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Nicht der erste Streit im Steckholz

Schon im 16. Jahrhundert sorgte das Wasser für Zoff auf den ehemaligen Klosterhöfen. Schlichten musste damals der Abt von St. Urban.

Kathrin Holzer
Die Urkunde aus dem Jahr 1566 belegt einen Wasserstreit zwischen den ­Höfen Steckholz und Sängi.
Die Urkunde aus dem Jahr 1566 belegt einen Wasserstreit zwischen den ­Höfen Steckholz und Sängi.
Staatsarchiv Bern/zvg

«Streit um Wasser im Wasserland Oberaargau hat offenbar Tradition», schliesst der Langenthaler Stadtchronist Simon Kuert aus seinem Fund, den er unlängst im Berner Staatsarchiv gemacht hat. Die Urkunde aus dem Jahr 1566 besiegelt einen Streit zwischen zwei Brüderpaaren aus dem Steckholz, das nach der Gründung des Klosters St. Urban aus den fünf Klosterhöfen Kleinroth, Sängi, Steckholz, Habcherig und Engelsbühl hervorgegangen war. Eine Unterteilung in Unter- und Obersteckholz gab es seinerzeit noch nicht – wenn auch die Höfe des unteren Teils nach der Reformation zur Kirchgemeinde Langenthal und jene des oberen zur Kirchgemeinde Lotzwil ge­hörten.

Anspruch seit Generationen

Nun war es also zum Streit gekommen zwischen jenen zwei Brüderpaaren Lyso (später Leisi) im Hof Steckholz und Grag (später Grogg) im Hof Sängi. «Offenbar floss von der Quelle im Steckholz zuweilen zu wenig Wasser in den Hausbrunnen in der Sängi», erklärt der Stadtchronist. Grags hätten deshalb beim Gericht ­Langenthal geklagt. «Sie argumentierten, ihnen stünde seit Generationen das Quellwasser zu», sagt Simon ­Kuert. Doch die Brüder Lyso hätten diesen Rechtsanspruch be­stritten.

Christlich zusammenleben

Das Gericht Langenthal sei gemeinsam vom Landvogt von Wangen als Vertreter des Landesherrn und vom Abt von St. Urban mit Gerichtssässen aus dem Bezirk besetzt worden, weiss Kuert. Bei Streitigkeiten zwischen Familien im Steckholz habe in der Regel der Abt von St. Urban als Grundherr die Rolle des Schiedsrichters übernommen. So auch in besagtem Wasserstreit, bei dem der damalige Abt Jakob Kündig den Vorsitz hatte. Die Urkunde belegt: Kündig schlichtete den Streit mit der Forderung nach einem christlichen Zusammen­leben unter Nachbarn. Unter Auferlegung eines kleinen Zinses durften die Brüder Grag so auch weiterhin Wasser aus der Quelle der Brüder Lyso beziehen.

Aber nicht nur Wasser sorgte schon vor Jahrhunderten für dicke Luft im Steckholz, wie der Stadtchronist an einem weiteren Beispiel aufzeigt: «Ein ähnlicher Streit entwickelte sich 150 Jahre später 1715 zwischen den Steckholzern und den Bewohnern der Siedlung Kleinroth. Es ging um die Nutzung von Land eines urbar gemachten Wäldchens und um die Nutzung von Holz im Rotwald», weiss Kuert. Auch damals musste das Gericht Langenthal schlichten. Das belegt eine Urkunde, die sich heute im Stadt­archiv befindet.

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