Schwache Dichte stellt Problem dar

Ober- und Niederbipp sowie Busswil bei Melchnau sind auf dem Papier weit davon entfernt, die Vorgaben des Kantons zu erfüllen. Sie können nicht mit neuem Bauland rechnen.

Hier ist die Welt noch in Ordnung: In Busswil bei Melchnau sind drei Baulandparzellen unbebaut.

Hier ist die Welt noch in Ordnung: In Busswil bei Melchnau sind drei Baulandparzellen unbebaut.

(Bild: Marcel Bieri)

Chantal Desbiolles

Im Oberaargau ist noch jede Menge Platz. Viele Gemeinden nämlich sind weniger dicht bebaut, als dies der Kanton vorsieht. Das allein ist nichts Aussergewöhnliches: In rund der Hälfte aller Berner Gemeinden wohnen und arbeiten weniger Leute, als die Gemeinden ausweisen sollten.

Sie unterschreiten damit ­statistisch gesehen den Richtwert zur sogenannten Raum­nutzerdichte ihres Raumtyps. Wie eine Auswertung dieser Zeitung zeigt, fallen im Oberaargau Ober- und Niederbipp sowie Busswil bei Melchnau deutlich aus diesem zugeordneten Rahmen.

Busswil ist gewachsen

In Busswil zeigt die konkrete Nachfrage: Es sind drei Flecken Bauland, die aktuell unbebaut sind. Zwei davon seien schlecht gelegen, sagt Gemeindepräsident Peter Wegmüller. Der Gemeinderat sei übereingekommen, mit den privaten Besitzern das Gespräch zu suchen, sagt Weg­müller.

Das Bauland wieder auszuzonen indes sei bisher in Busswil nicht thematisiert worden. Es sei ja nicht so, dass die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner nicht gestiegen sei: In den letzten zwei Jahren ist die Kleinge­meinde um 20 auf 190 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen.

Busswil wird als Dorf im zen­trumsnahen ländlichen Raum kategorisiert. 22 Raumnutzer pro Hektare leben oder arbeiten hier. Die Wohn- und Arbeitsbevölkerung pro Siedlungsfläche sollte allerdings weit höher liegen: Bei 39 Nutzern liegt der Richtwert, den der Richtplan 2030 dazu vorgibt.

Auf Eis wegen Fusion

Deutlich neben diesem Wert – und das in derselben Grössen­ordnung – liegt auch Niederbipp. Die Gemeinde liegt im Wachstumsgürtel entlang der A 1, gilt als Zentrum 4. Stufe. Während in diesem Raumtyp 57 Personen pro Hektare aktiv sein sollten, sind es deren 41. Weil Niederbipp über einen kantonalen Ent­wicklungsschwerpunkt Arbeiten verfügt, hat die Gemeinde etwas mehr Spielraum.

Während der Ortsplanung 2012 wurde festgestellt, dass früher im Durchschnitt jährlich 1 bis 2 Hektaren Bauland überbaut wurden. Der Kanton definierte damals einen Bedarf von 9,2 Hektaren. Damals hatte die Gemeinde trotzdem noch über 12,5 Hektaren unüberbautes Bauland in der Reserve.

Dieses Bauland sei aufgrund der Besitzverhältnisse nicht verfügbar gewesen, erklärt Nadja Stauffiger, Leiterin der Abteilung Bau. «Wir haben mit dieser Ortsplanung versucht, gewisse Bau­lücken zu schliessen.» Unter anderem hat die Gemeinde auch die Ausnützungsziffer abgeschafft und dadurch bereits in Richtung des neuen Richtplans hinge­arbeitet.

In fünf Jahren ist viel gegangen, der Bevölkerungszuwachs war stark. Zahlen zur aktuellen Baulandreserve liegen nicht vor. Der neue Gemeinderat hat sich mit der Raumplanung noch nicht auseinandergesetzt.

Hortet eine reichlich grosse Baulandreserve: Die Gemeinde Niederbipp, die dadurch die Richtwerte des Kantons nicht erfüllt. Bild: Marcel Bieri

Die Ausgangslage ist aus Niederbipper Sicht nun jedoch eine andere: Fällt im September an den Bip­perämter Urnen der Entscheid für eine Grossfusion, wird der Bedarf ohnehin neu berechnet. «Daher haben wir das Thema ruhen lassen.» Scheitert die Fusion, müsse man nicht erst im Hinblick auf die nächste ordentliche Ortsplanungsrevision in sieben Jahren Massnahmen treffen, so viel steht für Stauffiger fest.

Grosse Reserven

Das Raumplanungsgesetz verlangt, dass die bestehenden Reserven genutzt werden. 2793 Hektaren Bauland wies die Region Oberaargau 2014 aus. 84,7 Prozent dieser Bauzonen waren damals überbaut – der Anteil an Reserven ist also vergleichsweise gross.

In den meisten Fälle handelte es sich um Baulandparzellen, die über Strasse, Wasser­leitung und Kanalisation erschlossen seien, sagte damals Katharina Dobler, Vorsteherin der Abteilung Kantonsplanung beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung, und streicht den ökonomischen Wert dieser Anlagen hervor.

Hingegen gelten 10,1 Prozent des Oberaargauer Baulands als unüberbaut. Diese Zahlen sind jedoch alles andere als verlässlich, weil die Ermittlungsmethode unscharf ist. Ihre Bauzonenreserven müssen die einzelnen Gemeinden also auch weiterhin selber erheben. Je nachdem ist im Oberaargau auch gar nicht mehr so viel Platz.

Berner Zeitung

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