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Nach fast 90 Jahren ist Huttwil wieder in Bern vertreten

Der Oberaargau war 8 Jahre lang nicht mehr im Nationalrat vertreten. Die Huttwiler Durststrecke war um einiges länger.

Huttwil hatte bis heute nur zwei Nationalräte: Jakob Leuenberger-Ryser (links) und Fritz Minger.
Huttwil hatte bis heute nur zwei Nationalräte: Jakob Leuenberger-Ryser (links) und Fritz Minger.

Was der Oberaargau erst in den letzten Jahren kennen lernte, ist in Huttwil, wo der neue Nationalrat Adrian Wüthrich wohnt, sozusagen der Normalzustand: Nur von 1911 bis 1919, von 1922 bis 1925 und von 1927 bis 1931 hatte das Zentrum des oberen Langetentals einen Vertreter in der grossen Kammer im Bundeshaus.

1848 wurde die moderne Schweiz geschaffen. 32 Nationalräte sandte der heutige Oberaargau seither nach Bern. Bis 1995 war er dort regelmässig vertreten, dann erlebte der Landesteil erstmals 4 Jahre ohne Nationalrat, bis der Langenthaler Industrielle Johann Niklaus Schneider-Ammann 1999 gewählt wurde. Seit dessen Wahl in den Bundesrat im Jahr 2010 dauerte die Zeit ohne Vertretung im Nationalrat nun doppelt so lange.

Nummer 33

Adrian Wüthrich ist der 33. Nationalrat aus dem Oberaargau und der sechste Sozialdemokrat. Die ersten Vertreter dieser Partei waren die beiden Ärzte August Rickli aus Langenthal (1908–1918) und Hermann Brand aus Melchnau (1917–1919). Es folgten der Roggwiler Lehrer Fritz Meyer (1942–1954), der Regierungsstatthalter des Amtsbezirks Aarwangen. Emil Schaffer (1962–1979) und Kurt Meyer, der Sohn von Fritz Meyer sowie Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kantons Bern (1983–1987).

Nur 2 der 32 Volksvertreter aus dem Oberaargau waren Huttwiler: der Arzt Fritz Minder und der Unternehmer Jakob Leuenberger-Ryser.

Die Minder-Ära

Fritz Minder (1864–1932) war Arzt und eine Zeitlang Assistent des berühmten Berner Chirurgen Theodor Kocher. Ab 1890 wirkte er in Huttwil. 1892 half er den Samariterverein Huttwil gründen. Er gehörte zu den Initianten des in den Jahren 1902/1903 errichteten Bezirksspitals Huttwil, dessen Leitung er in der Folge übernahm.

Als 25 Jahre später ein Neubau nötig wurde, wirkte er auch dabei an leitender Stelle mit. Neben dem alten und dem neuen Spital prägte Fritz Minder zwei weitere Werke in Huttwil entscheidend mit: Als Mitglied der Sekundarschulkommission leitete er den Bau des 1914 bezogenen Sekundarschulhauses an der Hofmattstrasse in die Wege.

Von 1918 bis 1926 präsidierte er die Wasserversorgung in einer Zeit, in der grosse Ausbauvorhaben realisiert wurden. Auch Verkehrsfragen fanden seine Aufmerksamkeit, unter anderem war Minder Staatsvertreter im Verwaltungsrat der Huttwil-Wolhusen-Bahn.

1910 bis 1914 vertrat er den Wahlkreis Huttwil im Grossen Rat, 1911 wurde er als Nachfolger seines Sumiswalder Berufskollegen Adolf Müller in den Nationalrat gewählt, dem er bis 1919 an­gehörte. Dort setzte er sich unter anderem für die Revision der Fabrikgesetzgebung, für gesetzliche Massnahmen gegen die Tuberkulose und für die Forderungen der öffentlichen Hygiene ein.

Aus Huttwil nach Bern Jakob Leuenberger-Ryser (1861-1948) war Unternehmer. 1890 gründete er in der Walke ein bescheidenes Strickwarenunternehmen. Daneben arbeitete er als Buchhalter der Ersparniskasse Huttwil. Er erkannte als einer der Ersten die Möglichkeiten der damals aufkommenden mechanischen Strickerei und erschloss neue Absatzgebiete in Italien und England. Dies erlaubte Leuenberger-Ryser, 1898 eine neue Fabrik auf der Hub zu errichten, die rasch zu einem kleinen Industriequartier heranwuchs (heute Strickwarenfabrik Frilo).

Nach Jahren der Krise in der Huttwiler Gemeindepolitik wurde ihm 1915 das Amt des Gemeinde- und Gemeinderatspräsidenten anvertraut, das er während 14 Jahren innehatte. 1918 wurde er in den Grossen Rat gewählt, dem er bis 1929 angehörte. 1922 erfolgte die Wahl in den Nationalrat. Bis 1931 wirkte er mit einem Unterbruch von 1925 bis 1927 als eidgenössischer Parlamentarier. In Huttwil präsidierte Leuenberger-Ryser während 15 Jahren den Verwaltungsrat der Spar- und Leihkasse (heute Bank in Huttwil). Schliesslich trat er als Wohltäter im Sozial- und Gesundheitswesen auf: Er schenkte dem Bezirksspital Huttwil das Areal für den Neubau von 1929. Das alte Spitalgebäude erwarb er und vermachte es dem Verein für das Alter des Amtes Trachselwald, der darin das Altersheim Sonnegg einrichtete.

jr

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