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Vater und Sohn auf Abwegen

Gesetzliche Vorschriften interessierten sie nur am Rande. Dafür müssen zwei Geschäftsleute aus dem Oberaargau nun bezahlen.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte zwei Männer zu Geldstrafen, weil sie gegen mehrere Auflagen verstossen hatten.
Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte zwei Männer zu Geldstrafen, weil sie gegen mehrere Auflagen verstossen hatten.
Keystone

Von einer Sekunde auf die andere herrschte auf dem Firmengelände ein Betrieb wie nie zuvor: Am 14. Oktober 2015 stürmte eine Heerschar von Polizisten das Areal einer Altmetallfirma, die ein osteuropäischer Vater mit seinem Sohn im Oberaargau führt.

Bei der Kontrolle stiessen die Beamten auf drei Ausländer ohne Arbeitsbewilligung. Weiter entdeckten sie unter freiem Himmel deponierte Autobatterien. Auf einem Aussenareal türmten sich Schrott und ausrangierte Fahrzeuge.

Einen Büropavillon hatten die Chefs zu einer Behausung umgebaut, ohne sich um eine Bewilligung zu kümmern. Ein Aufenthaltsraum war ohne amtlichen Segen mit einem Ofen und einer Küche wohnlich ausgestattet worden.

Aus dem Staub gemacht

Wegen Widerhandlungen gegen das Ausländer-, das Umweltschutz-, das Abfall- und das Baugesetz verhängte die Staatsanwaltschaft Geldstrafen von 6300 Franken für den Senior und 9900 Franken für den Junior. Das Schwarzarbeitertrio wurde ebenfalls zur Kasse gebeten, hatte sich aber aus dem Staub gemacht, bevor die Justiz es zu fassen bekam.

Die Altmetallhändler hingegen zogen den Fall weiter ans Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Gegenüber Einzelrichter Roger Zuber versicherte der Sohn, er habe seine Aufgaben damals «wegen Knie und alles» nur sehr eingeschränkt wahrnehmen können.

Davon, dass in seiner GmbH Leute illegal beschäftigt gewesen sein sollen, wollte der 31-Jährige nichts wissen. Um Personal­fragen habe sich der Vater gekümmert.

«Purer Zufall»

Dieser räumte ein, dass in der Firma aufgrund der häufigen Absenzen des Filius möglicherweise nicht alles genauso gelaufen sei, wie es nach den Buchstaben des Gesetzes hätte laufen sollen. Den Vorwurf, Schwarzarbeiter beschäftigt zu haben, wies der 58-Jährige jedoch von sich. Vor Ort seien die Männer zwar gewesen, aber nicht als Arbeitnehmer, sondern aus «purem Zufall».

Gerichtspräsident Roger Zuber sprach die Beschuldigten in einzelnen Punkten frei. Statt drei Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz betrachtete der Vorsitzende nur deren zwei als erwiesen. Weiter taxierte er die stundenweise Open-Air-Lagerung von Batterien als weniger gravierend als die Anklagebehörde.

Weil der Büropavillon ursprünglich tatsächlich als Wohnung gedient hatte – und dem Senior einst als solche vermietet worden war –, sah Zuber auch in diesem Punkt keinen Grund für eine Sanktionierung. Darüber ­hinaus sei der nachträgliche Einbau einer Küche erlaubt, solange sich an der Raumnutzung nichts ändere und die Brandschutzvorschriften eingehalten würden.

Es kostet trotzdem

Wegen der übrig geblieben Vorwürfe verurteilte Zuber den Vater zu einer teilbedingten Geldstrafe von 8100 und den Sohn zu einer ebenfalls teilbedingten Geldstrafe von 3500 Franken. Dazu kommen Bussen von je 2000 Franken.

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