Rote Köpfe wegen des gelben Riesen

Bützberg

Die Post will ihre Filiale in Bützberg schliessen und durch eine Agentur in der Bäckerei Felber ersetzen. In der Bevölkerung kommt dieser Schritt nicht gut an.

In der Bäckerei Felber, schräg gegenüber des aktuellen Standorts, soll die neue Agentur Platz finden.

In der Bäckerei Felber, schräg gegenüber des aktuellen Standorts, soll die neue Agentur Platz finden.

(Bild: Raphael Moser)

Sebastian Weber

«Ich habe viel Herzblut gespürt», meinte Bernhard Büchler, der Leiter Region Mittelland, zum Schluss der Veranstaltung. Es war dies eine vorteilhafte Umschreibung dessen, was ihm und seinen Kollegen von der Post am Dialoganlass in der Mehrweckhalle entgegengeschlagen ist. Spüren liessen ihn die Kunden vor allem Verärgerung und Enttäuschung. Darüber, dass der gelbe Riese seine Filiale in Bützberg schliesst und seine Dienstleistungen neu über eine Agentur anbietet: in der Bäckerei Felber an der Bernstrasse, schräg gegenüber der heutigen Poststelle.

Ganz unerwartet dürften die vielen Emotionen für die Vertreter der Post nicht sein. Hatte doch der Gemeinderat im Vorfeld seine Bürger in einem Flyer darüber informiert, dass er keine einvernehmliche Lösung mit der Post gefunden hat (siehe Ausgabe vom Donnerstag). Und wie angekündigt blieb die Exekutive der Veranstaltung fern. «Für uns ist das kein Problem», meinte Büchler vor versammelter Menge. Es stehe dem Gemeinderat frei, sich nicht zu Wort zu melden. Schliesslich sei es eine Veranstaltung der Post. «Wir sind es, die letztlich den Entscheid fällen, das ist klar.» Nicht zum letzten Mal an diesem Abend ging ein Raunen durch die gut besetzten Reihen. 

Keine Einzahlungen mehr

Die Vertreter der Post waren in der Folge bemüht darum, aufzuzeigen, weshalb der Schritt aus wirtschaftlicher Sicht nötig, ja geradezu zwingend ist: Die Zahl der Geschäfte, die am Postschalter erledigt würden, sei seit vielen Jahren rückläufig. Da bildet auch Bützberg keine Ausnahme. In den letzten acht Jahren wurden dort an einem durchschnittlichen Tag 11 Prozent weniger Einzahlungsbelege, 23 Prozent weniger Sendungsabholungen und 20 Prozent weniger Briefe gezählt als früher. Nur bei der Paketpost wird kein Abwärtstrend ausgemacht. Im Vergleich mit den umliegenden Filialen sei die Nutzung zu gering, stellte Urs Krattiger von der Netzentwicklung der Post fest.  Die Filiale sei defizitär.

Er und Büchler versuchten vor allem aufzuzeigen, dass die Befürchtungen, das Angebot könnte nun massiv eingeschränkt werden, unberechtigt sind. So sollen mit der Agenturlösung zum Beispiel weiterhin Barauszahlungen getätigt werden können, neu einfach mit einer Beschränkung auf bis zu 500 Franken. Und das Angebot mit den Postfächern wird zwar verkleinert, soll aber bestehen bleiben. Einzig Bareinzahlungen könnten über die Agentur nicht angeboten werden. Er liess keine Chance aus, um die Vorzüge der neuen Lösung zu betonen: «Die Öffnungszeiten werden sich verdoppeln.»

Parkieren als Problem

Bei der Zuhörerschaft, die mehrheitlich älteren Jahrgangs war, stiessen die Vertreter der Post mit ihren Argumenten jedoch auf wenig Verständnis. 47 Jahre lang sei er Kunde der Post gewesen, liess ein Votant in der Fragerunde wissen. Das sei nun vorbei.

Mit diesem Vorgehen schafft sich die Post selbst ab.»Votant

So laut, wie er sprach, hätte er auf das Mikrofon getrost verzichten können. Er war nicht der Einzige, der an diesem Abend der Post die Treue kündigte und seinem Ärger Luft verschaffte. Er habe jetzt genug lange gesprochen, unterbrach einer der Anwesenden Bernhard Büchler bei einer seiner Ausführungen. «Mit diesem Vorgehen schafft sich die Post selbst ab.»

Für Unverständnis sorgte besonders die Aussage, dass der Schalter in Bützberg zu wenig genutzt wird. «Die Poststelle ist meistens sehr belebt», sagte eine Frau aus dem Ortsteil Thunstetten. Mehrere Anwesende bestätigten dies. Gleich eine ganze Reihe von Votanten brachte zudem das Parkplatzproblem vor dem Felber zur Sprache. Dort gebe es schon jetzt zu wenig Parkmöglichkeiten. Zudem handle es sich um einen Hotspot, der auf dem Schulweg liege und somit grosses Gefahrenpotenzial berge. «Das Parkplatzproblem ist Sache der Gemeinde», entgegnete Büchler.

Nicht verifizierbare Zahlen

Dem widerspricht einen Tag später Gemeindepräsident Beat Siegrist (SP). Das Parkplatzproblem müsse die Post gemeinsam mit der Bäckerei Felber in Angriff nehmen. «Wir können aktuell keine Lösung aus dem Hut zaubern.»

«Die Post hat dem Gemeinderat Zahlen vorgelegt, die wir nicht verifizieren können.»Beat Siegrist, Gemeindepräsident (SP)

Das Gemeindeoberhaupt kann den Ärger seiner Mitbürger verstehen: Der Post gehe es offenbar nur noch um die Gewinnoptimierung, der Service-public-Gedanke sei verloren gegangen. Siegrist bezweifelt ebenfalls, dass der Schalter in Bützberg zu wenig genutzt wird. Im Gegenteil: Dieser werde sehr gut frequentiert. «Die Post hat dem Gemeinderat Zahlen vorgelegt, die wir nicht verifizieren können.» 

Die Eröffnung der neuen Agentur war für diesen Herbst vorgesehen. Weil aber der politische Prozess noch nicht abgeschlossen sei, werde dieser Termin vermutlich verschoben werden müssen, sagt Krattiger. Der Gemeinderat behält es sich vor, sich an die Postcom, die eidgenössische Postkommission, zu wenden. Realistisch sei eine Eröffnung 2020.

Langenthaler Tagblatt

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