Schnäppchen und kulturelle Häppchen zu nächtlicher Stunde

Am Freitag fand in Langenthal die Kulturnacht statt. Damit wollten die fünf Häuser der regionalen Kulturkonferenz auch Danke sagen.

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Ein Zufall, aber ein passender: Die Kulturnacht fand gestern Freitag ebenso statt wie die Parlamentsversammlung des Gemeindeverbands Kulturförderung Oberaargau. Letztere gab grünes Licht für die neuen Leistungsverträge mit den fünf Langenthaler Kulturhäusern. Diesen wird mit dem Entscheid weitere finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt (siehe Artikel rechts).

Am Abend konnten die Kulturhäuser sodann beweisen, dass das Geld, das aus den Oberaargauer Gemeinden nach Langenthal fliesst, sinnvoll eingesetzt wird. Als ein Zeichen des Dankes konnte das vielfältige Programm denn auch aufgefasst werden.

Letzter Gang durchs Theater

Lanciert wurde die zwölfte Ausgabe der Kulturnacht im Stadttheater. Dort erwarteten die Besucher statt kulturellen Häppchen jedoch eher unzählige Schnäppchen. Ein Flohmarkt mit rund tausend Artikeln lockte Interessierte auf einen letzten Gang durch das hundertjährige Gebäude. Scheinwerfer, Biergläser, Vorhänge – möglichst alles soll verkauft werden, bevor das Theater zwischen Juni 2016 und Herbst 2017 saniert wird.

Der Flohmarkt lockte ordentlich Leute ins Theater – auf den Sesseln im Saal waren in den letzten Jahren bisweilen nicht mal halb so viele Menschen auszumachen. Unter den Schnäppchenjägern befand sich auch Marianne Hauser Haupt. «Das Programm der Kulturnacht ist so reichhaltig – ich kann gar nicht alle Darbietungen besuchen», stellte Langenthals Kulturbeauftragte fest.

Viele der Besucher, vor allem auch jene älteren Jahrgangs, entschieden sich für den Sketch «Stromusfau oder e Gmeindspresidänt i Nöte» im Museum. Peter Graber sah sich in diesem in der Person des Jakob Käser, dem Gemeindepräsidenten von Melchnau, manch brenzliger Situation gegenüber: ein entflohener Köter, ein Neugeborenes ohne Vater und ein wegen eines siebenminütigen Stromausfalls erboster Bürger. Da kommt auch der ruhigste Gemeindevorsteher irgendwann ins Schwitzen.

Mit deutlich weniger Publikum, dafür mit umso mehr Lautstärke und Rock and Roll ging es im Treppenhaus des Kunsthauses weiter. Die Band Antenna Tony Monorail bot zum Tanz. Und wie erst: Die Altrocker von The Who hätten hier ihre wahre Freude gehabt. Folk, Blues, Avant­garde, Rock – die Musiker aus ­Basel würfelten munter durch­einander und verpassten ihrer Musik mit einer Maultrommel einen ganz eigenen Stil.

Gleichenorts bot Slam-Poet Valerio Moser vergnügliche Ein­blicke in die Welt der künstlichen Intelligenzen. Der Langenthaler interagierte vor zahlreichen Kunsthausbesuchern an seinem Computer mit den unterschiedlichsten Bots, flirtete mit diesen sogar mittels Shakespeare-Zitaten und musste letztlich doch erkennen: So richtig bereit für uns sind diese Roboter noch nicht. Oder wir für sie?

Magnet Regionalbibliothek

Dass es sich bei den Aufführungen in der Regionalbibliothek lohnt, früh vor Ort zu sein, hat sich wohl seit dem letzten Jahr rumgesprochen: Bereits zwanzig Minuten vor Beginn der Theateraufführung «Die graue Spinne» waren etliche Plätze in der Aula besetzt. Die Wartenden wurden mit einer erfrischenden und unerwarteten Darbietung belohnt. So eine Überraschung hatte sich Pancetta (Eveline Dietrich) wohl auch von ihrem Göttergatten Jobert (Robert Stofer) gewünscht, freute sie sich doch auf ein Konzert ihres Traummannes, keinem geringeren als Kuno Lauener. Doch Jobert hatte den Wink mit dem Zaunpfahl wohl nicht mitbekommen und schenkte seiner «Panschetta» stattdessen einen Theaterabend zu Gotthelfs «Schwarzer Spinne».

Im Anschluss unterhielt der Emmentaler Slam-Poet und Liedermacher Peter Heiniger, begleitet von Nik Menz am Schlagzeug, das vornehmlich ältere ­Publikum in der Bibliothek mit derben Texten und Erinnerungen an seine Kindheit auf einem Emmentaler Bauernhof.

Süsser Duft im Chrämi

Wie jedes Jahr lockte auch das Chrämi mit einem unterhaltsamen Programm, darunter bekannte Namen wie jener des Singer-Songwriters Hank Shizzoe. Das Liedermacherduo Bastler und Grautier, bestehend aus dem Langenthaler Fäbu de Rölli und dem Winterthurer Jan Bastler, besang Abgründe wie die Einsamkeit des Indivi­duums angesichts der existenziellen Bedrohung. Beim Lauschen der Melodien fiel der verdächtig süssliche Duft, welcher durch das Chrämi zog, kaum auf.

bey/swl/paj/BZ

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