verein seit fünf Jahren leitet, freut sich über die wachsende Experimentierfreudigkeit seiner Musikanten. So trauen sich die Solisten etwa vermehrt, auswendig zu spielen. «Die Leute wollen weiterkommen, es ist eine gute Gruppendynamik entstanden», sagt Schrag. Und das sei doch – nebst dem geselligen Aspekt – das Hauptziel eines jeden Musikvereins: gute Auftritte abliefern zu können.

«Umso besser, wenn es dann noch dem Publikum gefällt», so der Bandleader weiter. Die Vorstandsmitglieder sind guter Dinge, dass sie die Oberbipper Bevölkerung als Big Band doch noch vollends werden begeistern können. Möglicherweise schon bald mit einem neuen Namen. «Das wäre dann der letzte Schritt», sagt Präsidentin Susanna Bürki. Eine konkrete Idee stehe derzeit aber noch nicht im Raum. Zuerst freuen sich die Musikanten nun über ihr neues Tenü.

Berner Zeitung

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