Wennschon, dennschon

Melchnau

Die finanziellen Bedenken des Gemeinderats blieben unerhört: Eine Zweidrittelsmehrheit hat sich für die Planung einer neuen Turnhalle ausgesprochen.

Könnte bald ein Baufeld sein: Die Grünfläche zwischen der Turnhalle mit ihrem jüngeren Anbau (links) und dem Schulhaus (rechts).

Könnte bald ein Baufeld sein: Die Grünfläche zwischen der Turnhalle mit ihrem jüngeren Anbau (links) und dem Schulhaus (rechts).

(Bild: Thomas Peter)

Kurz vor 22.30 Uhr stand fest: Wenn voraussichtlich im Sommer 2020 die Bagger auffahren auf dem Melchnauer Schulhausareal, soll die heutige Turnhalle zum Mehrzweckraum samt Tagesschule umgebaut und auf der Westseite eine neue Turnhalle errichtet werden.

Nachdem die Gemeindeversammlung einen ersten Projektierungskredit für die Sanierung des Mehrzweckgebäudes vor einem Jahr mangels Vergleichsvarianten zurückgewiesen hatte, konnten die Stimmberechtigten am Montagabend nun aus nicht weniger als sechs Varianten auswählen, welche nun weiterverfolgt werden soll.

Und rekordverdächtig viele Melchnauerinnen und Melchnauer fanden sich in der alten Turnhalle ein, um über deren Zukunft zu befinden. 159 waren es ganz genau und damit doch gute 15 Prozent der insgesamt 1052 Stimmberechtigten – zumindest, was seine eigene Zeit im Dorf betreffe, so viele wie nie zuvor, konstatierte Gemeindepräsident Ulrich Jäggi (SVP).

Der Gemeinderat machte sich wie angekündigt für eine blosse Sanierung des Mehrzweckgebäudes mit einem südlichen Anbau für die Tagesschule stark, die einen späteren Turnhallenneubau im Westen zwar nicht ausschliessen, aber auch nicht prioritär betrachten würde.

Die eingesetzte Arbeitsgruppe ver­mochte sich mit der von ihr bevorzugten Variante samt neuer Turnhalle letztlich aber durch­zusetzen. Dabei war den Abstimmungen – ermittelt wurde die beste Variante im Cupsystem – eine lange Debatte vorausgegangen, in der neben vielen sachlichen Voten auch die Emotionen nicht fehlten.

Im Neubau (links) wird geturnt, die heutige Halle (rechts) soll zum ­Mehrzweckraum mit Tagesschule umgenutzt werden. Karte: pd

Eine Frage des Wieviel

Die Befürworter der mit Investitionskosten von 3,35 Millionen und jährlichen Folgekosten von knapp 180'000 Franken günstigsten und vom Gemeinderat beantragten Variante rückten primär finanzielle Aspekte ins Feld – werden die Melchnauer um eine baldige Steuererhöhung aller Voraussicht nach doch selbst ohne dieses Grossprojekt nicht herumkommen.

«Wir müssen unsere Konkurrenz­fähigkeit in der Umgebung beachten», warnte nicht nur Finanzministerin Susanne Kratochvil (Freie Wähler). Auch aus dem Plenum heraus wurde mehrfach hervorgehoben, dass der Steuerfuss gerade für grosse Steuerzahler ein entscheidendes Kriterium sei bei der Wahl ihrer Niederlassung.

Auf Investitionskosten von 5,21 Millionen Franken und jährliche Folgekosten von knapp 280'000 Franken beläuft sich die Kostenschätzung bei der Variante der Arbeitsgruppe.

Das werde in rund fünf Jahren eine Steuererhöhung von heute 1,74 auf voraussichtlich mindestens 1,91 Einheiten zur Folge haben, prognostiziert der Gemeinderat. Beim von der Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Ansatz handle es sich um «eine zwar schöne, aber finanziell nicht tragbare Variante», fasste es Vizegemeindepräsidentin Therese Fink (SVP) kurz und knapp zusammen.

Etwas für alle

«Wir müssen ohnehin etwas investieren», hielt als Leiterin der Arbeitsgruppe Irene Leuenberger entgegen, «also wieso nicht gerade in etwas Richtiges?» Zumal ihre Variante am Ende immer noch billiger komme, als wenn nun gespart werde und erst in einem späteren Schritt dann doch eine neue Turnhalle gebaut werden müsse. Ein Projekt für ­alle müsse es sein, nicht nur für die Tagesschule, machten sich auch mehrere Votanten aus dem Plenum gegen den Vorschlag des Gemeinderats stark.

Er habe bei seinen Bekannten aus sogenannten «Steuerhöllen» jedenfalls noch nie den Eindruck gehabt, dass es ihnen deswegen an etwas fehle, meinte etwa Peter Friedli in seinem ausführlichen Plädoyer für den Nutzen einer Turnhalle für die ganze Bevölkerung. Der Chefredaktor der Verbandszeitschrift des Schweizerischen Turnverbands erntete dafür wie schon einige seiner Vorredner lauten Applaus.

Fehlalarm im Altersheim

Tatsächlich schienen die Befürworter der teureren Variante von Beginn an in der Überzahl zu sein. Als um 21.30 Uhr gut 20 Ange­hörige der Feuerwehr die Halle wegen eines Alarms im Altersheim Schärme blitzartig verliessen, zeigte sich die Arbeitsgruppenleiterin aber doch verun­sichert, was das für die anstehende Abstimmung bedeuten sollte.

Schon eine gute Viertelstunde später sassen die Männer allerdings bereits wieder auf ihren Plätzen. Es war – zur Erleichterung aller – ein Fehlalarm. Und in der Halle standen schliesslich 56 Stimmen für den Antrag des Gemeinderats 100 Stimmen für die Variante der Arbeitsgruppe gegenüber.

Die Genehmigung des Projektierungskredits in der Höhe von 140'000 Franken war darauf nur noch Formsache. In einem Jahr soll die Gemeindeversammlung über den Ausführungskredit befinden, sodass ein weiteres Jahr später die Umsetzung beginnen kann.

Berner Zeitung

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