Wo früher «geschlöflet» wurde, befindet sich jetzt eine Wiese

Aarwangen

Von Wynau führte der Sonntagsausflug vieler Familien früher an den Mumenthaler Weiher. Im Winter, wenn dieser gefroren war, sogar mit den Schlittschuhen durch den Höchiwald.

Der Mumenthaler Weiher besteht als Naturschutzgebiet nach wie vor, ist aber verlandet.

Der Mumenthaler Weiher besteht als Naturschutzgebiet nach wie vor, ist aber verlandet.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Jürg Rettenmund

Die alte Fotografie mit dem kleinen Häuschen darauf hängt im Eingang der Wohnung von Dora und Peter Bickel in Langenthal. «Es stand am Mumenthaler Weiher», erzählt die 78-Jährige, die in Wynau aufgewachsen ist.

Viel von der Umgebung zeigt das Bild zwar nicht, doch immerhin erkennt man, dass der Weiher damals seinen Namen noch verdient hat.

Eine historische Aufnahme des Weiherhüttlis am Mumenthaler Weiher. Bild: Dora Bickel

Im Sommer war er ein Naturparadies mit Fröschen, Wasserschlangen und Rohrkolben. «Kanonenputzer nannten wir diese Pflanze», weiss Peter Bickel. Heute sind sie geschützt, doch damals wurden sie gepflückt und nach Hause genommen, wo sie getrocknet prächtige Fackeln ergaben. In Langenthal, wo er aufgewachsen ist, war der Weiher ebenfalls ein beliebtes Ziel für Sonntagsspaziergänge.

Im Häuschen konnte man sich niederlassen und das mitgebrachte Zvieri auspacken. Wer das Refugium besass und unterhielt, wissen Dora und Peter Bickel nicht. «Es waren wohl die Kreise aus Aarwangen, die zum Naturschutzgebiet schauten», vermuten sie.

Im Winter jedoch hatten die Familienausflüge zur Jugendzeit der beiden noch wenig mit Naturschutz zu tun. Dann war der Besuch von Wynau aus besonders attraktiv: «Wir konnten beim Schulhausplatz die Schlittschuhe anziehen und loslaufen», erzählt Dora Bickel.

Matten wässern

Das hat mit der ursprünglichen Funktion des Mumenthaler Weihers zu tun: Er war ein Reservoir für die Matten rund um Wynau. Die dortigen Bauern hatten um 1600 sowohl den Weiher als auch den Kanal durch den Wald angelegt.

Die Wynauer Wässermatten waren zwar vor gut einem halben Jahrhundert längst aufgegeben worden, der Kanal aber bestand noch und wurde nun für die Dorfjugend und sportliche Eltern im Winter zur Eisbahn.

Auch für die Langenthaler sei der Mumenthaler Weiher eines von verschiedenen Natureisfeldern gewesen, als es noch keine Kunsteisbahn gegeben habe, ergänzt Peter Bickel.

«So spiegelglatt wie die heutigen Kunsteisbahnen war das Eis natürlich noch nicht.»Peter Bickel

Das Eis dort sei natürlich noch nicht so spiegelglatt gewesen, wie man es heute gewohnt sei, blickt er zurück. Und auf dem Kanal habe man auch mal einem eingefrorenen Baum oder Ast ausweichen müssen, ergänzt sie.

Als Peter und Dora Bickel dann selbst Kinder hatten, gab es in Schoren bereits Kunsteis. «Sie haben dort gelernt, wie man sich auf Kufen bewegt», halten sie fest.

Wie heute im Sängeli

Doch am Rand von Mumenthal verschwanden nicht nur die Eisläufer im Winter. Auch der Weiher verlandete. «Heute trifft man vergleichbare Verhältnisse wie damals noch beim Sängeliweiher an», machen die beiden ihre Jugenderinnerungen nachvollziehbar.

Ein Naturparadies ist der Mumenthaler Weiher aber nach wie vor. 1983 wurde er vom Regierungsrat des Kantons Bern unter Naturschutz gestellt. Das damals geschützte Gebiet des Weihers wurde 1991 erstmals erweitert und dann nochmals 2013.

Bei der letzten Erweiterung wurden im Nachgang zum Bau der Eisenbahn-Neubaustrecke eine Landumlegung durchgeführt und die ökologischen Ersatzmassnahmen im weiteren Umkreis des ehemaligen Weihers konzentriert. Der Perimeter wurde damals von 4 auf 44 Hektaren erweitert.

Das Naturschutzgebiet Mumenthaler Weiher ist seither eigentlich eine Wässermattenlandschaft. Bereits 2007 hatten dort 30 von 52 Zielarten nachgewiesen werden können. Den ehemaligen Wässerungskanal im Höchiwald wiederum hat die Burgergemeinde Wynau 2012 saniert und mit einem einfachen Fussweg ergänzt.

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