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Weltklasse mit Heinz Holliger

Zum Abschluss der Kammermusik-Konzertsaison trat der berühmte Oboist im Ensemble auf: mit der Cellistin Anita Leuzinger und dem Pianisten Anton Kernjak.

Zweifellos war es der Weltklassemusiker Holliger, dem der bis zum letzten Platz besetzte Saal zu verdanken war. Der berühmte Langenthaler, der hier 1999 den Kulturpreis der Stadt entgegennahm, kennt diesen Saal seit seiner Jugend, hat er doch schon als Schüler im damaligen Orchesterverein Oboe gespielt.

In kurzer Zeit ist Holliger dann zum Ausnahmekönner seines Instruments und zum genialen Interpreten geworden, aber auch zum Musikschaffenden, der instrumental wie kompositorisch Grenzen auslotet. Beides wurde an diesem letzten Kammermusikabend in der 70. Saison dieser Reihe erlebbar.

Da Holliger sich intensiv mit der Musik Schumanns auseinandersetzt, erstaunt kaum, dass er mit seinen instrumentalen Partnern das Schaffen des Romantikers zur Grundlage des Programms machte.

Die sechs Stücke in kanonischer Form op. 51, die Theodor Kirchner für Triobesetzung umschrieb, wurden zu einem Einstieg in das Wesen Schumanns, wie er berührender und poesievoller nicht hätte sein können: fein kontrastierende Stimmungsbilder, in denen die Qualitäten der drei Interpreten sich gleichwertig ergänzten: der dezente, warme Ton der Oboe, die duftige Substanz des Cellos und die geschmeidige Dynamik des Klavierparts.

Nahtlos gingen sie über in die drei Romanzen und vertieften sich zu einem bekenntnishaften Schumann-Bild von schlichter Innigkeit, das besonders im Oboenpart die vibrierend bewegte Seele des Komponisten lebendig werden liess.

In eine unkonventionell veränderte Klangwelt führte die Komposition «Romancendres»: Das beklagenswerte Verbrennen von Romanzen, die Schumann seiner Frau Clara zugeeignet hatte, inspirierte Holliger zu einer atonalen Auseinandersetzung, die technisch wie musikalisch einzig hoch befähigte Instrumentalkünstler nachzuvollziehen und einem Hörerkreis zu vermitteln vermögen.

Anita Leuzinger und Anton Kernjak schafften es bewundernswert, am Cello und am Flügel subtil gewandelte Klangeffekte – vom verborgenen Wimmern bis zum unterschwelligen Dröhnen – zu erzeugen und das Publikum durch das vierteilige Epos in Spannung zu halten.

Nach der selten zu hörenden Sonate für Cello und Klavier, in der Debussy durch recht moderne Tonsprache überrascht, sorgte das Trio B-Dur von Beethoven für einen brillanten Schlussakzent. Hier die Oboe anstelle der Violine zu hören, war ungewohnt, doch Holligers Spiel, in dem jeder Ton nicht nur vollendet präzis ausgeformt wirkte, sondern beseelt in einem akzentreichen Triospiel lebte, liess das Werk zum Hörgenuss eines hochklassigen Ensembles werden.

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