Von einem Mist zum nächsten

Wegen Drogen- und anderer Delikte verurteilt das Regionalgericht Emmental-Oberaargau einen Deutschen und dessen Partnerin. Er verschwindet hinter Gittern.

Der Fall des vorbestrafen Deutschen und seiner Partnerin wurde im Regionalgericht in Burgdorf abgehandelt.

Der Fall des vorbestrafen Deutschen und seiner Partnerin wurde im Regionalgericht in Burgdorf abgehandelt.

(Bild: Thomas Peter)

Johannes Hofstetter

16 Vorstrafen hatte der knapp 60-jährige Deutsche in seiner Heimat angehäuft. Dann beschlossen er und seine Partnerin, «dem ganzen Mist» zu entfliehen, wie er sagte. Sie wanderten in die Schweiz aus. Im Oberaargau wollten die beiden ein neues Leben beginnen.

Doch der Plan ging nicht auf. Gestern verurteilte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau den Mann wegen bandenmässigen Kaufs, Besitzes, Verarbeitung und Verkaufs von gut einem Kilo Amphetaminen, Kaufs, Besitzes und Verkaufs einer geringen Menge von Kokain und Ecstasy, Pornografie und Gewaltdarstellung und des Konsums von Betäubungsmitteln zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten. Dazu kam eine Geldstrafe von 600 Franken und eine Busse von 200 Franken.

Die nicht einschlägig vorbestrafte Frau wurde von Einzelrichter Manuel Blaser wegen derselben Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz und Fahrens unter Drogeneinfluss zu einem «Bedingten» von 14 Monaten verknurrt. Weiter muss sie eine Geldstrafe von 750 Franken plus eine Busse von 200 Franken bezahlen.

Drogen gegen Rückenschmerz

Beide versicherten, ihre Taten zu bereuen und mit ihrer kriminellen Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Die Drogen hätten sie ursprünglich nur gekauft, um die Frau von ihren «unerträglichen Rückenschmerzen» zu befreien, sagte der Pflichtverteidiger des Angeklagten. Auf die Idee, den Stoff auch zu verkaufen, seien sie erst später gekommen.

Seit einer Operation habe sie keine Beschwerden mehr, fügte die Frau an. Nun würden sie wieder ein drogenfreies Leben mit Haus und Garten und einen rundum erneuerten Freundeskreis führen.

Er hat «nach langem Suchen», wie er anmerkte, eine Stelle gefunden. Sie ist guter Dinge, in der Arbeitswelt innert nützlicher Frist wieder Fuss fassen zu können. «Es geht uns tipptopp», fasste die Frau zusammen.

Was ich gesehen habe, war absolut jenseits.Einzelrichter Manuel Blaser

Dass der Mann, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift notiert hatte, pornografische und gewaltverherrlichende Darstellungen auf seinem Handy abgespeichert hatte, bestritt er. Die zwei Filmchen seien ihm von einem Bekannten geschickt worden. «Ich habe mir sie nur an­geschaut.» Das tat auch Richter Blaser, als er sich auf die Verhandlung vorbereitete. Was er gesehen habe, sei «absolut jenseits» gewesen, teilte er den Verfahrensbeteiligten angewidert mit.

Er geht nicht mehr zur Arbeit

Weil die Anklagebehörde und die Pflichtverteidiger sich im Vorfeld des Prozesses auf die Strafmasse hatten einigen können, wurde die Verhandlung als abgekürztes Verfahren durchgeführt. Entsprechend kurz fiel der Auftritt der Beschuldigten vor Gericht aus.

Etwas länger wird möglicherweise das Gespräch dauern, das dem Verurteilten nun mit seinem Chef bevorsteht. Dieser weiss noch nicht, dass der Mann, den er erst vor kurzem vertrauensvoll eingestellt hatte, bis auf weiteres nicht mehr zu Arbeit erscheint.

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