«Wo ist der Zusammenhalt?»

Graben

Der Gemeinderat beschäftigt sich mit der Zukunft des Dorfes. Bald könnte eine Steuererhöhung zum Thema werden. Das Interesse der Stimmbürger am Diskurs ist aber offenbar verhalten.

Geht es nach dem Gemeinderat, bleibt Graben noch so lange wie möglich eigenständig.

Geht es nach dem Gemeinderat, bleibt Graben noch so lange wie möglich eigenständig.

(Bild: Thomas Peter)

Es war das wohl mit am meisten Spannung erwartete Geschäft an der Gemeindeversammlung: Die Motion «Graben wie weiter?». Der Gemeinderat setzte diese auf die Traktandenliste, nachdem sich im November eine Mehrheit der Stimmbürger dafür ausgesprochen hatte, dass die Zukunftsfrage abgeklärt werden muss. Dies angesichts des defizitären Haushalts (wir berichteten).

Gemeindepräsident Marcel Stalder legte in einer längeren Stellungnahme die Überlegungen des Gemeinderates dar: «Ein Zusammenschluss mit einer Nachbargemeinde ist aus unserer Sicht keine Lösung für die Probleme der Gemeinde.» Mit einer Fusion verliere man die Möglichkeit, das Dorf nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Weshalb es das Ziel sein müsse, so lange wie möglich eigenständig zu bleiben. Dies ohne die Augen vor den Problemen zu verschliessen: «In Bezug auf die Finanzen können wir nicht ewig so weitermachen.» Weshalb man sich womöglich schon für das nächste Budget Gedanken wegen der Steueranlage machen müsse. Diese liege mit 1,5 unter dem Durchschnitt des Kantons.

«Das ist illusorisch»

In der Diskussionsrunde zeigte sich: Grundsätzlich möchten die Grabener an ihrer Eigenständigkeit festhalten. «Wir haben den Eindruck, dass die Leute eher bereit sind, eine Steuererhöhung in Kauf zu nehmen als eine Fusion», stellte Gemeinderat Christoph Uebersax fest. Die Stimmbürger haben aber auch Bedenken: «Es ist illusorisch, noch lange unabhängig zu bleiben. Andere Gemeinden wie etwa Bützberg wachsen, während bei uns Stillstand herrscht», meinte einer der Votanten. Alles in allem hielt sich die Diskussion aber in Grenzen. Das passt ins Bild: So hatte der Gemeinderat, weil er die Bevölkerung miteinbeziehen wollte, im Februar an alle Stimmberechtigten einen Fragebogen verschickt – insgesamt 239. Retourniert wurden allerdings nur gerade deren 6, was einer Quote von 2,5 Prozent entspricht. «Das zeigt auch etwas», meinte der Gemeindepräsident vielsagend. Und so stand an diesem Abend vor allem eine Frage eines Votanten im Raum: «Wo ist der Zusammenhalt im Dorf?»

Diese Frage galt es auch bei den beiden Kreditanträgen für den Ersatz der Wasserleitung Hubel (160 000 Franken) und für den Anschluss des Hubels ans öffentliche Kanalisationsnetz (40 000) zu klären. Der Gemeinderat möchte beides gleichzeitig realisieren, was den Vorteil hätte, dass die Kosten für die Kanalisation deutlich tiefer ausfallen würden. Zu Recht wurde aber aus dem Plenum angemerkt, dass die Gemeinde gemäss Abwasserreglement nicht dazu verpflichtet wäre, die Leitungen in den abgelegenen Hubel zu realiseren, in dem es bisher fast nur Landwirtschaftsbetriebe gab und in dem nun aber neue Wohnungen entstehen. «Wir sind eine Gemeinde und reissen alle am gleichen Karren», sprach sich schliesslich Gemeinderätin Theres Gränicher für das Projekt und den Gemeinschaftssinn im Dorf aus. Woraufhin beide Kredite von den 31 anwesenden Stimmberechtigten deutlich genehmigt wurden.

Rücktritt erklärt

Einstimmig bewilligt wurde die Rechnung, die im allgemeinen Haushalt bei einem Aufwand von 1,17 Millionen Franken mit einem Defizit von knapp 5000 Franken abschliesst. Das entspricht einer deutlichen Besserstellung: Budgetiert war ein Minus von 116 590 Franken.

Eine Überraschung gab es im Verschiedenen: Gemeindepräsident Marcel Stalder hat seinen Rücktritt per Ende Jahr erklärt. Dies aus «beruflichen Gründen», wie er nach der Versammlung erklärte.

Berner Zeitung

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