Seine Passion ist das Experimentieren

Wangenried

Seine Einstein-Installation ziert den Motorex-Neubau. Jetzt zeigt der Kunst-Hof das vielseitige Schaffen von Simon Berger. Wer ist der Künstler, der bis anhin nur als «DrSimon» in Erscheinung trat?

Zwei lachende Kindergesichter: Simon Bergers Werk besteht aus 9000 bunten Badebällen.

Zwei lachende Kindergesichter: Simon Bergers Werk besteht aus 9000 bunten Badebällen.

(Bild: Thomas Peter)

Brigitte Meier

Während des Aufbaus der aktuellen Ausstellung im Kunst-Hof Wangenried giesst Simon Berger Kaffee in zwei getupfte Tassen und blickt auf seine Hände. «Der hartnäckige Kitt stammt von meiner neusten Kreation mit Verbundsicherheitsglas. Dieses zerschlage ich mit dem Hammer und füge die Scherben zu einem filigranen Bild zusammen», erklärt der freischaffende Künstler, der bisher als «DrSimon» bekannt war. Zukünftig tritt er unter seinem vollständigen Namen Simon Berger auf.

Zwei Kindergesichter lachen einen von der Aussenfassade entgegen. Gestaltet in einem unkonventionellen Werk aus 9900 bunten Badebällen. «Jeder einzelne Ball ist wie ein Pixel. Solche Pixelbilder gefallen mir. Etwa dieses Frauenporträt, in dem jeder Korken ein Pixel darstellt. Einer ­davon ist übrigens ein Château-Mouton-Rothschild-Korken», sagt der Weinliebhaber verschmitzt und verrät, dass er sich liebend gern in die Liste jener Künstler einreihen möchte, welche das Flaschenetikett des jeweiligen Jahrgangs Mouton-Rothschild kreieren dürfen. Ein weiteres grosses Ziel ist die Gestaltung eines BMW Art Car. Unter den namhaften Kunstschaffenden finden sich Jeff Koons oder Roy Lichtenstein.

Freies Schaffen

Geboren wurde Simon Berger 1976 als Sohn eines Lehrers in Herzogenbuchsee. Sein gestalterisches Flair und sein Zeichentalent fielen schon im Kindergarten auf. Nach einer Lehre als Schreiner in Herzogenbuchsee arbeitete er vorwiegend in handwerklichen Berufen. Simon Berger bezeichnet sich als einen ­ehrgeizigen Menschen, der seine Kunst keineswegs als Hobby ansieht. Deshalb hat er sein Arbeitspensum auf 80 Prozent reduziert.

Es ist sein erklärtes Ziel, seine Kunst dereinst hauptberuflich auszuüben. «Ich bin ein Perfektionist und erst zufrieden, wenn ein Werk meinen hohen Ansprüchen gerecht wird. Dafür investiere ich unzählige Stunden in mein Schaffen», sagt der 41-Jährige. Selber etwas zu gestalten, um es anschliessend zu präsentieren, motiviere ihn stets aufs Neue. Er benötige freie Hand und arbeite am liebsten für den öffentlichen Raum.

Kontakte knüpfen

Umso wichtiger sei es, in der Kunstszene Fuss zu fassen und interessante Kontakte zu knüpfen. Daraus entstand auch die ­Zusammenarbeit mit der Firma Motorex. Mit dem imposanten Kunstwerk «Einstein», bestehend aus alten Auto- und Töffteilen, zum Beispiel einer Felge von Dominique Aegerters Motorrad, und einem Ferrari-Kotflügel. «Natürlich hat die Gestaltung eines Werkes für dieses renommierte Unternehmen auch Referenzcharakter», betont der Künstler nicht ohne Stolz.

Unverwechselbarer Stil

Mit seiner Faszination für Street-Art in jungen Jahren hat alles begonnen. Bald wurde der Künstler Reto Bärtschi auf ihn aufmerksam, der seine Entwicklung verfolgt und ihn entsprechend gefördert hat. Mit «Facetime», einem Objekt am Baum auf dem Kunstweg Melchnau, wurde Simon Berger 2015 einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Aufgrund einer Neuorientierung gestaltet Simon Berger seit sechs Jahren Bilder.

Seine Passion ist das Experimentieren. Inspirieren lässt er sich von Kunstausstellungen und Kunstseiten im Internet. «Mir ist ein persönlicher Stil mit Wiedererkennungswert sehr wichtig. Denn es gibt viele Künstler, die aus Restmaterial Kunst machen», sinniert Simon Berger. Im eigenen Atelier in Niederönz setzt er seine unkonventionellen Ideen um, die er an verschiedenen Projekten oder Veranstaltungen präsentiert. Etwa die Skulptur «Ray», welche an den kommenden Langenthaler Jazz-Tagen ausgestellt wird.

Berner Zeitung

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