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Sprachrohr für Bauernfamilien

Vor 100 Jahren wurde der Oberaargauische Bauernverein gegründet. Seither setzt er sich für Landwirte und Bäuerinnen in dieser Region ein und vertritt deren Interessen gegen aussen.

Der ehemalige Leiter des Waldhofs Langenthal, Jakob Rösch (links), setzte sich mit der Vereinsgeschichte auseinander. Präsident Ueli Fahrni gibt nach 12 Jahren sein Amt ab.
Der ehemalige Leiter des Waldhofs Langenthal, Jakob Rösch (links), setzte sich mit der Vereinsgeschichte auseinander. Präsident Ueli Fahrni gibt nach 12 Jahren sein Amt ab.
Olaf Nörrenberg

«Man muss sich die damalige Zeit vor Augen führen», sagt Jakob Rösch. Es herrschte der 1. Weltkrieg. Die Landwirtschaft sei zwischen Hammer und Amboss geraten. Auf der einen Seite die aufstrebende Industrie und der Handel, die von den Chancen des Exportes profitieren wollten. Auf der anderen Seite organisierten sich die Arbeitnehmer in Gewerkschaften. Die Lebensmittelpreise standen unter enormem Druck, die Bauern waren politisch gespalten in das freisinnige beziehungsweise konservative Lager.

Mitten in dieser Krise wurde am 6. März 1917, vormittags, ins Restaurant Kreuz in Langenthal eingeladen, «um definitiv den Bauernverein Oberaargau-Emmental zu gründen», wie es auf der Einladung von anno dazumal heisst. «Anwesend waren 20 Landwirte», erzählt Jakob Rösch, der anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Oberaargauischen Bauernvereins (OBV), wie er mittlerweile heisst, sich durch einen Berg von Dokumenten arbeitete. Rösch weiss auch, dass die erste Gründung bereits 1914 vorgesehen war, dann aber als Folge der Kriegswirren noch nicht zustande kam.

Resolutionen und Petitionen

Viele Unterlagen und Protokolle, die in den letzten 100 Jahren verfasst wurden, lagern im Inforama Waldhof in Langenthal. Jakob Rösch kennt sich dort bestens aus, da er von 1996 bis 2010 die landwirtschaftliche Schule leitete. Er fand im Archiv zahlreich «säuberlich geführte Protokolle» vor, jedoch keine Bilder. Es ist also anzunehmen, dass das Fotografieren nicht die Leidenschaft der Mitglieder war. Dafür hauten sie gerne in die Tasten der Schreibmaschine. Sie scheuten keinen Aufwand, um die Anliegen ihres Berufsstandes zu vertreten, getreu dem Vereinsmotto, «das Sprachrohr der Bauernfamilien des Oberaargaus zu sein und deren Interesse gegen aussen zu ver­treten».

Resolutionen, Petitionen, Eingaben und Stellungnahmen zu konkreten Themen wurden verfasst. Zu den Adressaten gehörten Amtsstellen auf kantonaler und eidgenössischer Ebene sowie Berufs- und Fachorganisationen. Auch das Schweizer Fernsehen bekam Post von den Bauern aus dem Oberaargau, eine Kopie des Schreibens ging sogar an den damaligen Bundesrat Willi Ritschard. «1982 war die Getreideernte sehr schlecht, ein grosser Teil des Weizens war ausgewachsen», so Rösch. Zu diesem Thema produzierte der Fernsehsender einen Beitrag, wobei erwähnt wurde, dass nun billiger Weizen aus dem Ausland exportiert werden könne und das Brot günstiger werde. Eine Aussage, die bei Bauern für Unmut sorgte.

Von jeher spielt die Politik eine zentrale Rolle im Vereinsleben. Bereits in den Anfangsjahren wurden Weiterbildungen organisiert, die den Mitgliedern den Blick auf die agrarpolitische Entwicklung öffnete. Auch wurden Vortragstagungen mit Regierungsräten durchgeführt.

Offen für Neues

Innovativ war der Verein ebenso, wenn es um die Organisation von Neuem ging. Bereits 2 Jahre nach der Gründung führte der OBV in Langenthal eine landwirtschaftliche Ausstellung durch. 1965 wurde der Betriebshelferdienst ins Leben gerufen. Dabei handelte es sich um eine Anlaufstelle, wenn beispielsweise nach einem Unfall oder bei Krankheit eine Fachkraft auf dem Hof benötigt wurde.

Rösch betont, dass man beim Durchlesen der Akten eine Weitsicht, ein Engagement und eine gewisse Hartnäckigkeit feststelle. Diese Aussage kann Ueli Fahrni bestätigen. Der Landwirt aus Rumisberg ist seit 15 Jahren im Vorstand, davon amtete er die letzten 12 Jahre als Präsident. Ebenfalls unter seiner Führung engagiert sich der Verein, damit auch die nächste Generation ein Auskommen hat. «Wir wollen nicht mehr so stark von den Direktzahlungen abhängig sein.»

Das sei nur möglich, wenn für landwirtschaftliche Produkte faire Preise bezahlt würden. Weiter erklärt Fahrni, dass der OBV auch in Sachen Raumplanung stets engagiert sei. Aktuelles Thema sei der geplante Ausbau der A 1 zwischen Härkingen und Luterbach. Dieser Teilabschnitt solle auf sechs Spuren verbreitert werden.

Dass der OBV immer offen für Neues ist, zeigen auch die letzten Vorstandswahlen. Nach dem Rücktritt von Ueli Fahrni übernimmt Christine Badertscher das Ruder (siehe Box). Die Agronomin aus Madiswil ist die erste Präsidentin in der 100-jährigen Vereinsgeschichte.

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