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Stühlerücken bei Ruckstuhl

Bei der Langenthaler Teppichmanufaktur Ruckstuhl rückt das Kader enger zusammen – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Quartett um Ex-Porzi-Direktor Adrian Berchtold bildet neu die Geschäftsleitung.

Nun ziehen sie die Fäden: Urs Rölli, Adrian Berchtold, Stefan Howald und Valentin Baumann.
Nun ziehen sie die Fäden: Urs Rölli, Adrian Berchtold, Stefan Howald und Valentin Baumann.
PD

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Langenthaler Tra­ditionsunternehmen schwierige Zeiten durchlebt. Von einem «schmerzhaften Verlust» Ende 2016 sprach Ruckstuhl-Verwaltungsratspräsident Raymond Dettwiler. Eine neue Strategie («Feel the Icon») wurde aufgegleist.

Ein Jahr später klingt es ähnlich – auch ohne Zahlen –, die Rede ist von einem «sehr grossen Verlust» Ende letzten Jahres. Gleichzeitig aber betont Markencoach Dettwiler und Verwaltungsrat der Mehrheitsaktionärin Coopera Immobilien AG einmal mehr die Verbundenheit mit der Teppichherstellerin. «Wir haben einen langen Schnauf», erklärt er in der Kantine an einem Tisch, an dem vier weitere Männer Platz genommen haben. Und: «Leiser Optimismus ist angesagt.»

Das Kader am Ruder

Auf den vieren ruht die Hoffnung von Dettwiler, der nach dem Rückzug von Sven Vock als Geschäftsführer vor einem Jahr die Geschäftsleitung ad interim übernommen hatte. Es handelt sich um ein Kaderquartett: Adrian Berchtold, 33, den früheren Direktor der Porzellanfabrik Langenthal, der bereits auf dieser Strassenseite seine Ausbildung absolviert hatte.

Neben ihm ­Stefan Howald, 35, der seit vier Jahren als Objektberater in der Firma Ruckstuhl tätig ist. Auf der anderen Seite sitzt Betriebswirtschafter Valentin Baumann, 37, der seit gut einem Jahr als Leiter Finanzen, Personal und Services verantwortet. Und schliesslich Urs Rölli, 62, der nach langer Tätigkeit in der Textilbranche 2015 als Leiter Disposition bei Ruckstuhl seine Arbeit aufgenommen hat.

Das Risiko geteilt durch vier

Auf Anfang dieses Monats hat das Quartett die operative Leitung bei der Ruckstuhl AG übernommen. Berchtold amtet als Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrats, Leiter Marketing sowie Verkauf Export. Howald ist neu Leiter Verkauf Schweiz, Rölli ist Leiter Produktion und Beschaffung.

Baumann hat dieselben Funktionen inne wie zuvor. Die vier seien mit einem eigenständigen Businessplan auf den Verwaltungsrat zugekommen, so Dettwiler. Diese Lösung – «wenn sich Leute aus dem inneren Kader mit den eigenen Händen engagieren» – sei sehr erfreulich. Alle vier beteiligten sich ausserdem am Aktien­kapital.

An den Besitzverhältnissen ändert sich dadurch nichts: Coopera Immobilien bleibt mit 98 Prozent Mehrheitsaktionärin der Ruckstuhl AG; diese Position hat sie seit 2016 inne. Die namengebende Unternehmerfamilie hält noch einen kleinen Anteil. Peter Ruckstuhl ist laut Dettwiler auf Ende März in den Ruhestand getreten.

Raum für Mieter freispielen

Während am Tisch über Businessplan («moderate Zahlen»), Kostenoptimierungen («realistisch») und Zielsetzung («auf ­gutem Weg») gesprochen wird, tragen einige der noch 50 Mitarbeitenden Mobiliar in das obere ­Geschoss.

Das neue Führungsgremium rückt nicht nur sinnbildlich zusammen: Die Teppichmanufaktur spielt Räume wie das Atelier, das Lager im Nordtrakt oder das Kellergeschoss zur Vermietung frei, um Kosten einzusparen. Ihr Ziel ist gesetzt: die Basis sichern, so Berchtold. Das bedeute, heuer den Umsatz des Vorjahres zu halten und die Firma in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Nächstes Jahr den Umsatz zu steigern. Davon, dass sich ihr persönliches Engagement lohnen wird, sind die vier überzeugt. «Wir sind mit dem Umsatz leicht über demjenigen des Vorjahres», so Baumann. Nachhaltigkeit pflegen und Qualität sichern, eine offene Firmenkultur pflegen: Das sei der Schlüssel dazu.

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