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Vor der Lektüre die Pflicht

Bis vor Kurzem haben die Redaktoren und Zeichnerinnen noch am Langenthaler Narrenblatt gefeilt. Am Mittwoch haben sie den «Päng» dem Gemeinderat übergeben.

Abgehängt: Während Stapi Reto Müller mit seinem Team (links) erst allmählich in Fahrt kommt, befindet sich der Vierervon Vize-Stapi Markus Gfeller schon auf der Zielgeraden.
Abgehängt: Während Stapi Reto Müller mit seinem Team (links) erst allmählich in Fahrt kommt, befindet sich der Vierervon Vize-Stapi Markus Gfeller schon auf der Zielgeraden.
Adrian Moser
Auf dem Schneider-Ammann-Platz vor dem Choufhuesi erfolgt die Übergabe der Langenthaler Fasnachtszeitung an den Gemeinderat.
Auf dem Schneider-Ammann-Platz vor dem Choufhuesi erfolgt die Übergabe der Langenthaler Fasnachtszeitung an den Gemeinderat.
Adrian Moser
Thomas Schafroth (links) und Reto Kurt während einer Redaktionssitzung der Fasnachtszeitung Päng
Thomas Schafroth (links) und Reto Kurt während einer Redaktionssitzung der Fasnachtszeitung Päng
Christian Pfander
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Es ist nicht das Rennen des Reto Müller an diesem Mittwochvormittag in der Marktgasse. Der Stadtpräsident tritt mit seinen Gemeinderatskollegen Pierre Masson und Roberto Di Nino noch hilflos an Ort und Stelle, da hat das andere Team unter dem lautstarken Kommando von Vize-Stapi Markus Gfeller die Hälfte der Strecke schon absolviert.

Auf Viererskiern hat die «Päng»-Redaktion den Gemeinderat ins humoristische Rennen geschickt. Einen «Teambildungsanlass» der parteiübergreifenden Art nennt es Chefredaktor Reto Kurt, der zur Verstärkung von Müllers Equipe gleich selber mit auf die Latten steigt. Klar, dass ein so deutlicher Rennverlauf nicht unkommentiert bleibt.

Nur Befehlen führe eben zum Sieg, stellt Alt-Regierungsrat Hans-Jürg Käser, Mitglied der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft und einst selber Stapi, da mit einem Schmunzeln fest. Müller nimmts mit Humor.

«Du musst ja vor allem über Leute was bringen, die bekannt sind.»

Reto Kurt, Chefredaktor «Päng»

Und er prophezeit für diesen Nachmittag in der Stadtverwaltung gar den Totalausfall. Einzig gelesen würde dort die nächsten Stunden: die neuste Ausgabe der Langenthaler Fasnachtszeitung, die er jetzt als einer der Ersten in seinen Händen hält.

Möglichst aktuell

Mit verschiedenen Höhenflügen habe man den «Päng» diesmal gestaltet, sagt Kurt. Wobei es vor allem Pannen und Peinlichkeiten aus dem vergangenen Jahr sind, die da auf 16 Seiten kommentiert und abgefeiert werden. Manchmal ausführlich und manchmal in aller Prägnanz, aber immer auf eine allfällige Gerichtstauglichkeit hin geprüft – schliesslich hat man aus der Vergangenheit seine Lehren gezogen seitens der Redaktion.

Während Komiteeler und Gemeinderäte zunehmend in die Lektüre versinken, zeigt sich Chefredaktor Kurt nach vollzogener Übergabe nun sichtlich gelöst. Für die aktuell vierzehnköpfige Redaktion ist die Arbeit getan. Sechs Sitzungen liegen hinter ihr. Und doch einige Stunden des Dichtens und Zeichnens. Bis kurz vor der Übergabe werden jeweils aktuelle Themen aufgegriffen.

«Du musst ja vor allem über Leute was bringen, die bekannt sind.»

Reto Kurt Chefredaktor «Päng»

Es werden, wenn alle Rubriken längst gefüllt sind, noch Beiträge ausgewechselt und Seiten umgestaltet. So bleibt im aktuellen «Päng» auch der Seitenhieb auf Doris Leuthards neue Rolle bei Coop nicht aus. Und selbst Uriella hat noch ein Plätzchen gefunden. Es war heuer aber vor allem die Bekanntgabe des Wakkerpreises Mitte Januar, die den Fasnächtlern doch noch einiges an Flexibilität abverlangte.

Ein eingespieltes Team

Exakt ein Monat ist vergangen, seit sich die Redaktionsmitglieder ein zweitletztes Mal in globo im Waghüsli hinter der Braui versammelten. Der neuste «Päng» ist zu diesem Zeitpunkt schon fast gefüllt. Aber die Schreiber und Zeichnerinnen sind sich schnell einig, welche Prioritäten es nun zu setzen gilt. Aus dem Stegreif werden Beiträge geschrieben und Thomas Schafroth, ebenfalls am Tisch, übermittelt.

«Wie war das mit den Abfallgebühren?», fragt der Layouter in die Runde. «Habs grad geschickt», sagt Beat Waldmeier. Der Journalist ist wie viele hier längst ein alter Hase im Team. Wobei das Texten dann doch nicht allen ganz so einfach von der Hand gehe, räumt Annemarie Bürki ein. Vor rund 15 Jahren zum «Päng» gestossen, sei es ihr anfangs ganz und gar nicht wohl gewesen unter all den Journalisten. Und doch ist sie damals auch zur nächsten Sitzung wieder erschienen und zur übernächsten. «Da hat es mir den Ärmel reingenommen.»

Keine Nachwuchssorgen

Dabei sei es nicht einfacher geworden, überhaupt noch gute Themen zu finden, sagt Reto Kurt, als Komiteemitglied seit rund 15 Jahren zuständig für das Erscheinen des Narrenblattes. «Du musst ja vor allem über Leute was bringen, die bekannt sind», erklärt er. Gerade diese seien aber vorsichtiger geworden.

Kommt hinzu, dass unter anderem durch die sozialen Medien viele Geschichten längst breitgeschlagen sind, wenn der «Päng» sie aufgreifen kann. Umso wichtiger werde für die Fasnachtszeitung da eine möglichst breite Abstützung durch ein gut durchmischtes Team, sagt Kurt. An Nachwuchs fehlt es nicht: Je zwei Neuzugänge konnte die Redaktion in zwei Jahren verzeichnen.

Und erstmals sind mit einer eigenen Seite auch Schulkinder miteinbezogen worden in der aktuellen Ausgabe. Die «Rätschbox» spielt da nur noch eine eher untergeordnete Rolle. Es sind die Vereine und Beizen, in denen die Fasnächtler immer noch die besten Geschichten auflesen. Und wenn diese Zeitung den Stadtbaumeister dann noch versehentlich auf Deutschlandreise schickt, ist natürlich auch das ein gefundenes Fressen für die «Päng»-Redaktion.

Stammtischatmosphäre macht sich zuweilen auch an der Redaktionssitzung breit. «Ab der dritten Flasche Weisswein kommen die Ideen schon etwas spontaner daher», sagt Annemarie Bürki und lacht. Rolf Uhlmann lehnt sich entspannt zurück. Seinen Part, das Titelblatt, hat er bisher erst im Kopf gezeichnet. Zu Papier bringt er das Bild jeweils erst kurz vor Redaktionsschluss.

Brachte er. Nach 25 Jahren tue jetzt eine visuelle Veränderung gut, findet er. So wird künftig Sabine Blaser für die Gestaltung der Frontseite zuständig sein. Er selber, sagt Uhlmann, widme sich fortan lieber wieder vermehrt den etwas kleineren Zeichnungen zu den Artikeln. Auszuposaunen haben die Narren allemal noch einiges in Langenthal.

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