«Wir brauchen neue Angebote»

Niederbipp

Der Umgang mit einer immer älter werdende Gesellschaft stand am Altersforum in Niederbipp im Zentrum.

Am Freitag fand im Alterszentrum Jurablick in Niederbipp das Altersforum Oberaargau statt.

Am Freitag fand im Alterszentrum Jurablick in Niederbipp das Altersforum Oberaargau statt.

(Bild: Thomas Peter)

Melissa Burkhard

«Es betrifft uns alle.» Nicht nur einmal fällt dieser Satz am Altersforum Oberaargau vom letzten Freitag. Mit Blick auf den demografischen Wandel und im Wissen darum, dass 2045 rund 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer über 65 Jahre alt sein werden, sind sich die Anwesenden im Alterszentrum Jurablick in Niederbipp einig: Es braucht nicht nur mehr Fachkräfte und Pflegepersonal, sondern auch mehr Bewusstsein in der Bevölkerung.

Beispielsweise beim Thema Demenz, wie Stefanie Becker, Geschäftsführerin von Alzheimer Schweiz, veranschaulicht: Auch die Zahl der Demenzkranken werde sich bis ins Jahr 2040 verdoppeln. Etwa alle zwanzig Minuten erkranke jemand neu, so Becker. Vor allem Frauen seien betroffen, ob als Patientinnen, Angehörige oder Pflegerinnen.

Unterstützung im Alltag

Obwohl es so viele Menschen betreffe, sei das Thema nach wie vor ein Tabu, sagt Stefanie Becker. «Betroffene werden gemieden, und Angehörige verlieren den sozialen Anschluss.» Das öffentliche Bild einer erkrankten Person sei sehr einseitig: Oft stelle man sich hilflose, dahinvegetierende Menschen vor. Dem sei nicht immer so. Damit der Umgang mit Demenz besser werde, müssten in den Regionen klare Anlaufstellen geschaffen, Hausärzte geschult und junge Menschen sensibilisiert werden. Hauptziel müsse eine «sich sorgende Gesellschaft» sein, in der Menschen etwa ihren demenzkranken Nachbarn im Alltag unterstützen würden.

«Hauptziel müsse eine sich sorgende Gesellschaft sein.»Stefanie Becker, Geschäftsführerin von Alzheimer Schweiz

In eine ähnliche Richtung geht auch der Vortrag von Ruedi Winkler. Er ist Präsident von Kiss Schweiz, einer Organisation, die Zeit schenken will. Was Winkler vorstellt, ist das Prinzip der Zeitvorsorge. Ein Modell, in welchem Nachbarn oder rüstige Rentnerinnen und Rentner älteren Mitmenschen helfen, den Alltag zu bewältigen. Sie unterstützen sie etwa beim Einkaufen, geben ihnen Computerkurse oder verbringen einfach einmal die Woche Zeit mit ihnen. Die Stunden, in denen eine Person Hilfe leistet, kann sie sich auf einem persönlichen Zeitkonto gutschreiben lassen und sie später, wenn sie selbst Hilfe benötigt, einlösen. Dadurch werde von Generation zu Generation die dringend nötige Alltagsunterstützung gewährleistet, so Winkler. 

Keine neue Konkurrenz

Das Altersversorgungsmodell war vor zwei Jahren auch Thema im Langenthaler Parlament. Die Motion von Stadträtin Anita Steiner-Thaler (EVP), in der sie die Einführung der Zeitvorsorge in der Stadt forderte, wurde aber fraktionsübergreifend abgelehnt.

Alt-Grossrätin Käthi Wälchli, Präsidentin der Kommission Altersplanung im Oberaargau und Gastgeberin des Altersforums, findet neue Modelle wie die Zeitvorsorge indes bitter nötig. Dies etwa, weil sich die Familienstrukturen massiv geändert hätten. So habe man heutzutage nicht nur weniger Geschwister, die sich die Betreuung der Eltern untereinander aufteilen könnten, sondern man wohne auch weiter auseinander. «Wir brauchen neue Angebote», sagt Wälchli. Dabei gehe es nicht darum, neue Konkurrenz für bereits Bestehendes zu schaffen. «Wir dürfen uns nicht bekämpfen, sondern müssen vermehrt zusammenarbeiten.»

Berner Zeitung

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