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Wenn es plötzlich enger wird in der Schorenhalle

Am Samstag empfing der SC Langenthal zum ersten Mal in dieser Qualifikationsserie den HC Ambri-Piotta. Obwohl die Halle nicht ganz ausverkauft war, zeigte sie doch ihre Kapazitätsgrenzen auf.

Ausnahmezustand: Fürs erste Heimspiel der       Ligaqualifikation pilgerten die Fans am Samstag erneut zahlreich nach Schoren.
Ausnahmezustand: Fürs erste Heimspiel der Ligaqualifikation pilgerten die Fans am Samstag erneut zahlreich nach Schoren.
Marcel Bieri
Der Grossandrang zieht auch ein grosses Verkehrsaufkommen mit sich.
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Marcel Bieri
Die TV-Produktionsfirma TPC ist gleich mit zwei Sattelzügen vor Ort.
Die TV-Produktionsfirma TPC ist gleich mit zwei Sattelzügen vor Ort.
Marcel Bieri
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Ein wunderschöner Frühlingstag neigte sich dem Ende zu. Bei Temperaturen um 20 Grad arbeiteten am Samstag viele Langenthalerinnen und Langenthaler im Garten, sonnten sich auf dem Balkon – oder strömten allmählich in Richtung Eishalle Schoren. Trotz der warmen Temperaturen wird dort auch in diesen Tagen noch Eishockey gespielt.

Und es geht um viel, um sehr viel: Der Schlittschuhclub Langenthal sieht sich mit der reellen Möglichkeit konfrontiert, in die höchste Schweizer Eishockeyliga aufzusteigen. Dazu hat inzwischen auch die Geschäftsleitung grünes Licht gegeben.

Bereits kurz nach 18 Uhr tummeln sich die ersten Besucher vor dem Eingang. Die italienische Sprache sickert immer wieder durch. Und schon kommt es zur ersten kleinen Verwirrung: Öffnet der Ticketschalter schon um 18.30 Uhr oder wie üblich erst anderthalb Stunden vor Spielbeginn, in diesem Fall also um 18.45 Uhr? Eine Funktionärin spricht das Machtwort, der sich anbahnende Zank kann noch mal aus der Welt geschafft werden.

Ein Dürfen

Etliche Fans zieht es bei diesem Wetter nicht direkt ins Stadion. Man gönnt sich ein kühles Bier und eine Bratwurst an einem der Aussenstände. Dort haben die Mitarbeiter bereits zwei Stunden vor Anpfiff alle Hände voll zu tun. Die Stimmung rund um das ­Stadion ist ausgelassen. «Es ist schön, dass wir diese Quali spielen dürfen», sagt ein strahlender Peter Stucki. Er ist Betreuer und Materialverwalter beim SCL. Anspannung ist bei ihm keine auszumachen.

Anders sieht es bei der Geschäftsleitung aus. Denn diese hat mit der Ligaqualifikation alle Hände voll zu tun. «Es ist stressig, aber es ist ein guter Stress», sagt Angela Kölliker, Leiterin Marketing und Kommunikation beim SC Langenthal, vor dem Spiel. Nach dem komplett ausverkauften Finalspiel vom vergangenen Dienstag rechnet Angela Kölliker auch an diesem ersten Heimspiel der Ligaqualifikation wieder mit engen Platzverhältnissen.

«Wir gehen erneut von einem vollen Haus aus», sagt sie vor dem Anpfiff. Im altehrwürdigen Schoren müsse man halt nun einmal etwas zusammenrutschen. Mehr als 4500 Fans, kontert Angela Kölliker andere Wahrnehmungen, habe man aber auch am Finalspiel nicht in die Halle gelassen. «Die Sicherheit hat immer oberste Priorität.»

85 Medienschaffende

Für die Sicherheitsleute ebenso wie für den Gastrobereich und die Platzanweiser stelle die Qualifikation denn auch keinen grossen Unterschied zur regulären Saison dar, erklärt die Kommunikationsverantwortliche. «Alle sind instruiert und wissen, wie es läuft.»

Erheblich grösser als üblich ist indes das Medieninteresse, das der SCL in diesen Tagen erfährt. Nicht weniger als 85 akkreditierte Journalisten sind an diesem Samstagabend angemeldet, darunter Mitarbeiter der Fernsehsender SRF und RSI mit ihren Sattelschleppern. Normalerweise fänden zwischen 20 und 25 Medienschaffende den Weg in den Schoren, sagt Kölliker.

Hier zeige die Eishalle denn auch erneut ihre Grenzen auf: Ein Medienraum ist nicht vorhanden, die Pressekonferenz für die Sportjournalisten findet jeweils in einer Umkleidekabine statt. «Auf die nächste Saison hin soll sich das ändern, mit oder ohne Aufstieg», betont Angela Köl­liker.

«Wir machen das!»

Während sich Journalisten, erste Fans und Mitglieder der Geschäftsleitung langsam in das kühle Stadioninnere begeben, wärmen sich die SCL-Spieler unmittelbar neben der Stehplatz­tribüne auf – direkt vor den Augen ihrer treusten Fans. Ob es ­solche Szenen auch in der höchsten Schweizer Spielklasse noch gäbe?

Mit den Fans strömen nun auch die geladenen Gäste in den Schoren. Fünf der sieben Gemeinderatsmitglieder mit Partnern sind der kurzfristigen Einladung des Klubs gefolgt und versammeln sich zum Fondue in der Schöni-Lounge. Einmal mehr spricht Geschäftsführer Gian Kämpf den möglichen Aufstieg an. Der SCL sei ein Aushängeschild für die Region, und es sei schön, die Unterstützung der Stadt zu spüren. Stadtpräsident Reto Müller (SP) zeigt sich zielstrebig: «Wir machen das!»

Alles wird gut

20 Uhr. Die Spannung im Stadion steigt. Insbesondere die zahlreichen Tessiner Anhänger machen für ihre Mannschaft Stimmung. Keine Frage, die Fankultur des Traditionsklubs vermag zu beeindrucken. Nachdem der SC Langenthal im ersten Drittel mit 1:0 in Führung geht, tauen auch die Anhänger von Gelb-Blau allmählich auf. Entgegen Angela Köllikers Erwartungen ist der Schoren an diesem Abend allerdings nicht komplett ausverkauft, rund 100 weitere Fans hätten noch Platz gefunden.

Schliesslich verliert der SCL in der Verlängerung auch das zweite Spiel der Ligaqualifikation. Bei den Ambri-Fans gibt es kein Halten mehr. Zahlreiche Anhänger des SC Langenthal strömen hingegen unmittelbar nach dem Schlusspfiff aus dem Stadion, geknickt, aber friedlich. Begleitet werden sie dabei von Bob Marleys «Everything’s Gonna Be Alright»: Keine Sorge, alles wird gut.

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