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Schuhwichser wird Global Player

Die Motorex feiert ihr 100-jähriges ­Bestehen. Die Vergangenheit des Familienunternehmens ist turbulent, die Zukunft ­verspricht rasant zu werden.

Feiern mit Einstein: Peter und Monique Regenass-Bucher, Edi Fischer (v. l.).
Feiern mit Einstein: Peter und Monique Regenass-Bucher, Edi Fischer (v. l.).
Olaf Nörrenberg

Als anderswo in Europa Bomben fallen und Mörsergranaten in Schlachtfelder einschlagen, öffnet in Bützberg ein kleiner Betrieb für Lederpflege seine Türen. Es ist das Jahr 1917. Auf den kaum asphaltierten Strassen im Mittelland ist gutes Schuhwerk wichtig, zumal die meisten Leute bloss ein einfaches Paar Lederschuhe besitzen.Die Familien Bucher und Jenzer denken sich, ein Geschäft für Schuh- und Bodenwichse sei die Lösung, um finanziell über die Runden zu kommen.

An Wochenenden stellen sie über dem Holzfeuer ihre Wichse her, erfreuliche 400 Kilo im ersten Jahr, unter der Woche bringen sie diese zu Fuss oder mit dem Velo zum Kunden. 1920 stösst Arnold Bucher dazu. Die Marke Rex ist geboren.

Das grosse Fest

Juni 2017: Edi Fischer ist derzeit ein gefragter Mann, noch gefragter als sonst. Der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Bucher-Motorex-Gruppe hat noch einige letzte Stränge zu ziehen, bevor für das grosse Jubiläum alles bereitsteht. Am Donnerstaghat er das neue Büro- und Produktionsgebäude eingeweiht, vierstöckig, mit 11 000 Quadratmetern Fläche. Dazu enthüllte der Betrieb ein Kunstwerk des Berner Jungkünstlers «Dr Simon» aus ausrangierten Autoteilen.

Ein Tag der offenen Tür ist für diesen Samstag geplant, mit Betriebsbesichtigung und Rahmenprogramm. Dazu sollen 80 grosse Fahrzeuge aus der ganzen Schweiz Spalier stehen. «Es gibt einiges zu tun», sagt Fischer und lacht. Doch er macht die Überstunden gerne, schliesslich feiert ein Familienbetrieb nicht alle Tage sein 100-jähriges Bestehen.

Motorisierung bringt Wandel

Erster und Zweiter Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, Rohstoffknappheit – die ersten beiden Jahrzehnte sind für Rex turbulent. Neu tritt Edy Bucher, Sohn des Firmengründers, ins siebenköpfige Unternehmen ein. Ein junger, engagierter Mann. Seine Nachfolger werden ihn einen Visionär nennen. Zum Kriegsende 1945 kann die Firma ihren Neubau an der Bern-Zürich-Strasse in Langenthal beziehen, zwei Jahre später ändert Edy Bucher den Firmennamen von Rex auf Motorex.

Der Betrieb wächst, und als der Platz knapp wird, entstehen in den 1970er-Jahren auf dem alten Gaswerkareal ein neues Produktionsgebäude, zwei Tanklager sowie ein Bahnanschluss. Mit der Motorisierung finden Schmierstoffe für Autos, Motorräder oder Baumaschinen aus Langenthal guten Absatz. Der Fokus verschiebt sich aber zusehends Richtung spezialisierte Fahrzeuge, industrielle Kunden und Land­wirte.

Für den Visionär Edy Bucher hat Edi Fischer lobende Worte parat: «Das war ein richtiger Start-up-Typ. Einer mit unternehmerischem Ehrgeiz.» Ähnlich visionär möchte auch der heutige Vorsitzende der Geschäftsleitung vorwärtsgehen. Motorex zählt mittlerweile 350 Angestellte mit 20 Nationalitäten, entwickelt und vertreibt rund 2500 Rezepturen für Schmierstoffe an 130 Vertriebspartner in 85 Ländern. Im vergangenen Jahr betrug das gesamte Produktionsvolumen 30 000 Tonnen. In Polen, Schweden, Deutschland, Österreich, Frankreich und den USA besitzt die Firma heute Niederlassungen. Entwicklung und Produktion sind lokal, der Markt von Motorex aber ist längst global.

«In Langenthal daheim»

Wie wichtig ist da noch der Standort Langenthal? Sehr wichtig, findet Edi Fischer. «Wir sind hier daheim und überzeugt, dass jede gute Firma eine Heimat braucht.» Langenthal schaffe es nach wie vor, gutes Fachpersonal hervorzubringen. Zudem sei die Stadt geografisch gut gelegen.

«Edy Bucher war ein richtiger ­Start-up-Typ. Einer mit unternehmerischem Ehrgeiz.»

Edi Fischer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bucher-Motorex-Gruppe

Kürzlich erst verlagerte die Ammann-Gruppe 130 Stellen vom Oberaargau ins Ausland (wir berichteten). Da liegt die Frage nahe, ob ein ähnliches Szenario auch bei Motorex denkbar ist. Fischer verneint: «Wir glauben an diesen Standort, sonst hätten wir ja jetzt nicht eine zusätzliche Produktionsstätte gebaut.» Das Unternehmen basiere stark auf Fachwissen, die Herstellung der Schmierölflüssigkeit selber beanspruche dagegen nicht übermässig Ressourcen. «Daher sind wir äusserst wettbewerbsfähig».

Auch der Umweltfaktor wird immer wichtiger, so nehmen in Langenthal die Entwicklung die und Produktion von biologisch abbaubaren Produkten stetig zu. Motorex erhielt vor einiger Zeit gar den Auftrag, für die Hochseeschifffahrt einen Schmierstoff herzustellen. Wer hätte das gedacht, damals, vor hundert Jahren, beim Schuhwichseproduzieren über dem Holzfeuer.

Tag der offenen Tür: Samstag, 24. Juni 2017, 9 Uhr: Besichtigung der neuen Produktionsstätte. Rahmenprogramm von 10 bis 20 Uhr. Ort: Bucher AG, Bern-Zürich-Strasse 3, Langenthal. Weitere Infos: www.motorex.com

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