Stadtqualitäten im Dorf

Herzogenbuchsee

Die Fenaco-Genossenschaft veräussert das rund 50'000 Quadratmeter grosse Gelände beim Bahnhof an die Areal Herzogenbuchsee Zug AG. Diese will das Grundstück überbauen.

Wo heute die Mitarbeitenden der Fenaco ein- und ausgehen, soll künftig gewohnt werden.

Wo heute die Mitarbeitenden der Fenaco ein- und ausgehen, soll künftig gewohnt werden.

(Bild: zvg)

Béatrice Beyeler

Die Agrargenossenschaft Fenaco verkauft ihr Areal auf der Westseite des Buchser Bahnhofs. Käuferin ist aber nicht die Gemeinde, sondern die Areal Herzogenbuchsee Zug AG. Dabei handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Sayano Family Office AG, hinter der wiederum die Zürcher Investorenfamilie Ketterer steckt. Die Sayano Family Office AG betreibt mehrere Tochtergesellschaften, die etwa bereits in den Luzerner Gemeinden Sursee und Hitzkirch grosse Grundstücke erworben haben – in Hitzkirch ebenfalls von der Fenaco-Genossenschaft. Dereinst sollen dort Überbauungen mit bis zu 300 Wohnungen entstehen.

Auch für das Areal in Herzogenbuchsee hat das Unternehmen langfristige Pläne. «Wir können uns eine kleine Stadt im Dorf vorstellen», sagt Christof Meyer, Chief Investment Officer der Sayano Family Office AG. Das Areal liegt in einem Entwicklungsschwerpunkt, vor allem Wohnraum und Dienstleistungsarbeitsplätze sind darauf vorgesehen. «Es soll eine attraktive Begegnungszone enstehen», so Meyer.

Der Zeitpunkt für den Kauf des Areals sei ideal: «Es geht etwas in Herzogenbuchsee, und mit der geplanten Bahnhofsunterführung wird das Gelände optimal erschlossen.» Zudem habe die Gemeinde schon viel Vorarbeit geleistet, die Zusammenarbeit gestalte sich angenehm. «Wir werden versuchen, alle Ansprechpersonen inklusive der Bevölkerung in den Entwicklungsprozess einzubeziehen», betont Meyer.

Schon länger Thema

Die Geschäftsleitung von Fenaco hat bereits vor längerer Zeit entschieden, das nicht mehr ausreichend genutzte Areal in Herzogenbuchsee zu verkaufen. In den vergangenen Jahren wurden zusammen mit der Gemeinde verschiedene Möglichkeiten geprüft, darunter auch ein Verkauf des Areals an die Gemeinde selbst. Diese Pläne haben sich aber nicht konkretisiert, wie in einer Medienmitteilung des Unternehmens zu lesen ist. Weshalb Fenaco die Verkaufsanstrengungen ab Januar 2018 intensiviert und mehrere valable Angebote geprüft habe. Die Mittel aus dem Verkauf wird die Genossenschaft in das Unternehmen reinvestieren. Über den Preis haben beide Parteien indes Stillschweigen bewahrt.

Der direkte Weg

«Der Gemeinderat wurden über den Verkauf vorinformiert, was wir sehr schätzen», sagt Gemeindepräsident Markus Loosli (FDP) auf Anfrage. Er freut sich, dass für das Grundstück ein einzelner Investor gefunden werden konnte. «Das erleichtert die Zusammenarbeit enorm», ist er überzeugt. «Das Gelände befindet sich natürlich in Toplage, innerhalb von drei Minuten sitzt man im Zug», betont der Gemeindepräsident. «Der direkte Weg wurde bevorzugt», sagt Loosli. Deshalb habe sich die Gemeinde trotz der vielen Vorteile letztlich gegen den Kauf des Areals entschieden. «Andernfalls hätte die Gemeinde einzig als Zwischenhändlerin fungiert.» Loosli hofft nun, dass Dynamik in die ganze Sache kommt. Auch wenn klar sei, dass nicht gleich heute und morgen gebaut werde.

Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich auf dem Areal in Herzogenbuchsee Niederlassungen mehrerer Geschäftseinheiten von Fenaco. Mit der Areal Herzogenbuchsee Zug AG wurde für diese Geschäftseinheiten ein Nutzungsrecht von mindestens drei Jahren vereinbart. Bereits fest steht, dass der Tierfutterhersteller Biomill seine Tätigkeit Ende 2019 einstellen wird. Die Produktion wird per 2020 in das benachbarte UFA-Mischfutterwerk Biblis integriert. Ein Teil der insgesamt 18 Mitarbeiter wird von der UFA weiterbeschäftigt. Für die übrigen Angestellten wird im Verlauf der kommenden Monate nach individuellen Lösungen innerhalb der Fenaco-Landi-Gruppe gesucht, wie es in einer Mitteilung zu lesen ist. Es kommt aber zu fünf Kündigungen.

Neue Standorte in Prüfung

Das Transport- und Logistikunternehmen Traveco strebt eine Bündelung der Lagerstandorte an, es wird den Standort beim Bahnhof Herzogenbuchsee deshalb verlassen.

Der Futtermittelhersteller Meliofeed, der heute auf dem Areal Büros unterhält, wird ebenfalls mittelfristig andere Räume in der Region Buchsi beziehen. Auch für das Düngerhandelsunternehmen Landor, das auf dem Gelände ein Pflichtlager betreibt, werden schon bald neue Standortvarianten geprüft.

Trotz des Verkaufs des Areals Bahnhof West hält Fenaco gemäss Mitteilung am Standort Herzogenbuchsee fest. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde plant die Genossenschaft beim Mischfutterwerk der UFA, im Biblis II, die Einzonung eines Grundstückes. «Eine Beschwerde ist noch hängig, wir befinden uns aber auf der Zielgeraden», sagt Gemeindepräsident Markus Loosli dazu.

Langenthaler Tagblatt

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