Sie lassen sich nicht unterkriegen

Bipperamt

Die starke ­Ablehnung der grossen Gemeinden gegenüber dem Fusionsprojekt Oberaargau Nord überrascht die kleinen Dörfer. Für sie ist die Partnersuche aber noch nicht vom Tisch.

Ulrich Leuenberger ist fest entschlossen. An der nächsten Gemeindeversammlung will der Wolfisberger Gemeindepräsident ein neues Projekt vorlegen.

Ulrich Leuenberger ist fest entschlossen. An der nächsten Gemeindeversammlung will der Wolfisberger Gemeindepräsident ein neues Projekt vorlegen.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

5189 Personen haben sich am vergangenen Sonntag an der Urne zur Weiterführung des Fusionsprojekts Oberaargau Nord geäussert. Das Resultat fiel deutlich aus: Sechs von elf Gemeinden sind gegen das Grossprojekt. Einzig die fünf kleinsten Gemeinden hätten den Zusammenschluss gerne weiterverfolgt (Ausgabe von gestern). Zwar hatten viele von ihnen damit gerechnet, dass der Grundsatzentscheid negativ ausfallen wird. Überrascht hat ­jedoch die Deutlichkeit der Ablehnung. Er hätte auf mehr Verständnis der grösseren Gemeinden gehofft, sagt etwa Ulrich Leuenberger, Gemeindepräsident von Wolfisberg.

Ambitionierter Plan

Die Interkommunale Arbeitsgruppe (IKA), die den Grundlagenbericht erarbeitet und sich für das Grossprojekt eingesetzt hatte, wird aufgelöst. Der Ball liegt nun bei den einzelnen Gemeinden: Wer fusionieren will, muss Initiative zeigen. Fest entschlossen, ein neues Projekt zu lancieren, ist Ulrich Leuenberger. «Bei uns gibt es keinen Halt. Wir suchen weiter nach einer Lösung», erklärt er.

Leuenbergers Plan ist ambitioniert. «An der nächsten Gemeindeversammlung wollen wir den Bürgern ein neues Fusionsprojekt vorlegen», kündigt der Gemeindepräsident an. Dass die Wolfisbergerinnen und Wolfisberger fusionsfreudig wären, hat sich am Sonntag gezeigt: Fast 83 Prozent der Stimmberechtigten legten am Sonntag ein Ja in die Urne. Hatte Leuenberger an der Resultatsverkündigung noch Niederbipp als Wunschpartnerin erwähnt, wollte er sich gestern auf Anfrage nicht mehr dazu äussern. «Ich möchte das zuerst mit dem Gemeinderat besprechen.»

Ulrich Leuenberger sei auf sie zugekommen, bestätigt die Niederbipper Gemeindepräsidentin Sibylle Schönmann. Sie selbst wäre offen für einen Zusammenschluss der beiden Gemeinden. «Fakt ist, dass Wolfisberg schnellstmöglich eine Lösung braucht. Ich denke, die Gemeinde wäre eine gute Partnerin für uns und wir für sie.» Die Distanz zwischen den beiden Dörfern sei nicht gross, und in der Feuerwehr Bipp würden sie bereits heute zusammenarbeiten, erklärt Schönmann. «Ich glaube, wir könnten auf einen gemeinsamen Nenner kommen.» Sie werde sich deshalb im Gemeinderat dafür einsetzen, dass ein Projekt zustande komme. Die Grossfusion ist in ihrer Gemeinde mit 83 Prozent Nein-Stimmen zwar haushoch gescheitert. «Niederbipp ist aber nicht gegen eine Kleinfusion», sagt die Gemeindepräsidentin.

«Ich glaube, wir könnten auf einen gemeinsamen ­Nenner kommen.»Sibylle SchönmannGemeindepräsidentin Niederbipp

Im Gegensatz zu Ulrich Leuenberger findet der Farner Gemeindepräsident Roland Guazzini es nicht sinnvoll, sofort wieder ein neues Projekt zu starten. «Wir sollten eine Bedenkpause von drei bis fünf Jahren einlegen. Geht man gleich direkt wieder ran, könnten Fusionsgegner es als eine Zwängerei auslegen», sagt Guazzini.

Das Gespräch suchen

Nach Wolfisberg war Wangenried die zweite Spitzenreiterin im Ja-Lager: Knapp 70 Prozent der Stimmbürger sprachen sich dort für das Projekt aus. «Ich hatte vermutet, dass die Wangenrieder Ja sagen werden. Aber nicht, dass es so deutlich ausfallen wird», stellt Gemeindepräsident Urs Freudiger jedoch fest. Vom Gesamtresultat lässt auch er sich nicht abschrecken. «Wir wollen nach wie vor fusionieren.» So werde die Gemeinde das Gespräch mit anderen Suchen. Freudiger könnte sich etwa einen Zusammenschluss mit Wangen an der Aare und Walliswil bei Wangen vorstellen.

Béatrice Wagner, Gemeindepräsidentin von Walliswil-Wangen, war gestern über längere Zeit nicht erreichbar. Die dritte Gemeinde in Freudigers Wunschbund zeigt sich indes positiv: «Wir sind offen für mögliche Fusionen, auch heute noch», sagt Fritz Scheidegger, Gemeindepräsident von Wangen an der Aare und Co-Präsident der IKA. Im kleineren Perimeter sei es einfacher, einen Fusionsvorschlag durchzubringen, vermutet er. «Viel weiterbringen würde uns das aber nicht.» Eine Fusion in kleinem Rahmen löse vielleicht die Probleme einer Gemeinde. Die Verwaltungskosten wären jedoch nach wie vor nicht verhältnismässig, so Scheidegger.

Finanziell zu wenig stark

Auch für Rumisberg bleibt die Fusionsfrage weiterhin ein Thema. «Aber nicht gleich heute», sagt Gemeindepräsident Paul Ischi. Und dennoch: «Wir Berggemeinden haben für die Fusion gestimmt. Jetzt müssen wir schauen, was wir daraus machen können.» Sie beabsichtigten deshalb, sich mit dem Kanton zusammenzusetzen, so Ischi. Ein Projekt nur mit Farnern, Wolfisberg und Rumisberg ist für ihn jedoch unrealistisch. «Finanziell wären wir zu wenig stark. Wir brauchen noch eine andere Gemeinde.» Für ihn persönlich wäre eine Fusion im Perimeter der Kirchgemeinde Oberbipp eine Möglichkeit.

«Diese Option könnte man sicher genauer prüfen», sagt Markus Hächler, Vizegemeindepräsident von Oberbipp. Dort lehnten 77 Prozent der Stimmberechtigten die Grossfusion ab. «Wir sagten aber von vornherein, dass die Tür für eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden auch nach einem Nein nicht geschlossen ist», so Hächler. «Das kann sogar bis zu einer Fusion gehen.» Über mögliche Optionen müsse man sich aber erst noch im Gemeinderat unterhalten.

Langenthaler Tagblatt

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