Videokameras hemmen die Vandalen

Niederbipp

Vor sechs Jahren wurden auf dem Schulareal Oberdorf in Niederbipp Überwachungskameras installiert mit dem Ziel, den zunehmenden Vandalismus zu bekämpfen. Dies habe sich ausbezahlt, sagt Gemeindeschreiber Thomas Reber.

Kameras im öffentlichen Raum: In Niederbipp sieht man ihren Nutzen.

Kameras im öffentlichen Raum: In Niederbipp sieht man ihren Nutzen.

(Bild: Osta)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Es gibt Tage, da wird die Gemeindeverwaltung Niederbipp zur Detektei. Dann geschieht etwas, was an anderen Tagen streng untersagt ist. Gemeindeschreiber Thomas Reber speichert eine Datei auf einer CD und schickt diese an die Kantonspolizei Bern weiter. Es sind Videoaufnahmen, die auf der CD abgespeichert werden. Und diese Aufnahmen stammen von Überwachungskameras, welche rund ums Schulareal Oberdorf montiert sind.

Demolierte Velos, zerstörte Storen, geklaute Gegenstände: Schon in mehreren Fällen konnten in Niederbipp Vandalen mithilfe der Aufnahmen überführt und in der Folge gebüsst werden, sagt Reber. «Wir hatten lange Zeit massive Pro­bleme mit Vandalismus. Diese Situation hat sich seit der Installation der Kameras deutlich verbessert.»

Es braucht einen Vorfall

Videoüberwachung an Schulen? Was nach einer Horrorvision aus George Orwells Klassiker «1984» klingt, ist in der Praxis halb so wild. Das Videomaterial darf nämlich erst ausgewertet werden, wenn es einen entsprechenden Vorfall gibt. Laut Dominik Jäggi, Mediensprecher der Kapo Bern, ist dies der Fall, wenn eine Strafanzeige, ein Strafantrag oder konkrete Verdachtsgründe für eine Straftat vorliegen.

Die Gemeinde als Betreiber der Kameras bekommt die Aufnahmen dabei gar nie zu Gesicht. «Die Sichtung und die Auswertung der aufgezeichneten Videobilder sind ausschliesslich Sache der Kantonspolizei Bern», so Jäggi. Ob die Aufnahmen bei der Ermittlung helfen, hängt stark von der Qualität der Kameras ab. «Auf den Einsatz der Kameratypen hat die Kantonspolizei Bern keinen Einfluss», sagt Jäggi.

«Kameras wirken präventiv»

Im Fall von Niederbipp stimmt die Qualität der Aufnahmen. Das zeigen die Ermittlungserfolge. Die Vandalenvorfälle haben in letzter Zeit deshalb stark abgenommen, sagt Reber. «Die Kameras wirken auch präventiv», ist er überzeugt. Und die bisherigen Erfolge haben sich herumgesprochen und hemmen die Vandalen.

Dennoch gilt es bei solcherlei Überwachungsmassnahmen stets die Kosten und die Nutzen abzuwägen. Gut 40 000 Franken hätten die Anschaffung und die Montage der sechs wetterfesten und mit Bewegungsmeldern ausgestatteten Kameras gekostet, sagt Reber. Kein billiges Unterfangen. Aber billig waren auch die zahlreichen Sachbeschädigungen nicht, auf deren Kosten die Gemeinde lange Zeit sitzen blieb. «Die Investition hat sich gelohnt», lautet heute das Fazit von Thomas Reber. Denn teuer war vor allem die Anschaffung. Im Unterhalt seien die Kameras heute relativ kostengünstig, so der Gemeindeschreiber.

Brennende Abfallkübel

Auf den ersten Blick erstaunlich ist, dass die Überwachungsmassnahme in Niederbipps Bevölkerung keine Gegenwehr auslöste. Die Leitung der Schule Oberdorf teilt mit, dass bei ihnen betreffend die Kameras bisher keine Reklamationen von Eltern eingegangen sind.

Das hängt stark mit der Zeit vor der Videoüberwachung zusammen. Brennende Abfallkübel, mutwillig zerstörte Blumenkisten, Littering: Im Jahr 2010 entstanden allein an drei Wochenenden Sachschäden in Höhe von 10 000 Franken. Die Gemeinde konnte das Treiben nicht stoppen. Auch ein Sicherheitsdienst, welcher 2008 eingesetzt wurde und auf dem Schulareal patrouillierte, schaffte nicht, was die Kameras nun vollbrachten: Die Vandalen abzuschrecken.

Berner Zeitung

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