Wechsel am Ruder des SC Langenthal

Stephan Anliker gibt den Vorsitz des Verwaltungsrats des SC Langenthal im Verlauf des nächsten Jahres nach 17 Jahren an Geschäftsführer Gian Kämpf weiter.

Geschäftsführer Gian Kämpf (links) beerbt Stephan Anliker als Verwaltungsratspräsident des SC Langenthal.

Geschäftsführer Gian Kämpf (links) beerbt Stephan Anliker als Verwaltungsratspräsident des SC Langenthal.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

«Euphoria» ist nicht mehr angesagt. Ihre Vorwärtsstrategie für ein neues Stadion wollten die Verantwortlichen des SC Langenthal an diesem Montagabend ursprünglich vorstellen. Doch der emotionale Höhenflug ist vor den aktuellen Ereignissen gegroundet: Nachdem die Stadt eine Testplanung angekündigt und damit den Zeithorizont für das Arenaprojekt weiter hinausgeschoben hatte, hat sich der Club aus der für diese Planung gegründeten AG zurückgezogen.

Der Euphorie ist Ernüchterung gewichen und damit das dringende Bedürfnis gewachsen, für die nächsten Jahre eine neue Strategie zu finden. Das gilt auch für den Umgang mit den involvierten Behördenmitgliedern: Die Stadt hat nämlich laut SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf eine Mediation angesetzt, was auf der Geschäftsstelle sehr begrüsst wird. 

Die Rückschau

Eines wird deutlich während dieser 16. ordentlichen Generalversammlung der SC Langenthal AG: Der Blick zurück fällt leichter als jener voraus. Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker geniesst daher sichtlich, über Erfolge und Erreichtes zu sprechen. Der SCL sei ein solider und stabiler Club, «das wollen wir auch weiterhin sein». Gian Kämpf führt an diesem Abend alle Erfolge ins Feld, zeigt die Dimension des heutigen Vereins auf.

«Kontinuität ist sehr wichtig in dieser Situation für den SC Langenthal.»Stephan Anliker?Verwaltungsratspräsident

Dann kam kürzlich der Einschnitt mit dem Entscheid der Stadt, sich den Lead in Planungsdingen zurückzuholen. Anliker spricht erst von einer Pause, korrigiert sich dann auf «Break». Gegen aussen weiterhin erfolgreich in Erscheinung zu treten und den Club gegen innen zu einen, sei die Losung. «Das braucht nun eine gewisse Zeit», so Anliker.

Sein Engagement habe bereits «fast eine Generation» in Anspruch genommen, daher sei die Zeit für einen Wechsel gekommen. Im Verlauf des nächsten Jahres wird er das Verwaltungsratspräsidium nach 17 Jahren an den heutigen Geschäftsführer Gian Kämpf abgeben, der bei der grössten Aktionärin Ducksch & Anliker in eine Führungsposition wechselt. Beide betonten sie, dass dieser Schritt «schon länger» geplant sei und nicht auf einer Trotzreaktion beruhe.

Wie es mit der Geschäftsstelle weitergeht, ist offen. Eine neue Strategie ist in Arbeit. «Wir werden sicher versuchen, das vorhandene Wissen weiterzugeben», sagt Kämpf. Seine rechte Hand, Marketing- und Kommunikationsleiterin Angela Kölliker, wurde neu in den Verwaltungsrat gewählt. Nach 4 Jahren trat Andreas Choffat, Bern, aus dem Gremium aus. Alle anderen Mitglieder wurden wiedergewählt. 

Der Ausblick

Anliker betonte: «Kontinuität ist sehr wichtig in dieser Situation für den SC Langenthal.» Er wolle einen «intakten» SCL übergeben, erklärte er vor 54 Aktionären, die rund 70 Prozent des Stammkapitals der SC Langenthal AG vertraten. Das oberste Ziel: weiterhin in der Swiss League zu spielen. Der Nachwuchs, die Fans und die Finanzen sind die anderen Standbeine. Kämpf sieht in der Ausgangslage nun auch «eine Chance zur Emanzipation. Der SCL kann und muss zeigen, dass sein Platz in der Nationalliga gerechtfertigt ist.»

Ein gesunder Club sei Bedingung für die Zukunft. Das Eigenkapital sei bereits zur Hälfte belastet, so Kämpf. Weitere Defizite vertrage die Clubkasse nicht. Im vergangenen Jahr hat die AG einen Verlust von 86446 Franken eingefahren (wir berichteten). Dass weiteres Kapital eingeschossen werden muss, liegt auf der Hand. Anliker stellte eine ausserordentliche Generalversammlung in Aussicht «mit Vorschlägen, wie es weitergehen soll». 

Die Vision einer neuen, modernen Arena bleibt bestehen. Der SCL benötige in Langenthal ein neues Stadion, und die Stadt habe klar kommuniziert: Man wolle ein neues Stadion. Kämpf: «Es braucht auch vom SCL ein neues Bekenntnis zum Schoren.» Nötig sei dafür der Wille der Stadt, des SCL, des Volkes. Und eine Menge Euphorie, wenn es denn so weit ist.

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