«Wir wollen inszenieren»

Langenthal

Die 17. Ausgabe des Designers’ Saturday steht bevor. Die Verantwortlichen freuen sich auf den Austausch mit Architekten und Designern, trotz vieler Herausforderungen.

Ältere und jüngere Mohikaner: Gabriela Gianoli, Jan Geipel und Paul Schär.

Ältere und jüngere Mohikaner: Gabriela Gianoli, Jan Geipel und Paul Schär.

(Bild: Marcel Bieri)

Julian Perrenoud

Die Zeiten ändern sich; Firmen kommen, und Firmen gehen. Auch Langenthal, einst unangefochtene Design-Stadt, bleibt vom Wandel nicht verschont. Unternehmen, die früher einmal den Namen der Stadt hinaus in die kleine Schweiz oder die grosse Welt getragen haben, gibt es nicht mehr, oder sie produzieren zumindest kaum mehr hier. Vorbei sind die Zeiten, als man in der Alten Mühle noch gross träumte. Das Design Center wurde mittlerweile redimensioniert und beschränkt sich auf ein Büro im sonst leer stehenden Haus. Der Design Preis Schweiz wird derzeit neu organisiert und bald andernorts ausgetragen.

Da drängt sich die Frage auf: Hat der Designers’ Saturday noch seinen berechtigten Platz in Langenthal? Gabriella Gianoli, Paul Schär und Jan Geipel sitzen im hölzernen Sitzungszimmer von Hector Egger um den Tisch und finden: unbedingt.

«Wir wollen Dinge zeigen, die es anderswo nicht zu sehen gibt.»Jan Geipel, Kurator

Gianoli ist, wie sie selber sagt, die «letzte Mohikanerin» der bekannten Design-Veranstaltung, im Vorstand und als Aktionärin dabei seit 1987. Schär ist Vorstandspräsident des Designers’ Saturday und Geschäftsführer von Hector Egger, einer der fünf Gastgeberfirmen. Und schliesslich Geipel, neuer Kurator des DS, wie der Anlass abgekürzt heisst. Vom 2. bis 4. November will er zukunftsorientiert verdichten, international erweitern, grosse Namen, tägliche Höhepunkte und neue Formate bieten. «Unser Publikum ist anspruchsvoll und verwöhnt. Wir wollen daher inszenieren und Dinge zeigen, die es anderswo noch nicht zu sehen gibt.»

Erstmals ein Gastland

Einerseits öffnen wie gewohnt die Produktionsstätten von Création Baumann, Girsberger, Glas Trösch, Hector Egger Holzbau und Ruckstuhl ihre Werktore, andererseits stellen über 70 weitere Firmen ihre kreativsten Designs und Architekturlösungen aus. Erstmals sind Design-Schulen aus allen drei Sprachregionen der Schweiz in Langenthal präsent, dazu auch drei internationale Vertreter aus Japan, Holland und Deutschland. Zudem begrüsst der Designers’ Saturday mit Japan neu ein Gastland. «Bei diesem Land sehen wir viele Parallelen zur Schweiz — die Affinität zur Gestaltung, den Perfektionismus, den sorgsamen Umgang mit limitierten Rohstoffen», sagt Geipel. Es handle sich zudem um kein oberflächliches Land, ergänzt Paul Schär. Und: «Wir pflegen eine gegenseitige Wertschätzung.»

Bei seiner ersten Durchführung zählte der Designers’ Saturday um die 600 Besucher, bei der vorletzten Durchführung waren es 17'000. «Das waren fast zu viele», gesteht Gabriella Gianoli ein, denn bei derart vielen Leuten kämen nämlich jene zu kurz, die das Design-Wochenende ansprechen will: Architekten und Designer. Sie sollen in einen regen Austausch mit anderen Fachleuten kommen, nicht bloss mit Aussendienstlern an einem Messestand, sondern mit den Chefs der jeweiligen Firmen. Über den eigenen Gartenhag hinausblicken, sich überraschen und inspirieren lassen können: Das mache den Designers’ Saturday aus.

Eine ganz eigene DNA

Eine Plattform zum Austausch soll auch das neue Format DS-Talk bieten, eine Gesprächsrunde, die am ersten Tag im Stadttheater stattfindet. Sechs Redner aus verschiedenen Ländern und Kulturen werden ihre Gedanken zum Thema «Individual Talent and Collective Thinking» teilen. Danach geht es auf den Rundkurs, bei dem gerade die fünf Gastgeberfirmen Aussergewöhnliches bieten wollen, wie Schär sagt. Dafür stünde für über einen Tag der Produktionsprozess still. Der Gang durch die Werkhallen soll aber nichtsdestotrotz vermitteln, dass hier täglich gearbeitet wird. Sägemehl am Boden, Werkzeuge auf der Werkbank — das alles gehört halt irgendwie dazu. Die Produkte: unfertig. Es geht den Veranstaltern darum, Ideen und Prozesse zu zeigen. «Wer fertige Produkte zum Kauf erwartet, wird enttäuscht», sagt Gianoli.

«Wer fertige Produkte zum Kauf erwartet, wird enttäuscht.»Gabriela Gianoli, Vorstandsmitglied Designers’ Saturday

Der Designers’ Saturday, davon ist auch Jan Geipel überzeugt, habe eine ganz eigene Identität, eine eigene DNA, die atmosphärisch und qualitativ hochstehend ist. Diese gelte es trotz aller Neuerungen zu wahren. Auch der Standort Langenthal steht in keinster Weise zur Diskussion, davon sind das älteste Vorstandsmitglied Gianoli, der neue Kurator Geipel und auch Vorstandspräsident Schär am Tisch im hölzernen Sitzungszimmer überzeugt. Letzterer sagt: «Ich habe mit allen Standortfirmen gesprochen. Sie stehen zu 120 Prozent hinter dem Anlass.» Zeiten ändern sich, alte Firmen gehen, neue kommen. Der Designers’ Saturday bleibt.

Langenthaler Tagblatt

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