Wie Gerstensaft den poetischen Wettstreit fördert

Im Old Capitol wurde am Montagabend viel vorgelesen, gelacht getrunken. Die Slam-Poeten Valerio Moser und Fehmi Taner hatten zum «Lesen für Bier» eingeladen.

Mit spassigen Texten und Bier: Die Slam-Poeten Valerio Moser (links) und Fehmi Taner im Old Capitol.

Mit spassigen Texten und Bier: Die Slam-Poeten Valerio Moser (links) und Fehmi Taner im Old Capitol.

(Bild: Marcel Bieri)

Eigentlich ist das Konzept von «Lesen für Bier» ganz einfach. Das Publikum bringt Texte mit – das kann vom Einkaufszettel bis zum Tagebucheintrag, vom Youtube-Kommentar bis zur Weltliteratur alles sein –, und zwei Slam-Poeten lesen diese dann abwechselnd vor. Im Anschluss stimmt das Publikum per Applauspegel darüber ab, ob nun der Text besser war oder die Performance des Vortragenden. Der Gewinner bekommt ein Gratisbier.

Erfunden wurde das Format 2013 von einem deutschen Poetry-Slammer. Am Montagabend fand nun die erste solche Veranstaltung in Langenthal statt, durchgeführt von den beiden Slam-Poeten Valerio Moser und Fehmi Taner. «Wir haben das schon mal in Olten gemacht und gedacht, das wäre doch in Langenthal auch witzig», sagt Moser, der selber auch aus Langenthal kommt. Die Idee kam gut an: In der Bar des Old Capitol, wo die Veranstaltung über die Bühne ging, wurden die Stühle knapp, und auf der Ablage neben der kleinen Bühne stapelten sich die Texte.

Songtexte und Erotikheftchen

So lasen die beiden Poetry-Slammer an diesem Abend etwa einen Songtext vor, der mehrmals durch eine Internetübersetzungsmaschine gejagt worden war – etwas, das man übrigens unbedingt mal ausprobieren sollte. Weiter performten sie zum Beispiel Ausschnitte aus Büchern und Erotikheftchen und versuchten sich an von Leuten aus dem Publikum selbst geschriebenen Gedichten. Besonders die geistesgegenwärtigen Kommentare, die sie immer mal wieder zwischen die Zeilen streuten, trafen ins Schwarze und sicherten den beiden viele Lacher.

Einziger Wermutstropfen: Manchmal wurden die Texte doch ein bisschen überperformt, sodass die Zuhörer dem Inhalt gar nicht mehr richtig folgen konnten. Etwas weniger «Tumult» beim einen oder anderen Text hätte der Lustigkeit der Veranstaltung sicher keinen Abbruch getan.

«Das klingt dumm»

Alles in allem aber durchaus eine Veranstaltung mit Potenzial. Valerio Moser bestätigte, dass es sich die beiden Slam-Poeten gut vorstellen könnten, bald wieder einmal ein «Lesen für Bier» in Langenthal zu veranstalten. Hoffentlich, denn der Veranstaltungsbeschrieb trifft vollkommen zu: «Das klingt dumm, und genau deswegen macht es sehr viel Spass». Besonders dann, wenn sowohl beim Publikum als auch bei den beiden Vorlesern schon der eine oder andere Liter Bier geflossen ist.

Langenthaler Tagblatt

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